Polarwolf Scott trauert nach Tod der Schwester: Ziehmutter macht sich Sorgen um Vierbeiner

03. Februar 2018
Hanau

Nach dem Tod seiner Schwester Ayla ist Scott der einzig verbliebene Polarwolf der älteren Generation im Wildpark „Alte Fasanerie“ (wir berichteten). Ohne seine Artgenossen fehlt ihm der Antrieb.

Von Michael Bellack

Seine Bewegungen sind langsam, die Hinterläufe zittern beim Stehen. Lieber liegt er, lieber ruht er sich aus. Nur wenn „Wolfsmutter“ Dr. Marion Ebel ans Gehege kommt, läuft Scott zum Futterplatz und holt sich Fleisch ab.

Der fast 14-Jährige ist immer noch eine imposante Erscheinung. Dass er leidet, kann man ihm ansehen. Er vermisst sein Rudel, seine Geschwister. Vor allem Ayla, mit der er nach dem Tod von Khan Ende 2015 noch enger zusammengerückt war. Eigentlich sollte alles besser werden. Kurz vor Weihnachten sollte Ayla am schon lange schmerzenden Fuß operiert werden. „Die Lebensqualität war nur so zu verbessern, auch wenn ich Bedenken hatte.“

Zur Operation kam es nicht. Auf dem Weg zum Arzt verstarb Ayla im Auto auf der Autobahn. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, das Herz hatte aufgehört zu schlagen. Eine kleine Narkose hatte die Wölfin im Tierpark bekommen. Da hatte Scott sie, entgegen seiner sonst eher ruhigen Art, gegen Tierärzte und Helfer verteidigt. Nur Marion Ebel durfte seiner kranken Schwester nahekommen.

Die Wildbiologin hadert mit ihrer Entscheidung, Ayla operieren zu lassen. „Manchmal ist es einfach verkehrt, was man macht. Jetzt würde ich der OP nicht mehr zustimmen.“ Dass ihre Wölfin mit fast 14 Jahren ein biblisches Alter erreicht hat – in freier Wildbahn werden Polarwölfe höchstens sieben Jahre alt – macht es wenigstens ein bisschen leichter.

Aufgrund seines hohen Alters hatte sich Scott zuvor schon immer öfter zurückgezogen, wollte seine Ruhe haben. Ayla war es, die ihn immer wieder animierte, aktiver zu werden. Das ist jetzt vorbei. „Er läuft schlecht, hört schlecht und frisst kaum noch“, berichtet Ebel. Stolze 80 Kilogramm brachte der Polarwolf zu Spitzenzeiten auf die Waage, nun sind es kaum noch 60.

Nach der Nachricht von Aylas Tod erreichten Ebel Unmengen an Beileidsbekundungen. Über Facebook, per Mail oder via Postkarten. Diverse Anfragen der Medien zu Interviews und Berichten ließ sie unbeantwortet. „Das konnte ich nicht. Die Tage waren für mich sehr hart.“ Kein Wunder, schließlich hatte sie die Geschwister Ayla, Scott und Khan 2004 in den Wildpark geholt und von Hand aufgezogen. Die drei Welpen waren da gerade einmal wenige Tage alt. Als Rudeltier ist die Einsamkeit für einen Wolf das Schlimmste, was es geben kann. Seine letzten Tage wird Scott alleine in seinem Gehege verbringen.