Pfarrerin Wiemer hält trotz Kritik an Gottesdienst im Windpark Hallo fest

Pfarrerin Wiemer hält trotz Kritik an Gottesdienst im Windpark Hallo fest

20. September 2014
Freiensteinau

Die Freiensteinauer Pfarrerin Andrea Wiemer (54) wird wie angekündigt den Gottesdienst im Zuge des Windfestes am morgigen Sonntag im Windpark Hallo halten – trotz der Diskussionen um zu viel von der Firma Luftstrom gerodete Waldflächen.

Der Gedanke, den im Verlauf des Windfestes zur Einweihung des Windparks im Hallo geplanten Gottesdienst (Sonntag, 10.40 Uhr, Festgelände) abzusagen, sei ihr nicht gekommen, sagt Andrea Wiemer.

Die Freiensteinauer Gemeindepfarrerin verheimlicht in diesem Zusammenhang auch nicht, dass sie den offiziell genannten Grund für die Absage von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nicht nachvollziehen kann: „Als Grüner steht er gegen die Atomenergie. Da muss er sich doch für Alternativen wie die Windenergie einsetzen."

Sie jedenfalls lasse sich durch die von Luftstrom zusätzlich vorgenommenen Rodungen – etwa drei Hektar, die laut Luftstrom bis auf einen Rest von 0,27 Hektar wieder bepflanzt werden sollen – nicht beirren. „Natürlich finde ich das nicht in Ordnung. Solche Sachen passieren aber schon mal. Es handelt sich dabei um Kyrill-Wald und nicht um einen wertvollen Wald – und es wird ja wieder aufgeforstet. Das Argument der Rodung wird nun natürlich von den Windkraftgegnern genutzt – das ist natürlich ihr Recht."

Nicht gut finde sie, dass „unsere Gemeinde so gespalten wird. Man sollte jetzt nicht so tun, als ob dieser Windpark vom Himmel fällt, und kein solches Theater machen. Das Vorhaben ist seit Jahren bekannt. Die Mehrheit hat ihm zugestimmt. Da sollte man sich reinfinden", hebt Wiemer hervor und blickt voraus: „Wichtiger finde ich, darüber nachzudenken, ob noch mehr Windräder kommen sollen oder nicht. Darüber sollte man verhandeln. In Bezug auf den Hallo ist der Käse gegessen."

Die Gemeindepfarrerin beteiligt sich aus Überzeugung mit dem Gottesdienst an der Einweihung des Windparks im Hallo. „Ich habe mich in den 1970er Jahren mit meinem Vater gestritten – aber hallo. Er war für Atomstrom. Ich habe ihm gesagt, dass wir alternative Energien ausbauen müssten. Heute bin ich so dankbar, dass die Windenergie nun auch genutzt wird. Das ist meine innere Motivation, da mitzumachen", sagt die 54-Jährige.

Sie betont aber auch, dass sie den Gottesdienst „nicht für eine Firma oder sonst wen" halte: „Ich bin der Meinung, dass wir in der Gemeinde froh und dankbar sein können, uns damit die Zukunft zu sichern. Mit dem Geld, das die Gemeinde bekommt, können wir unsere Arbeit zum Beispiel im Kindergarten bezahlen. Und wir können froh sein, dass wir für andere, die zum Beispiel in einem Ballungsgebiet dieses Glück nicht haben, den Strom erzeugen können. Das kostet uns nichts."