Prozessauftakt gegen mutmaßliche Brandstifterin: Zwei Einkaufsmärkte angezündet?

20. Januar 2020
Schlüchtern/Hanau

Vor dem Landgericht Hanau hat am Montag der Prozess gegen eine inzwischen 45-jährige Schlüchternerin begonnen, die mit den Bränden der Einkaufsmärkte der Firmen Norma und Jawoll im August 2018 in Schlüchtern in Zusammenhang gebracht wird.

Der Vorwurf lautet auf Brandstiftung und schwere Brandstiftung gemäß den Strafrechtsparagrafen 306 und 306a. Demnach soll die Angeklagte am Abend des 11. August 2018, einem Samstag, am Jawoll-Markt in der Gartenstraße Pappkartons angezündet haben, die dort in der Gartenabteilung auf Paletten abgestellt worden waren. Das Feuer griff in der Folge auf das Gebäude über und zerstörte einen Großteil davon, so die Staatsanwaltschaft.

Brände mit Millionenschaden

Während der Tatzeit gegen 19.30 Uhr herrschte noch Kundenbetrieb. Die Freiwillige Feuerwehr verhinderte zwar ein Ausbreiten des Feuers, der hintere Teil des Gebäudes und dessen Inventar wurden jedoch ein Raub der Flammen. Der Sachschaden wird auf 100.000 bis 150.000 Euro geschätzt.

Einen Tag später soll die Schlüchternerin gegen 20 Uhr in einem Verschlag hinter dem Norma-Markt in der Hanauer Straße den Inhalt der dort stehenden Mülltonnen in Brand gesetzt haben. Dieses Feuer breitete sich über das angrenzende Dach auf den vorderen Teil des Supermarkts aus, sodass dieser samt Inventar durch die Feuerwehr nicht mehr zu löschen war. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Der Sachschaden wird in diesem Fall mit etwa 850.000 Euro beziffert, woraus sich ein Gesamtschaden von bis zu einer Million Euro ergibt.

Video: Supermarkt brennt Sonntagabend komplett nieder (mit Fotogalerie)

Bereits am Samstagabend mussten die Einsatzkräfte ausrücken und ein Feuer in einem Jawohl-Markt im Gewerbegebiet von Schlüchtern löschen: Es war der zweite Brand ähnlicher Art in nur zwei Tagen. Die Polizei schließt deswegen eine Brandstiftung nicht aus. Außerdem sind nach ersten Erkenntnissen beide Brände im Außenbereich hinter dem Markt ausgebrochen, wo die Abfälle gelagert werden - das spricht ebenfalls für Brandstiftung.

Angeklagte gilt als geistig minderbemittelt

In beiden Fällen geht die Anklagebehörde davon aus, dass sich die damals 44-Jährige im Zustand verminderter Schuldfähigkeit befand. Denn die Angeschuldigte lebt seit ihrem neunten Lebensjahr im Haushalt ihres Betreuers. Die Frau gilt infolge einer erblichen Belastung und eines frühkindlichen Hirnschadens als geistig minderbemittelt. Ein Sachverständiger hat suchtähnlichen Alkoholismus festgestellt.

In dem auf mehrere Verhandlungstage angelegten Prozess sollen drei Sachverständige sowie neun Zeugen angehört werden. Zwar ist die Schlüchternerin strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten, allerdings besteht nach Einschätzung des Gutachters die Gefahr, dass es zu weiteren vergleichbaren Taten kommen könnte.

Zeugin erkannte Frau mit Trikot

Der Tatverdacht war den Angaben zufolge auf die Beschuldigte gefallen, weil sie sich zur jeweiligen Zeit der Brandlegung nach Zeugenaussagen an beiden Orten aufgehalten habe. Außerdem seien mit ihrem Mobiltelefon Aufnahmen von den Bränden gemacht worden. Eine Zeugin erinnerte sich an eine Frau mit einem Trikot, das eine „13“ zeige. Ein solches Trikot sei dann bei einer Hausdurchsuchung wenige Tage nach den Bränden gefunden worden.

Verteidigung streut Zweifel

Gegenüber der Polizei habe die Angeklagte eingeräumt, die Brände gelegt zu haben. An der Glaubwürdigkeit dieser Aussage setzte die Verteidigung zum Prozessauftakt in einer Art Eröffnungsplädoyer an. Sie streute mit Blick auf einzelne Handlungsabläufe, die vor den Brandstiftungen haben stattfinden müssen, grundlegende Zweifel, ob ihre Mandantin überhaupt in der Lage gewesen sei, die ihr vorgeworfenen Taten zu verüben – unter anderem wegen ihres Alkoholkonsums.

Der als Zeuge vernommene Betreuer geht nicht davon aus, dass sein Schützling als Täterin infrage kommt. Laut Richterin Susanne Wetzel sei unter anderem zu klären, ob das – später widerrufene – Geständnis aus eigenem Erleben oder womöglich aus Suggestion und Hörensagen entstanden ist. Der Prozess wird heute fortgesetzt. / hgs

Wegen Supermarkt-Bränden: 45-Jährige steht im Januar vor Gericht

Nachdem das Gericht mit einem Beschluss im September das Hauptverfahren gegen eine 45-Jährige eröffnet hat, wird gegen diese nun verhandelt. Auftakt ist am Montag, 20. Januar, um 9.30 Uhr. Insgesamt sind im Januar und Februar sieben Verhandlungstage anberaumt, teilte Oberstaatsanwalt Dominik Mies von der Staatsanwaltschaft Hanau auf Anfrage der Kinzigtal Nachrichten mit.

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