Schlüchternerin hat Spar-Rezept der Nachkriegszeit wiederentdeckt

01. Dezember 2019
Schlüchtern

Die Nachkriegsjahre waren hart. Auch für Familie Domes, die im Jahr 1946 aus dem Sudetenland nach Schlüchtern gekommen ist. Doch Irmtraud Domes (74) ist etwas besonders positiv in Erinnerung geblieben: Die Vorweihnachtszeit und die Bemühungen ihrer Mutter Walli Domes, aus annähernd Nichts etwas Leckeres für die Familie zu zaubern.

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

„Die ersten Jahre nach dem Krieg waren sehr mühsam“, weiß die 74-Jährige. In der damaligen Zeit war es nicht einfach, an Zutaten zum Backen und Kochen zu gelangen. „Und mein Vater verdiente damals keine 100 Mark im Monat. Das machte es nicht eben einfacher“, berichtet Irmtraud Domes, die als Einjährige nach Schlüchtern gekommen ist.

Und trotz allen Entbehrungen war ihre Mutter Walli Domes (1913-1972, geborene Mimmler) stets bemüht, der Familie etwas Besonderes zu bieten. „Es gab damals ja nicht viel. Für uns Kinder gab es zum Nikolaustag Mandarinen, Nüsse und vielleicht auch mal ein Stück Schokolade. Aber ich erinnere mich auch, dass meine Mutter im Advent Striezel gebacken hat. Der ruhte dann bis zum Heiligabend. Und zum Mittagessen am 24. Dezember wurde er angeschnitten und auf bunten Tellern mit Malzkaffee serviert. Das war das beste Essen im ganzen Jahr“, schwelgt die 74-Jährige in Erinnerungen.

In der Nachkriegszeit wurde oft gebacken

Vor Kurzem hat sie ein altes Rezeptbuch ihrer Mutter wiedergefunden. „Das hatte meine Mutter in ihrer Ausbildungszeit in der Frauenfachschule zu führen. In der Nachkriegszeit wurde oft danach gebacken. Zu meines Vaters Kummer“, sagt die Schlüchternerin und lächelt.

Da der Elektro-Herd in den 1950ern noch nicht verbreitet war, wurde im Holzofen gebacken. Eine Kunst für sich, aber ihre Mutter habe genau gewusst, wie und mit was zu heizen war, damit alles gelingt. „Das gehörte zur Ausbildung dazu.“ Und im Frauenfachschul-Heft von Walli Domes findet sich ein weiteres Spar-Rezept aus der entbehrungsreichen Zeit, das bei ihrer Tochter Erinnerungen weckte: „Mein Vater nannte es immer Waschkorbkonfekt.“

Sehr ergiebig

Aufgeschrieben wurde das Rezept schon von Irmtraud Domes Großmutter Valerie Mimmler (1890-1967, geborene Böse) auf einer nachträglich eingeklebten Schulheftseite. Das Wichtigste steht dabei in Klammern vermerkt: sehr ergiebig.

Zum Start in die Adventszeit am Sonntag hat Irmtraud Domes das Spar-Rezept ihrer Familie für Interessierte zum Nachbacken „übersetzt“.

Das Rezept

„Waschkorbkonfekt“ (sehr ergiebig)

Ein adventliches Spar-Rezept von Valerie Mimmler (1890 – 1967).

Zutaten:
• 100 Gramm Butter oder Margarine
• 250 Gramm Zucker
• zwei ganze Eier (schaumig rühren)
• ein Päckchen Vanillezucker
• etwas geriebene Zitronenschale
• eine Prise Salz
• 750 Gramm Mehl
• ein Päckchen Backpulver (mit Mehl vermischt)
• kleines Glas Sahne oder Milch zugeben

Zubereitung:
• Den Teig verarbeiten und etwas ruhen lassen.
• Nicht zu dünn auswalzen.
• Mit verschiedenen Förmchen ausstechen.
• Bei mittlerer Hitze im Ofen backen.
• Das fertiggebackene „Waschkorbkonfekt“ nach Belieben glasieren oder mit Ei und Milch bestreichen.

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