Nach Kinderporno-Vorwürfen gegen Pfarrer: Priesterrats-Sprecher ist entsetzt

21. Januar 2020
Marborn/Romsthal

Dr. Michael Müller ist nicht nur der Pfarrer der Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Bad Soden-Salmünster, sondern auch seit wenigen Monaten Sprecher des Priesterrats im Bistum Fulda. Er zeigt sich auf Anfrage über den Fall seines Pfarrerkollegen Martin K. entsetzt.

Wie berichtet, ist der bisherige katholische Pfarrer für Marborn und Romsthal, Martin K., vom Bistum Fulda von allen Aufgaben suspendiert worden. Dies verkündete Generalvikar Christof Steinert am Sonntag nach den Gottesdiensten in Marborn und Romsthal.

Jede priesterliche Tätigkeit untersagt

Anlass sind staatsanwaltliche Ermittlungen wegen des Verdachts, dass sich der 52-jährige Gemeindepfarrer kinder- und jugendpornographisches Material verschafft und offenkundig online heruntergeladen hat. Bischof Dr. Michael Gerber hat den Priester daraufhin mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern beurlaubt und ihm jede priesterliche Tätigkeit untersagt.

Schwierige Wochen stehen bevor

Pfarrer Dr. Michael Müller erklärt dazu auf Anfrage: „Ich bin schockiert und entsetzt über die gegenüber Pfarrer Martin K. erhobenen Vorwürfe. Dass jemand mit einer solchen psychischen Störung in der Seelsorge wirkt, macht mich fassungslos.“

Müller fügt hinzu: „Wir Priester leben wie alle Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Kirche vom Vertrauen der Menschen. Wir arbeiten mit den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren Gemeinden in zahlreichen Einrichtungen mit und für Kinder. Wir verkünden Jesus, der Kinder gesegnet und besonders in Schutz genommen hat. Es wird uns neu vor Augen geführt, wie wichtig die Präventionsmaßnahmen sind, die wir unter allen Mitarbeitern und in unseren Kirchengemeinden seit Jahren durchführen.“

Als Moderator des Pastoralverbunds Heiligkreuz-Salmünster-Kinziggrund hoffe er, dass für das Gemeindeleben in der vorerst pfarrerlosen Kirchengemeinde in Romsthal und Marborn mit allen ehrenamtlich Engagierten vor Ort eine gute Lösung gefunden werde „und alle gemeinsam die nächsten schwierigen Wochen und Monate bewältigen“.

Staatsanwaltschaft bestätigt Verfahren gegen einen Pfarrer

Namens der Staatsanwaltschaft Hanau bestätigte Oberstaatsanwalt Dominik Mies auf Anfrage unserer Zeitung lediglich, dass ein Verfahren gegen „einen katholischen Pfarrer aus dem Main-Kinzig-Kreis, unter anderem wegen Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Schriften, anhängig ist“. Weitere Angaben könne er vor dem Hintergrund des aktuellen Verfahrensstandes aus Rechtsgründen nicht machen.

Wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgeschlossen sind, wird bei derlei Verfahren in der Regel nach Sachlage und Ermittlungsergebnis entschieden, ob das Verfahren mit oder ohne Auflagen eingestellt wird, ob ein Strafbefehl ausgestellt oder Anklage vor dem zuständigen Amts- oder Landgericht erhoben wird. Über die Zulassung entscheidet dann das jeweilige Gericht. / hgs

Kinderpornographisches Material heruntergeladen? Katholischer Pfarrer aus dem Kinzigtal suspendiert

Steinau/Bad Soden-Salmünster Dies verkündete Generalvikar Christof Steinert am Sonntag im Gottesdienst in Steinau-Marborn. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte das Bistum am Sonntagabend, die Staatsanwaltschaft Hanau habe die Diözese über ein Ermittlungsverfahren informiert, bei dem es um den Verdacht des „Verschaffens und Besitzes kinder- und jugendpornographischer Schriften" geht.

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