Lebenslange Freiheitsstrafe oder Freispruch?

01. Februar 2018
Hanau

Hat der frühere Anwalt Dirk M. (49) seine Ehefrau (52) mit Spiritus übergossen, angezündet und so getötet? Die Staatsanwaltschaft sieht das als erwiesen an und verlangt eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes aus Grausamkeit. Die Verteidiger hingegen plädieren auf Freispruch ihres Mandanten.

Das Urteil soll am Freitag, 9. Februar, um 10 Uhr gesprochen werden. In einem mehr als einstündigen Plädoyer zeichnete Oberstaatsanwalt Dominik Mies im Hanauer Landgericht gestern ein düsteres Profil des Angeklagten.

Der sei nach dem Jahr 2004, in dem er auch seine Anwaltszulassung zurückgegeben habe oder habe zurückgeben müssen, wie Mies andeutete, regelrecht abgestürzt.

Zudem sei er ein brutaler Schläger. Den Tathergang schilderte Mies folgendermaßen: Dirk M. habe am Abend oder in der Nacht des 20. März 2017 seine Frau im Treppenhaus geschlagen und sie dann in der Badewanne sitzend mit Spiritus übergossen und angezündet.

Danach habe er die Schwerstverletzte noch abgeduscht und versucht, Spuren zu beseitigen. Schließlich habe er sie mit einem frischen Nachthemd ins Bett gelegt. Am Morgen des 21. März sei Dirk M. um 8.30 Uhr nach Frankfurt gefahren und gegen 20 Uhr zurück in die Wohnung gekommen, wo er um 20.26 Uhr einen Notruf absetzte.

„Am Morgen ließ er sie in ihren Qualen liegen, am Abend spielte er dann den besorgten Ehemann, wobei er sich noch einen Alibi-Zeugen besorgte“, sagte Mies. Ein Zeuge soll ein Handytelefonat zwischen Dirk M. und seiner Frau mitbekommen haben, am frühen Abend des 21. März. Jedoch gibt es keinen Nachweis für dieses Gespräch.

Die Verteidigerin erklärte, das Verfahren sei „geprägt von Eindrücken, Stimmungen, wenig Fakten“. Entscheidend sei die mutmaßliche Tatzeit, die ein Gutachter wohl widersprüchlich dargestellt hatte. Nach dessen letzten Erkenntnissen rührten die Verletzungen des Opfers angeblich aus einem Zeitrahmen von sechs bis acht Stunden vor der Untersuchung her, die er durchgeführt hatte. Und für die daraus ermittelte Tatzeit am Morgen des 21. März habe Dirk M. ein Alibi.

War es doch ein ominöser Dritter, der Petra M. tötete? Auch ein Motiv sieht Runge für ihren Mandanten nicht. Hinzu komme, dass keinerlei Angriffsspuren an ihm festgestellt worden seien. All das sei nicht ausreichend für eine Verurteilung. / rha

Mehr lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Kinzigtal Nachrichten und im E-Paper.