Polizist starb bei Verfolgungsjagd: Einbrecher-Duo zu Bewährungsstrafe verurteilt

05. Dezember 2019
Wächtersbach/Gelnhausen

Kurz nach Mitternacht stirbt am 7. Juni auf den Bahngleisen bei Wächtersbach ein 44-jähriger SEK-Beamter aus Buseck. Er hatte zwei flüchtende Mitglieder einer Einbrecherbande verfolgt und war beim Überqueren der Gleise von einem Güterzug erfasst worden (wir berichteten). Nun mussten sich zwei festgenommene Einbrecher vor dem Amtsgericht Gelnhausen verantworten – und wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Als der SEK-Mann starb, waren sie bereits festgenommen, sodass ihnen eine Beteiligung an dessen Tod nicht vorgeworfen werden kann. Bei den Angeklagten handelt es sich um ein Brüderpaar aus Rumänien, 35 und 29 Jahre alt. Der 29-Jährige war an drei Einbrüchen in Gelnhausen, Fulda und Wächtersbach beteiligt, sein 35-jähriger Bruder nur in Wächtersbach. Allerdings wehrte er sich bei der Festnahme heftig. Da das Brüderpaar geständig und in Deutschland noch nicht vorbestraft war, kam es glimpflich davon. Amtsgerichtsdirektor Andreas Weiß sagte, sie sollten dies nicht als Schwäche der deutschen Gesetze auslegen. Bei fünf Jahren Bewährungszeit würden sie im Wiederholungsfall deren Härte schnell zu spüren bekommen.

Nachdem das Gericht am ersten Verhandlungstag einer Verständigung zugestimmt hatte, standen zu Beginn des zweiten Verhandlungstages gestern die Einlassungen der beiden Angeklagten an. Diese wurden von den Anwälten verlesen. Der ältere Bruder sagte aus, er habe ein Auto nach Frankreich gebracht und dann mit den drei anderen zurück nach Rumänien fahren wollen. Auf der Heimfahrt sei die Entscheidung gefallen, die drei Taten zu begehen. Das jeweilige Objekt sei ausgekundschaftet worden, einer fuhr den Fluchtwagen, einer stand Schmiere stand und die anderen brachen ein und versuchten den Tresor zu knacken. Er habe gerade damit beginnen wollen, den Tresor aufzuflexen, als eine Blendgranate des ins Zimmer zündete worden sei. Er sei geblendet gewesen und habe nur noch weg gewollt. Deshalb habe er sich bei der Festnahme gewehrt.

Die rumänische Bande war bereits in Luxemburg observiert worden, dann in Trier und schließlich in Frankfurt. Die Bundespolizei wollte die Bande in Wächtersbach dingfest machen. Dort wurden die Einbrecher auf frischer Tat ertappt, allerdings konnten zwei der vier Täter flüchten. Während die Polizei die beiden Brüder festnahm, flüchteten zwei weitere Täter in Richtung der Bahnstrecke, wo es die Flüchtenden noch über die Gleise schafften, während der SEK-Beamte dort zu Tode kam.

Während sich der Fahrer des Fluchtautos widerstandslos festnehmen ließ, leistete sein Bruder bei der Festnahme Widerstand. Sichergestellt wurden zahlreiche Einbruchswerkzeuge. Der angerichtete Schaden belief sich auf etwa 2500 Euro.

Der jüngere Bruder schildert, dass eine weiterer Mittäter sein Nachbar gewesen sei, den vierten Mann habe er über diesen vor Jahresfrist kennengelernt. Er sei bereits mit 18 Jahren nach Paris gegangen und habe Autos nach Rumänien überführt. Das habe der vierte Mann auch mit dem Tatfahrzeug, einem Audi A6 Kombi vorgehabt. Doch dies habe nicht geklappt. Sie hätten Geld mit Schwarzarbeit oder bei einem Wanderzirkus verdienen wollen und über Luxemburg nach Deutschland gefahren. In Gelnhausen hätten sie eine Pause eingelegt und ihnen sei ein Tierbedarf-Markt aufgefallen. Dort habe einer der Mittäter einen Tresor gesehen und so sei die Idee entstanden, einzubrechen. Nach dem Besorgen von Werkzeug seien sie zuerst in Gelnhausen eingestiegen, dann in Fulda und am 6. Juni in Wächtersbach. Sie hätten es nicht geschafft den Tresor zu öffnen, aber in Fulda ein Mac-Book mitgehen lassen. Er selbst habe das Fluchtauto gefahren, weil er Frau und Kinder habe.

Nach dem Einbruch in Fulda seien sie fast der Polizei ins Netz gegangen. Diese hatte kontrolliert, nachdem in Fulda ein Geldautomat gesprengt worden war. Sie hätten das Werkzeug am Tunnel bei Neuhof versteckt und seien kurz darauf kontrolliert und in Hanau befragt worden. In Wächtersbach wurden der 29-Jährige dann festgenommen.

Das Geständnis klang in sich schlüssig, doch die Nachfragen von Richter und Staatsanwalt ließen Zweifel aufkommen. So erschloss sich nicht, warum die beiden Männer mit „Arbeitshandys“ aus Rumänien nach Frankreich und Deutschland fuhren, obwohl sie ein leistungsfähiges Smartphone besitzen. Er konnte auch nicht erklären, wie die Fotos von Märkten für Tierbedarf auf sein Handy kamen. Die Zweifel erhärteten sich, als Richter Weiß den „Vorstrafenband“ öffnete und verlas: Die Spur der Verurteilungen zieht sich bei beiden Angeklagten von Rumänien über Italien, Frankreich, die Niederlande und Dänemark bis nach Deutschland, wo beide noch ein unbeschriebenes Blatt waren. Die Taten sind meistens einschlägig Diebstahl oder Einbruch. Schwere Verbrechen waren nicht dabei.

Als zeugen wurden Beamte von Kripo und Sondereinsatzkommando (SEK) befragt. Die Polizei hatte Hinweise aus Trier zu bandenmäßigem Einbruch bekommen. Den Ermittlern fiel der Audi mit den Rumänen auf, der dann observiert wurde. Das SEK hatte die Männer nach dem Einbruch in Fulda im Visier. Das Vorgehen schilderten mehrere SEK-Beamte detailliert. Sie beobachteten, dass die Männer bereits aufs Dach eines Marktes in Schlüchtern geklettert waren, erwarteten diese dann in Wächtersbach. Beim Zugriff nahmen die Beamten einen Täter fest sowie den Fahrer im Fluchtauto. Die beiden nach wie vor flüchtigen Mittäter entkamen über die Bahnstrecke. Bei der Verfolgung erfasste ein Güterzug ihren SEK-Kollegen und verletzte diesen tödlich.

Der ältere Bruder wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, der jüngere zu einem Jahr und drei Monaten. Die Strafen wurden für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt, was nur möglich war, weil die Täter seit Juni in Untersuchungshaft saßen. / erd

Polizist stirbt bei Verfolgungsjagd mit Einbrechern - zwei Männer auf der Flucht

Das teilen die Staatsanwaltschaft Hanau und das Polizeipräsidiums Südosthessen in einer Pressemeldung mit. Zwei Tatverdächtige, im Alter von 28 und 34, die zuvor in den Laden eingebrochen sein sollen, seien gegen 0.40 Uhr vorläufig festgenommen worden. Zwei Täter weiter flüchtig Die Kriminalpolizei fahndet weiterhin nach zwei flüchtigen Tätern, die in Richtung des Waldstücks Wächtersbach-Aufenau im Bereich der Bundesstraße 276 geflüchtet sind.

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