Lebenslange Haft für Angeklagten im Reiterhof-Prozess – Chefin nach Streit erdrosselt

17. September 2019
Hanau/Schöneck

Im Prozess um den Mord an einer Reiterhof-Chefin in Schöneck (Main-Kinzig-Kreis) ist der Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Verteidiger hatten am Dienstag für eine Haftstrafe von weniger als zehn Jahren plädiert.

Das Landgericht Hanau sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der zur Tatzeit 22-jährige Rumäne heimtückisch vorging und die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausgenutzt hatte. Eine besondere Schwere der Schuld wurde nicht festgestellt. Die Verteidigung kündigte an, in Revision zu gehen.

Streit um Lohn führte zum Mord

Der Rumäne war als Hilfsarbeiter auf dem Pferdehof im Ortsteil Büdesheim beschäftigt. Die Tat ereignete sich am 10. September 2018. Nach einem Streit im Zusammenhang mit dem zwischenzeitlich gekündigten Arbeitsplatz soll der Mann der 51-Jährigen plötzlich ein Seil um den Hals gelegt und sie erdrosselt haben.

In Vernehmungen bei der Polizei räumte der Stallbursche die Tat ein. Vor Gericht wiederholte er sein Geständnis. Ein Motiv sei vor allem Streit um Geld gewesen, erklärte der Vorsitzende Richter Peter Graßmück.

Zudem war es wiederholt auch aus anderen Gründen zu Differenzen mit der Reiterhof-Chefin gekommen. Graßmück sprach daher von einem „Bündel an Motiven“. Aber auch eine lebenslange Freiheitsstrafe „könne nicht kitten, was kaputt gemacht wurde“, sagte Graßmück mit Blick auf die 23-jährige Tochter der Frau, die als Nebenklägerin aufgetreten war.

Forderung der Staatsanwaltschaft erfüllt

Der Urteilsspruch entsprach der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die beide eine lebenslange Haftstrafe gefordert hatte. Die Verteidigung sah nur den Tatbestand des Totschlags für erfüllt an und hatte auf eine Strafe von weniger als zehn Jahren plädiert.

Versuchte Tat als Selbstmord zu vertuschen

Nach Ansicht des Gerichts hatte der Angeklagte aber frühzeitig den festen Entschluss gefasst, sein Opfer umzubringen: Er steckte ein Seil ein, ging unter dem Vorwand, ein Werkzeug zu benötigen, mit der Frau ins Haus und strangulierte sie zu Tode.

Um die Tat zu verdecken, hatte er sie dann an einem Treppengeländer im Hausflur aufgeknüpft. So wollte er den Eindruck erwecken, dass sie sich selbst umgebracht hatte.

Konnte sich zunächst ins Ausland absetzen

Weil der Stallbursche zunächst nicht im Fokus der Ermittlungen stand, konnte er nach dem Todesfall unbehelligt abreisen. Gut vier Monate später wurde der mit einem internationalen Haftbefehl gesuchte Mann allerdings in Österreich festgenommen. Nach dem Todesfall in Schöneck hatte er dort eine neue Stelle angenommen. / dpa