Menschen mit Handicaps bestücken Werkzeugkoffer für Engelbert Strauss

09. September 2019
Schlüchtern/Hanau

Zusammenarbeit mit viel Potenzial! Beschäftigte der Steinheimer Werkstätten bestücken auch Werkzeugkoffer für Engelbert Strauss. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Biebergemünd arbeitet schon seit vielen Jahren mit dem Behinderten-Werk Main-Kinzig (BWMK) zusammen.

Möglicherweise könnte der junge Mann seine Arbeit auch mit verbundenen Augen verrichten. Jeder Handgriff sitzt. Die Werkzeuge werden zielgerichtet in den dafür vorgesehenen Halterungen befestigt. „Hier fehlt nur noch ein Schraubenzieher“, sagt er, greift das fehlende Stück aus dem Regal und gibt es in den Koffer. Auftraggeber ist die Firma Engelbert Strauss, die vor allem durch die Herstellung und den Vertrieb von Arbeitsbekleidung bekannt ist.

„Wir finden es unterstützenswert, dass das BWMK gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderung ermöglicht. Uns ist es sehr wichtig, wegweisende Ideen und Konzepte zu fördern und Nachahmer zu eigenem Engagement zu motivieren“, wird Geschäftsführer Steffen Strauss in einer BWMK-Pressemitteilung zitiert.

Direkt in allgemeinen Arbeitsmarkt eingebunden

Die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) des BWMK erbringen vielfältige Dienstleistungen, heißt es in der Presseinformation. An den acht Werkstatt-Standorten zwischen Schlüchtern im Nordosten und Hanau-Großauheim im Süden des Main-Kinzig-Kreises reiche das Spektrum der Arbeitsfelder von Industriemontage und Holzverarbeitung über landwirtschaftliche Produktion, Aktenvernichtung, Kunststoff-Schreddern, Verpackung, E-Recycling, digitales Dokumentenmanagement und Digitaldruck bis hin zu Wäscherei und Metallverarbeitung.

„Werkstätten tragen dazu bei, dass Menschen mit Handicaps am Arbeitsleben teilhaben und Chancen auf Qualifizierung und Entwicklung realisieren können“, unterstreicht Jürgen Spielmann, Betriebsleiter der Werkstätten in Steinheim und Langenselbold. Wo es möglich ist, würden die Menschen direkt in den allgemeinen Arbeitsmarkt eingebunden. Zum Beispiel seien rund 40 Werkstatt-Beschäftigte aus Steinheim in Firmen der Region tätig – mit Begleitung durch das BWMK.

Werkzeugkoffer in acht verschiedenen Varianten

„So haben die Menschen die Möglichkeit, ihre Talente zu erproben. Daraus ergibt sich in einigen Fällen die dauerhafte Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt“, sagt Spielmann. In der Metall-Werkstatt und den Arbeitsräumen für Industriemontage, Verpackung und Konfektionierung in Steinheim arbeiten demnach rund 220 Menschen mit Beeinträchtigungen. Dadurch, dass komplexe Arbeiten in einzelne Schritte unterteilt werden, könnten sich alle Beschäftigten in den Arbeitsprozess einbringen.

Beispiel Werkzeugkoffer: Davon werden, so das BWMK, insgesamt acht verschiedene Varianten hergestellt – jeweils auf die Bedarfe unterschiedlicher Handwerker ausgerichtet, wie zum Beispiel Elektriker, Dachdecker oder Schreiner. Die Kunststoffkoffer werden zunächst mit einer Schaumstoff-Einlage versehen, dann wird eine Halterung für Schraubenzieher und anderes Gerät hineingeschraubt. Schon kann es mit dem Befüllen losgehen: Zollstöcke, Hämmer, Wasserwaagen, Schraubenschlüssel und Co. liegen griffbereit und gut gekennzeichnet in Regalen.

Potenziale entdecken und umsetzen

Werkzeuge sortieren, nach einer bestimmten Systematik bereitlegen, Koffer montieren, Koffer bestücken – die einzelnen Arbeitsschritte seien klar ersichtlich und für die Beschäftigten nachvollziehbar. So könne jeder auf seinem Posten selbstständig arbeiten. An einer weiteren Station werden Kartons gefaltet – die Verpackung für die Werkzeugkoffer. „Die Arbeit macht Spaß – und es ist schön, wenn wieder eine Palette mit Koffern fertig wird“, erklärt das Werkstatt-Team.

Das Netzwerk Werkstatt biete Menschen mit Beeinträchtigungen viele Möglichkeiten ihre Potenziale zu entdecken und umzusetzen. „Unsere Kunden schätzen die gute Zusammenarbeit, die Qualität und Liefertreue unserer Leistungen sowie die Fachkompetenz besondere Lösungen für Menschen mit besonderen Bedarfen zu finden“, sagt Spielmann. So würden gemeinsam neue Möglichkeiten geschaffen – für die Auftraggeber ebenso wie für die Menschen mit Beeinträchtigungen. / KN

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