Heike Link macht nach fast 30 Jahren im Kaufhaus Langer eine Ausbildung zur Altenpflegerin

16. Juli 2019
Region

Heike Link (50) begrüßt ihren Besucher im Fuldaer Berufsbildungszentrum „Medi Campus“. Die Schülerin der Altenpflege arbeitete fast dreißig Jahre lang im Schlüchterner Kaufhaus Langer bis zu dessen Schließung vor eineinhalb Jahren. In diesem biografischen Einschnitt erkannte sie jedoch die Chance, etwas völlig Neues zu beginnen.

Von Hanswerner Kruse

„Wir haben alle Muskelkater wenn die Schule wieder anfängt, weil wir nicht gewohnt sind, so lange zu sitzen“, erzählt die 50-Jährige und lacht. Als Verkäuferin kam sie sehr gut mit älteren Kunden klar, hatte auch gelegentlich private Kontakte mit ihnen und entschloss sich deshalb, Altenpflegerin zu werden.

Zunächst absolvierte sie diverse Praktika, um sicher zu sein, diesen Beruf ergreifen zu können. Dann begann sie mit Unterstützung des Arbeitsamtes ihre Ausbildung. Im Wechsel ist sie seitdem jeweils vier bis fünf Wochen in der Betreuungseinrichtung oder in der Schule tätig.

Ausbildung als Herzensangelegenheit

Link ist immer noch begeistert von der praktischen Arbeit im Heim und dem Unterricht in der Schule. Die Realität hat ihr auch nach einem Jahr noch nicht ihre „Herzensangelegenheit“ – wie sie damals ihren Berufswunsch in unserer Zeitung nannte – vergällt.

Mit der körperlichen Nähe zu den hilfsbedürftigen Menschen kann sie gut umgehen und sieht darin auch große Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme: „Wenn ich jemanden morgens wasche und anziehe, dann kann ich gleichzeitig viel mit ihm reden.“ So wird die sogenannte Grundpflege zur Möglichkeit für Kommunikation und Entwicklung der Beziehung: „Ich komme ins Zimmer, dann geht’s los.“

Wahnsinnig interessante Biografien

Die Biografien der zu Betreuenden findet sie „wahnsinnig interessant“. Deshalb ermuntert sie die Bewohner dazu, aus ihrem Leben zu erzählen. Sie kommt aus der gleichen Gegend wie die alten Menschen, weiß also allerlei über Ereignisse und Volksfeste ihrer Heimatregion. Manche Senioren kennt sie noch als Kunden im Kaufhaus.

„Viele sind so dankbar, ihr Leben zu erzählen.“ Ganz offensichtlich fühlen sie sich von der Altenpflegerin wahrgenommen und wertgeschätzt, die wiederum eine Menge guter Gefühle von ihnen zurückbekommt. Sie kann auch gut mit Demenzkranken arbeiten: „Ich finde immer einen Weg, sie in ihrer Welt zu erreichen.“

Links neue Arbeit ist stressig und anstrengend, da redet sie nicht drumherum. Immer ist sie im Zwiespalt, weil alles flott gehen muss, während die Senioren so langsam sind und ihren Rhythmus brauchen. „Aber es gibt jeden Tag einen schönen Moment, den schreibe ich mir auf.“