Nächste Dolmetscher-Panne im Prozess wegen Gesichtsverstümmelung

28. Juni 2017
Hanau/Schlüchtern

Der fünfte Tag im Augenstecher-Prozess vor dem Hanau Landgericht ist nach nicht einmal einer Stunde ergebnislos zu Ende gegangen. Der Grund? Ein Übersetzer für die tigrinische Sprache war nicht erschienen. Heute könnten die Plädoyers gehalten werden.

„Der Dolmetscher fühlte sich nicht geladen“, erklärte eine Justizangestellte, nachdem sie den Mann telefonisch erreicht hatte. Die Gutachten über das Alter und die psychische Lage des Angeklagten hätten somit nicht dargelegt werden können, weil die Deutschkenntnisse des Eritreers nicht ausreichend sind, um den Ausführungen der Sachverständigen zu folgen.

„Es wäre ja ein Wunder gewesen, wenn in diesem Fall mal etwas glatt gelaufen wäre“, kommentierte Richterin Susanne Wetzel die Situation sichtlich genervt. Es war nicht die erste Panne mit einem Übersetzer in dem Prozess wegen Gesichtsverstümmelung:

Der erste Dolmetscher hatte ein emotionales Interview gegeben, was Zweifel an seiner Neutralität aufkommen ließ. Eine Dolmetscherin hatte der Angeklagte noch vor Prozessbeginn abgelehnt, weil er ihr wegen ihres angeblich äthiopischen Akzents nicht vertrauen könne.

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Die Frage wie alt der Angeklagte im Augenstecherprozess wirklich ist - 20 oder 24 Jahre -, bleibt weiterhin offen. Unklar ist zudem wie stark das Augenlicht des Opfers bei der Attacke im Oktober 2016 wirklich beschädigt wurde.

Der Prozess soll am heutigen Donnerstag um 9 Uhr fortgesetzt werden. Dann sollen mehrere Gutachten vorgestellt werden. Präsentiert wird eine psychiatrische Einschätzung zur Person des angeklagten Flüchtlings aus Eritrea.

Zudem wird ein Altersgutachten erwartet, das Auswirkungen auf den Strafrahmen haben könnte. Ein Zeuge hatte im Prozess ausgesagt, dass der Angeklagte auf der Flucht bei Behörden ein jüngeres Alter angegeben habe, um sich Vorteile im Asylverfahren zu verschaffen. Womöglich werden zudem die Plädoyers gehalten.

Der nach eigenen Angaben heute 20-Jährige ist wegen versuchten Mordes sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Er soll einen befreundeten Flüchtling (18) im Oktober 2016 in Schlüchtern misshandelt haben. Das Opfer ist seither nahezu blind. / au, dpa

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