Przewalski-Pferde auf großer Reise: Zwei Hanauer Stuten werden in der Mongolei ausgewildert

08. Februar 2019
Hanau

Die zwei Stuten Pepper und Priska sind Przewalski-Pferde. Diese Unterart der Wildpferde ist seit 1970 vom Aussterben bedroht: Pepper und Priska werden nun in der Mongolei ausgewildert, um den Bestand der Tiere wieder aufzufüllen.

Im September 2009 wurde eine kleine Herde Przewalski-Pferde im Fauna-Flora-Habitat Campo Pond in Hanauer Stadtteil Großauheim angesiedelt, schreibt die Stadt Hanau in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) / Bundesforstbetrieb Schwarzenborn. 2015 kamen dort die beiden Stutfohlen Pepper und Priska zur Welt, die jetzt ihre große Reise in die Freiheit antreten: Sie sind vom Europäischen Erhaltungszucht Programm (EEP) für die Auswilderung in der West-Mongolei, dem Ursprungsgebiet der Przewalski-Pferde, vorgesehen. Nach einer Übergangsphase in einem Außengelände des Prager Zoos sollen die Tiere im Sommer 2020 in einen Nationalpark entlassen werden, in dem mehr als 240 Przewalski-Pferden frei leben, heißt es weiter.

Przewalski-Projekt von Umweltministerinnen ausgezeichnet

„Die Tatsache, dass Przewalski-Pferde in ihrem ehemaligen Lebensraum heimisch geworden sind und sich dort auch vermehren, gehört zu den großen Erfolgsgeschichten der Artenschutzbemühungen des EEP. Die Stadt Hanau, der Bundesforstbetrieb und die Deutsche Bahn haben einen kleinen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte“, freut sich Christoph Goebel, Leiter des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn, der für die Haltung der Tiere verantwortlich ist. „Die Visionen, die Oberbürgermeister Claus Kaminsky und wir damals hatten, haben sich erfüllt“, fasst Goebel zusammen. Auch aus diesem Grund sei das Projekt durch die Umweltministerinnen Barbara Hendricks (Bund) und Priska Hinz (Hessen) ausgezeichnet worden. „Der Bundesforstbetrieb Schwarzenborn und die Stadt Hanau leisten hier in Hessen hervorragende Arbeit für den weltweiten Artenschutz“, kommentiert Hinz den Umzug der beiden Hanauer Stuten.

„Projekt trägt nun Früchte

Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky ist angetan von der Vorstellung, dass die beiden „waschechten Hanauerinnen“ zukünftig in der Mongolei leben werden. „Ich freue mich, dass die viele Arbeit, die in das Projekt gesteckt wurde, nun Früchte trägt“, sagt der OB. „Wir unterstützen das Przewalski-Projekt in Hanau seit zehn Jahren mit großem Engagement und sehen mit Freude wie es wächst und in Folge auf andere Kommunen ausgeweitet wurde.“

Die Auswilderung von Pepper und Priska wurde von langer Hand vorbereitet: Bereits seit Oktober 2018 standen der Bundesforstbetrieb, die betreuenden Tierärztinnen des Zoos Frankfurt und der Prager Zoo in engem Kontakt. Dabei stand der gesundheitliche Zustand und der Impfstatus der Stuten sowie Blut- und Genuntersuchungen im Fokus.

Mit der tschechischen Luftwaffe in die Mongolei

Nachdem alle Ergebnisse positiv waren, wurde die Auswilderung eingeleitet: „Im Moment befinden sich die beiden Stuten auf dem Weg in den Prager Zoo“, erläutert Goebel. Von Prag aus gehe es dann mit einem Transportflugzeug der tschechischen Luftwaffe nach Bulgan Sum, einer Provinzstadt im Norden der Mongolei. „Mit einem LKW werden die Pferde dann in das Takhin Tal, ein Teil des streng geschützten Nationalparks Great Gobi, transportiert“, berichtet Goebel. Im Takhin Tal werden die Tiere für ein Jahr in einem weitläufigen Gehege gehalten, damit sie sich gut an das neue Klima und das dortige Futterangebot gewöhnen. Im Sommer 2020 sei geplant sie zu den freilebenden Przewalski-Pferden zu entlassen. „Auch in den Wochen nach der Freilassung wird die Gruppe der Neuankömmlinge engmaschig durch die örtlichen Ranger beobachtet, bis sich alle Wildpferde an ihre neue Freiheit gewöhnt haben“, weiß Goebel.

Hintergrund

Seit 1970 sind Przewalski-Pferde in der freien Wildbahn ausgestorben. Nur noch wenige Exemplare waren in Zoogehegen vorhanden, dort konnte wegen des knapp bemessenen Platzes kein überlebensfähiger Bestand aufgebaut werden. Tiergärten und das EEP suchten Flächen für die in den Zoos gezüchteten Przewalski-Pferde. Mit diesem Anliegen trat der Münchner Zoo Hellabrunn an die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Hanau heran und fragte nach, ob der ehemalige US-Army-Truppenübungsplatz Campo Pond als Semi-Reservat zur Verfügung stünde.

Schnell war man von der Idee begeistert und im September 2010 kamen die ersten Przewalski-Pferde aus dem Hellabrunner Zoo auf Campo Pond an.

Die Deutsche Bahn ist ein starker Partner im Artenschutzprojekt „Campo Pond“: Die Pflege und Entwicklung des als NATURA 2000 Gebiet ausgewiesenen Geländes durch die Przewalski-Pferde werden durch die Bahn finanziert und sind Teil des Ausgleichskonzeptes für die DB-Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Die Bahn trägt so einen großen Teil zur Biodiversität im Wildpferde-Projekt bei.

„Die ersten Fohlen wurden 2014 in Hanau geboren“, berichtet Goebel. Die Anzahl der Tiere sei so allmählich von den anfänglichen fünf auf heute 42 Przewalski-Pferde in den Gehegen in Hanau, Gießen, Babenhausen und Aschaffenburg gestiegen. „Weitere Gehege sind in Erlensee sowie Münster-Dieburg in Planung“, so Goebel. / lea