„Gutachten strotzt vor Fehlern“: Fraktionen kritisieren Analyse vom Kreis zu Gesundheitsakademie

16. März 2019
bad soden-salmünster

In einer gemeinsamen Presseerklärung haben am Freitag die Fraktionsvorsitzenden von SPD, GWL und CDU zu der vom Main-Kinzig-Kreis vorgelegten Standortanalyse „Gesundheitsakademie“ ausführlich Stellung genommen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für die geplante Akademie für Gesundheit und Pflege scheint eine Vorentscheidung gefallen zu sein: Der Kreisausschuss hatte am Mittwoch eine Studie veröffentlicht, die die Bewerbungen der sechs interessierten Kommunen analysiert. Das Ergebnis: Wächtersbach liegt vorn.

„Enttäuschung, Verwunderung und Verärgerung“ seien die ersten Reaktionen auf das Gutachten des Kreises gewesen, teilen die Kommunalpolitiker mit. „Das nun vorliegende Gutachten wird dem Anspruch, ein sachlich richtiges Urteil zu einer Zweifelsfrage herbeizuführen, in keiner Weise gerecht.“ Völlig unerklärlich sei, weshalb das Architekturbüro Rack mit der Analyse der Bewerberstandorte beauftragt worden sei, wenn doch nachweislich die Planentwürfe der Bewerbung Wächtersbachs ebenso vom Büro Rack erstellt worden sind. „Es verwundert insofern nicht, dass der Gutachter Rack für seinen eigenen Vorschlag Bestnoten verteilt und völlig unverhältnismäßige Gewichtungen zugunsten von Wächtersbach vornimmt.“

Die drei Fraktionschefs haben zudem „zahlreiche Fehler, Widersprüche und Fehlschlüsse des Gutachters“ entdeckt: „Offensichtlich und für jedermann nachmessbar sind die Messfehler von Rack bei der Strecke des Fußweges vom Bahnhof zur Gesundheitsakademie. Im Gutachten werden für den Standort Bad Soden-Salmünster 1,8 Kilometer berechnet, tatsächlich sind es lediglich 1,2 Kilometer.“ Weil dieses Kriterium vom Gutachterbüro die höchste Gewichtung erfahren habe, zeitige dieser Messfehler erhebliche Folgen für die Gesamtbewertung.

„Äußerst widersprüchlich“ ist nach Ansicht der drei Parteien in der Stadtverordnetenversammlung auch die Bewertung der Parkplatzsituation. Als einzige Kommune könne Bad Soden-Salmünster den geforderten Stellplatzbedarf von 250 Parkplätzen nachweisen. Zudem stelle der Gutachter ausdrücklich fest, dass hinsichtlich der Parkplätze zusätzliche Kosten als auch die Versiegelung weiterer Flächen zu vermeiden seien und bewertet die Bewerbung von Bad Soden-Salmünster daher mit der Höchstpunktzahl. Diesem Befund widerspreche Rack aber in seinem Gutachten, indem er den Bau eines Parkhauses in Wächtersbach oder Gelnhausen als „positiven städtebaulichen Effekt“ bewerte und diesen doppelt so stark gewichte wie die vorhandene Parkplatzsituation in den Bewerberstädten. Zudem stellen CDU, GWL und SPD in der Kurstadt fest, dass die Errichtung eines Parkhauses „nie ein gefordertes Bewerbungskriterium des Kreises war“. Ebenso sei Bad Soden-Salmünster der gemeinsame Betrieb eines Parkhauses nie angeboten worden: „Die Bewerberkommunen haben also vom Landkreis und dem Gutachter nie dieselbe Chance erhalten.“

Den Kommunalpolitikern in der Kurstadt kommt es überdies „geradezu grotesk“ vor, dass in dem gesamten Gutachten für die Frage, ob eine Bewerberstadt bereits Gesundheitsstandort ist, „genauso viele Punkte vergeben werden wie für die Idee des Landkreises, in Gelnhausen oder Wächtersbach ein Parkhaus zu errichten“. Als „unhaltbar und politisch nicht vertretbar“ ist aus Sicht der drei Fraktionschefs, dass im gesamten Gutachten „nicht der Frage nachgegangen wird, welche Kommune ein Angebot für einen geeigneten Lern- und Ausbildungsort unterbreitet hat“. Bad Soden-Salmünster biete ein „ideales Lernumfeld“ hierfür, weil die Akademie in Soden an einem Gesundheitsstandort angesiedelt sei, der ein ruhiges Lernumfeld und Naherholung biete. Vor diesem Hintergrund sei „nicht erklärbar“, warum ein Grundstück, das wie in Wächtersbach „zwischen Bahngleisen, Bundes- und Landstraße liegt und eine immense Lärmbelastung aufweist, (...) besser bewertet wird als das ruhige Lernumfeld am Kurpark (...)“. Die Ausführungen von Gutachter Rack, das Gebäude der Gesundheitsakademie selbst könne als Lärmschutz für die Wohnbebauung dienen, müsse „geradezu absurd erscheinen. Von den Zusatzkosten, um die gesetzlichen Lärmvorschriften einzuhalten, spricht bei Rack natürlich keiner“, kritisieren die Fraktionschefs.

Ebenso werde die Verfügbarkeit von Wohnraum nicht korrekt bewertet. Zwar führe eine angespannte Wohnungsmarktsituation zu einer Null-Punkte-Bewertung, was der Gutachter für Gelnhausen auch feststelle, doch „er vergibt hierfür dennoch drei Punkte an Gelnhausen“, fragen sich Vertreter von CDU, GWL und SPD. Schon heute würden Azubis der Main-Kinzig-Kliniken im früheren Krankenhaus Salmünster untergebracht, weil es in Gelnhausen und Wächtersbach an Wohnraum mangele.

Als Fehler bezeichnen die drei Fraktionschefs auch, dass der Gutachter in Schlüchtern und Wächtersbach die sofortige Bebaubarkeit des Grundstücks bejahe und mit Höchstpunktzahlen bewerte, „obwohl glockenklar ist, dass an beiden Standorten von Altlasten und damit zeitaufwendigen Beseitigungsarbeiten auszugehen sei“. Dies gelte besonders für Wächtersbach. Dort hätten einst Holzschwellen der Bahn gelagert, die andernorts oft „schwerwiegende Umweltbelastungen“ verursacht hätten.

Für die drei Fraktionen strotzt das Gutachten vor Fehlern und Fehlschlüssen zu Ungunsten Bad Soden-Salmünsters und könne daher „niemals Grundlage einer Entscheidung werden“. / hgs

Bürgermeister Brasch besucht Median Kinzigtal-Klinik

Im Rahmen seiner Klinikbesuche war Bürgermeister Dominik Brasch zu Gast in der Median Kinzigtal-Klinik. Die Digitalisierung, der Fachkräftemangel und natürlich die Akademie für Gesundheit und Pflege standen auf dem Programm.