Raub mit Elektroschocker – Angeklagter will sich nicht erinnern

16. Januar 2019
Hanau/Bruchköbel

Der 23-Jährige, der eine Frau in Bruchköbel unter Einsatz eines Elektroschockers ausgeraubt haben soll, hat beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Hanau behauptet, sich an nichts zu erinnern.

Von Rainer Habermann

Es ist das, was man einen Raubüberfall am hellichten Tag nennt: Gegen 14 Uhr am 29. August 2016 überfällt ein bisher Unbekannter eine junge Frau in der Nähe des Bruchköbler Bahnhofs, setzt ihr einen Elektroschocker an den Hals, stürzt sie auf die viel befahrene Bahnhofstraße und entreißt ihr die Handtasche mit Bargeld sowie teurem Smartphone. Anschließend flüchtet er mit einem mutmaßlichen Komplizen auf einem Roller.

Seit Dienstag muss sich ein heute 23-Jähriger aus Büdingen vor der 1. Schwurgerichtskammer des Hanauer Landgerichts für diesen Überfall verantworten. Doch er leidet – so sagt er – unter Amnesie, die er seiner Drogensucht zuschreibt.

Strafe zwischen 5 und 15 Jahren

Für die Tat, wie sie Staatsanwalt Dr. Alexander Voigt anklagt, nämlich schweren Raub und Körperverletzung, liegt der Strafrahmen zwischen mindestens 5 und höchstens 15 Jahren. Das erklärt auch Richter Dr. Peter Graßmück, der Vorsitzende der Kammer, dem Angeklagten eindringlich zu Prozessbeginn. Denn der will eine ausführliche Aussage machen. Graßmück macht ebenfalls gleich zu Beginn deutlich, dass die Kammer dem 23-Jährigen die „Amnesie-Geschichte“ nicht so recht abnehmen will. Er solle den oder die Mittäter nennen, möglicherweise könne ja ein minderschwerer Fall daraus werden.

Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Georg Rosenschon, meint: „Mein Mandant will aussagen, er ist sich aber noch nicht schlüssig, was.“ Graßmück hat dem Angeklagten das gebaut, was man eine „goldene Brücke“ nennt. Er deutet an, dass für ein Drogendelikt eines noch fast Jugendlichen möglicherweise nur zwei, oder vielleicht drei Jahre herauskämen, nach den Erfahrungen des Gerichts.

Angeklagter könne sich nicht erinnern

Im Lauf der Verhandlung erklärt der 23-Jährige, dass er immer wieder mal in kleineren Delikten gesteckt hätte, dafür aber auch die Verantwortung übernommen habe. An diese Tat aber, mit der anschließenden Rollerflucht, an die könne sich der junge Mann mit einer Art Irokesenschnitt auf dem Kopf überhaupt nicht erinnern.

Der Schlüssel für den Roller habe „auf dem Tisch herumgelegen“, da, wo er früher gewohnt habe – in einer Art WG. Ein schwarzer „Yamaha Aerox“ war das. Aber weder sei der Angeklagte mit dem Roller gefahren am 29. August 2016, noch könne er sich an irgendwas aus dieser Zeit erinnern. Amphetamine wie MDMA, Ecstasy, Kokain, sogar Heroin habe er damals, Mitte 2016, in Massen konsumiert und auch selbst gedealt, er sei „ständig benebelt“ gewesen. Jetzt sei er aber völlig clean.

Clean sei er per „hartem Entzug“ geworden, und zwar in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Dorthin sei der 23-Jährige an Silvester 2016 geflohen, und zwar aus Angst vor Leuten, denen er Geld schuldete, wie später seine Mutter bestätigt. Die 48-Jährige und auch der Vater sagen, dass sogar sie selbst bedroht wurden; ebenso wie die Freundin ihres Sohnes, die inzwischen drei Kinder mit ihm hat. Mutter und Vater sind gar nicht vom Gericht geladen, aber sie sitzen im Zuhörerbereich des Saales A215. Und sie wollen aussagen.

Aus Angst vor Schuldeneintreibern geflohen

Aber der Angeklagte will die Namen derer nicht nennen, mit denen er damals abhing und dealte. Und den Namen des zweiten möglichen Tatbeteiligten. Doch ein Name fällt immer wieder. Was der für eine Rolle spielt, muss der weitere Prozessverlauf zeigen. Bei ihm hatte der 23-Jährige gewohnt. Und der Name „Hells Angels“ fällt. Der Angeklagte habe Schulden bei seinen Dealern gehabt, so um die 5000 Euro herum. Und die hätten sie eintreiben wollen, deshalb sei er geflohen. Das sagt der Angeklagte, doch Grasmück fragt sehr genau nach. Es ist spürbar, dass das Gericht den Aussagen wenig Glauben schenkt.

Zeugen des Vorfalls sprechen von mit Strumpfmasken vermummten zwei Tätern, die „Helme wie alte Militärhelme“ getragen hätten. Das Kennzeichen des „Mopeds“ sei weiß gewesen, eine andere Zeugin sagt, das Gefährt habe gar kein Kennzeichen gehabt. Der Prozess wird am Donnerstag, den 17. Januar im Saal A215 des Landgerichts fortgesetzt.

Prozessauftakt: Raub mit Elektroschocker in Bruchköbel

Weil er einen Elektroschocker gegen eine Frau eingesetzt, sie auf die Straße geschubst und anschließend ausgeraubt haben soll, muss sich ein 23-Jähriger ab Dienstag vor dem Hanauer Landgericht verantworten.