Mit 18 Jahren: Andreas Lenz aus Elm ist wohl jüngster Meister Hessens

12. Dezember 2019
Elm

Dreimal ist Bremer Recht, so ein Sprichwort aus der Hansestadt. Übertragen ist dreimal aber auch Elmer Recht. So gibt es bei der Schäferfamilie Lenz am Donnerstag gleich drei Gründe, die Korken knallen zu lassen: Ein Meisterbrief, ein neuer Schäfer-Azubi im Familienbetrieb – und dann noch ein Geburtstag.

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

Gut gelaunt sitzt Andreas Lenz am Küchentisch seines Elternhauses in der Huttener Straße in Elm. Er lächelt über das ganze Gesicht, als er über seinen beruflichen Werdegang spricht. Kein Wunder, schließlich hat es in der jüngsten Vergangenheit einige Veränderungen in seinem Leben gegeben, die sicherlich ganz nach dem Geschmack des sympathischen jungen Mannes sind. Den Meisterbrief in der Tasche, hat er nun eine weitere Ausbildung angefangen. In der größten Schäferei des Kreises. Sein neuer Chef: Vater Wilfried Lenz.

Wer in den vergangenen Tagen aufmerksam die Kinzigtal Nachrichten gelesen hat, der konnte eine Privatanzeige in unserem Lokalteil in der Zeitung finden: „Lieber Andreas, Du hast es schon immer verstanden, ordentlich und ohne große Umstände mit anzupacken. Dein handwerkliches Geschick und Deine sympathische Art haben Dich weit gebracht“, war da zu lesen.

Drittbester der Frankfurter Fleischerschule

Ganz klar, Wilfried und Carmen Lenz sowie Bruder Stefan sind stolz auf Andreas. Vollkommen zu recht, denn der junge Mann hat jüngst die Fleischermeisterprüfung bestanden. Als drittbester der Frankfurter Fleischerschule J. A. Heynen. Als jüngster Absolvent, denn die Prüfung legte er mit gerade einmal 18 Jahren ab.

„Andreas Lenz ist der jüngste Meister im Bereich unserer Kreishandwerkerschaft. Und auch darüber hinaus. Mir ist niemand bekannt, der mit 18 Jahren schon einen Meisterbrief erlangt hat“, sagt dazu Thomas Schilling (Kreishandwerkerschaft Schlüchtern-Gelnhausen).

Lenz weiß, was er machen will

Nun stehen ihm alle Türen offen. Er könnte zum Beispiel studieren gehen. Will er aber nicht. Über sein rasches berufliches Vorankommen sagt Andreas Lenz: „Ich habe einen Vorteil gegenüber anderen in meinem Alter. Ich weiß, was ich machen will.“

Diese Überzeugung sorgte dafür, dass er das Schlüchterner Ulrich-von-Hutten-Gymnasium nicht bis zum Abitur besuchte, sondern mit dem Realschulabschluss in der Tasche verließ, um im August 2017 eine Metzger-Ausbildung in Schwarzenfels zu beginnen. „Ich dachte mir, die drei Jahre sollen mir nicht schaden. Auch wenn es meiner Oma lieber gewesen wäre, wenn ich erst mein Abitur gemacht hätte“, sagt er und lacht.

Seine ehemaligen Schulkollegen haben seit diesem Sommer ihr Abitur. Da hatte Lenz schon seinen Gesellenbrief. Denn aus ursprünglich drei Lehrjahren wurden bei seinen Wechseln zu anderen Betrieben zuerst zweieinhalb, dann zwei. „Ich habe mich in der Schule ganz gut angestellt“, sagt er. „Meine erste Drei habe ich in der dritten Klasse nach Hause gebracht. Da flossen einige Tränen“, sagt er schmunzelnd. In der Berufsschule das gleiche Spiel. „Ich sage mal so: Einige haben da schon mit dem Dreisatz ihre Probleme.“

Gutschein für seine Leistung

Also verfolgte er das Ziel, die Ausbildung so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Gesagt, getan. Gesellenprüfung, bestanden. Ab September hat er die Meisterschule in Weiterstadt besucht – mit gut zwei Jahren Abstand als jüngster Absolvent. „Ich wollte das nicht erst mit 30 oder 40 angehen, wie einige meiner Kollegen.“ Für seine Leistungen gab es einen Gutschein. Den setzt er ein, um sich im Herbst zum Fleisch-Sommelier weiterbilden zu lassen.

Richtig ausgelastet hat ihn die Schule wohl nicht, denn wenn er wochenends nach Hause gekommen ist, packte er im elterlichen Betrieb mit an. „Ich brauche das zum Runterkommen. Stefan und ich machen das Radio an und arbeiten manchmal bis in die Nacht. Mein Vater meinte, als er uns mal um 1 Uhr noch beim Arbeiten getroffen hat: ‚Ihr seid verrückt.‘ Aber ehrlich, ich brauche das so.“

Schäfer-Azubi im elterlichen Betrieb

Seit dem 1. Dezember ist er nun Schäfer-Azubi im elterlichen Betrieb. Die Ausbildung dauert für ihn 20 Monate. „Aber eigentlich bin ich ja schon mein ganzes Leben lang in der Lehre“, erzählt der Jung-Meister. Sein Vater, Schäfermeister Wilfried Lenz, hat sich in den 1990ern selbstständig gemacht.

Schafe gab es im Elternhaus aber schon vorher. Willi und Elisabeth Lenz, die Großeltern von Andreas, haben im Jahr 1963 den Startschuss für die Schäferei gegeben. „Mit einem Schaf“, erzählt Andreas. Der Opa, der aus Schlüchtern kam, hatte mit seiner Frau Elisabeth (vom Haineshof) die damalige alte Mühle abgerissen und das jetzige Haus gebaut.

Keine Zeit für eine Freundin

Inzwischen stehen in der Schäferei 400 Schafe und 100 Ziegen im Stall. Weitere 660 sind noch auf den Wiesen. Da bleibt keine Zeit für eine Freundin. „Und man muss erstmal eine finden, die das mitmacht“, sagt er und grinst verschmitzt.

Es gibt also jede Menge Arbeit für den neuen Schäfer-Azubi. Aber vielleicht nicht unbedingt heute. Denn Andreas Lenz hat Geburtstag. Er wird 19. Aber wer ihn kennt, der weiß, dass er sicherlich auch an seinem Ehrentag nicht nur ruhig sitzen und Kaffeetrinken kann.

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