Kinzig-Schule eröffnet Simulations-Arztpraxis und Pflegelabor – in Hessen einmalig

01. Januar 2020
Schlüchtern

Dieses Angebot ist in Hessen einmalig: In der Schlüchterner Kinzig-Schule gibt es seit Neuestem für den Unterricht eine Simulations-Arztpraxis kombiniert mit einem Pflegelabor. In diesen Tagen wurden die Räumlichkeiten offiziell in Betrieb genommen.

Von Ulrich Schwind

Medizinische Fachangestellte müssen hessenweit ihre Abschlussprüfung zentral in Bad Nauheim ablegen. Diese Einrichtung als Vorbild kam in Schlüchtern die Idee auf, eine nicht mehr genutzte Lehrküche ähnlich auszugestalten, damit die zu vermittelnden theoretischen Inhalte in den Fachbereichen Gesundheit und Pflege gleich praktisch umgesetzt und Auszubildenden aller Facharztrichtungen Trainingsphasen lernfeldbezogen ermöglicht werden.

Positiver Nebeneffekt: Seit Jahren steigt die Nachfrage im Bereich Gesundheit und Pflege kontinuierlich. Die Kinzig-Schule ist in diesem Sektor mit Schulformen breit aufgestellt. Auch für diese Bereiche sind die neuen Räumlichkeiten perfekt nutzbar.

Umfangreiche Umbaumaßnahmen

Ein Vierer-Team mit Projektleiterin Dr. Claudia Scheithauer und Arztkollegin Judith Garlepp (beide Gesundheit) sowie Julian-Philipp Breunung und Anja Hildebrand aus dem Pflegesektor machten sich vor zweieinhalb Jahren an die Umsetzung.

Im Zuge von umfangreichen Umbaumaßnahmen entstand im ersten Stock auf rund 180 Quadratmetern in fünf Räumen erstmals ein „festes Zuhause“ für diese Bereiche. Ein Klassenraum dient der Simulation einer Arztpraxis mit Wartebereich, Anmeldung, Labor und Sprechzimmer, während der Raum nebenan für die Behandlungsassistenz genutzt wird.

Alles auf modernem Stand

Ein weiterer Klassenraum ist mit einem Pflegelabor verbunden, in dem ein komplettes Krankenzimmer mit Krankenbett, Nachtschrank, Rollator, Rollstuhl und Pflegepuppe nachgestellt ist. Auch die Säuglings- und Altenpflege wird in Grundzügen gelehrt, ferner Erste Hilfe mit einer Reanimationspuppe. Für die Lehrer steht ein eigener Bereich zur Unterrichtsvorbereitung zur Verfügung.

Diese speziellen Fachräume bedeuten eine deutliche Aufwertung des Bereiches Gesundheit und Pflege, freut sich Abteilungsleiterin Birgit Schultheiß-Thonius. Bisher wurden die Schüler in normalen Klassenräumen unterrichtet, teilweise mit veraltetem und lädiertem Unterrichtsmaterial. Nun ist alles auf einem modernen Stand.

Nachwuchsarbeit wird gefördert

Große Freude deswegen auch bei Schulleiter Karsten Günder. Das neue Angebot werte den zweitgrößten Fachbereich – nach Wirtschaft und Verwaltung – auf. Auch sei es für die vielen Kurkliniken und Krankenhäuser in der Region ein großer Vorteil, wenn auf diese Weise die Nachwuchsarbeit gefördert wird. Günder lobte sein „tolles Team“ im Haus, das dieses Angebot für die verschiedenen Schulformen geschaffen habe. Doch auch von außen sei die Unterstützung groß gewesen. Die Zusammenarbeit mit dem Main-Kinzig-Kreis als Schulträger bezeichnete er als reibungslos. Das Vital-Zentrum Ruppert habe mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Nutzung der Räume seit Schuljahresbeginn

„Insgesamt können wir den Schülerinnen und Schülern so einen guten Grundstock vermitteln, damit sie sich ein Bild verschiedener Berufe im Gesundheitswesen und deren praktischen Anteilen machen können“, freut sich Claudia Scheithauer. Die Lehrkräfte vermittelten nun realitätsnaher den Stoff. Schüler oder Auszubildende werden für die Berufe im Gesundheitswesen nicht nur im Lernen begleitet, sondern stärker motiviert. Die Berufe und Berufsfelder werden zugleich interessanter und attraktiver gemacht.

Seit Beginn des laufenden Schuljahrs werden die Räume bereits genutzt. Allerdings gab es in den vergangenen Wochen noch Verfeinerungen und Ergänzungen, sodass erst jetzt die offizielle Übergabe erfolgte. Durch den stärkeren Praxisbezug verspricht sich Projektleiterin Scheithauer eine grundlegende Verbesserung bei der Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten – und mittelfristig verbesserte Prüfungsergebnisse der Absolventen.

Für wen?

Im Gesundheitsbereich der Kinzig-Schule werden rund 220 Schülerinnen und Schüler im Bereich der Berufsvorbereitung sowie der zweijährigen Berufsfachschule zum mittleren Abschluss, im Zuge der beruflichen Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten bis hin zu den studienqualifizierenden Angeboten in Fachoberschule und Beruflichem Gymnasium unterrichtet. Aber auch die Maßnahmen zur kooperativen Berufsorientierung der Haupt- und Realschüler werden in den Räumen umgesetzt.

Ferner können hier die Schulsanitäter ausgebildet werden. Und es besteht dank einer Kooperation mit der Hochschule Fulda die Möglichkeit für Studenten, im Unterricht zu hospitieren.

Weitere Informationen bei der Kinzig-Schule unter Telefon (0 66 61) 74 74 90 und im Internet.

Anzeige
Anzeige