Landwirte protestieren mit ironischen Plakat gegen Argrapolitik

19. September 2019
Schlüchtern

Der Kreisbauernverband Main-Kinzig übt massive Kritik am verhandelten Agrarumweltpaket des Bundes. Aus diesem Grund wurde bei Schlüchtern an der Umgehungsstraße ein Protestplakat aufgestellt.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Die Landwirte Ulrich Klein (Schlüchtern) und Mark Trageser, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Main-Kinzig, stellten am Donnerstag gut sichtbar an der Kreuzung beim Autohaus Mader & Vey in Schlüchtern ein großes Plakat mit der Aufschrift „Danke, Julia! Deine Bauern“ auf.

Dass sich die damit angesprochene Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) über dieses Lob nicht freuen kann, das wurde im Gespräch mit den beiden Bauern schnell deutlich.

Landwirte befürchten Einbußen

Jüngster Anlass ist das von Klöckner vorgestellte Agrarumweltpaket, das zu Einkommenseinbußen bei den Landwirten führen werde, so ihre Befürchtung. Doch der Frust sitzt viel tiefer und bricht sich nun in diesem ironischen, wenn nicht sarkastisch gemeinten Kommentar Bahn.

Denn die Landwirte haben in den zurückliegenden Jahren vermehrt den Eindruck gewonnen, „nur noch alles falsch zu machen“, so drückt sich Trageser aus. Ob nitratbelastete Brunnen, Mängel in der Tierhaltung oder das „angeblich durch die Landwirtschaft mitverursachte, aber keineswegs bewiesene Insektenterben“, immer würde die Bauernschaft als Ganzes dafür verantwortlich gemacht. Dabei leugnen sie nicht, dass es auch in ihrem Berufsstand schwarze Schafe gebe.

Medien würden Bauern nur kritisieren

„Wenn ich die Zeitung aufschlage, das Fernseh einschalte, immer wird uns ein neuer Vorwurf in die Schuhe geschoben“, beklagt sich Trageser. „Da verliert man irgendwann die Lust, Nahrungsmittel herzustellen.

Das ist enorm frustrierend“, erklärt der Landwirt aus Linsengericht. Noch nie hätten so viele Milchviehhalter aufgegeben wie im Moment. Bei der Hochwald-Molkerei, bei der Trageser im Aufsichtsrat sitzt, hätten im vergangenen Jahr sieben Prozent aller Landwirte ihre Milchviehställe dicht gemacht, sonst seien es nur drei bis vier Prozent pro Jahr gewesen.

Großes Problem seien billige Importe

Die Bauern stemmten sich nicht gegen Veränderungen, „aber man muss mit uns sprechen und vernünftige Antworten liefern“, fordert er.

Was aber sei daran vernünftig, wenn die Rinderzüchter in Deutschland enorm hohe Auflagen erfüllen müssten, während das Freihandelsabkommen Mercosur mit Südamerika dazu führe, dass der Regenwald abgeholzt werde und billige Importe den heimischen Landwirten das Überleben erschweren?, fragt Trageser rhetorisch.

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark eingeschränkt

Nun also der jüngste Aufreger, der Gesetzesentwurf des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums für das Agrarumweltpaket. Dies führe dazu, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Main-Kinzig-Kreis auf 600 Hektar Ackerland und 2500 Hektar Grünland künftig nicht mehr erlaubt wäre.

Diese Gesamtfläche entspricht der von 30 durchschnittlichen Vollerwerbslandwirten. Insgesamt gibt es im Main-Kinzig-Kreis ungefähr 46 000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Viele Landwirte werden wohl auf der Strecke bleiben

Für die Bauern bedeutet dies zweierlei: Zum einen würden sie in die Ökolandwirtschaft gezwungen, für die aber die Absatzmärkte gar nicht groß genug seien. Zum anderen werden sich ihre Einkommen verringern, weil viele Naturschutzmaßnahmen, die sie bislang freiwillig umsetzten, nun Gesetz würden. Das habe zur Folge, dass es dafür keine EU-Förderung mehr gebe.

Durch das Agrarumweltpaket verlören die landwirtschaftlichen Flächen massiv an Wert. Der reale Markt für ökologische Produkte werde komplett ausgeblendet, denn schon jetzt hätten Biobetriebe das Problem, ihre Getreideernten zu vermarkten. „Dies hat einen ruinösen Preiskampf zur Folge. Damit ist niemandem gedient, am wenigsten den landwirtschaftlichen Betrieben, die jetzt schon ökologisch wirtschaften“, sagt Trageser.