„Wir haben alle den gleichen Knall“ – Bodo Bach tritt am Freitag in Schlüchtern auf

01. Dezember 2019
Schlüchtern

Es ist schon etliche Jahre her, dass Bodo Bach mit einem Comedy-Programm in der Bergwinkelstadt Station gemacht hat. Das Warten hat nun ein Ende, denn der schlagfertige Hesse ist am Freitag, 6. Dezember, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Schlüchtern zu Gast. Unsere Zeitung sprach mit dem 62-Jährigen, der eigentlich Robert Treutel heißt.

Was haben denn die Schlüchterner am Nikolaustag von Ihnen zu erwarten oder zu befürchten? Geschenke oder die Rute?

Also, ich komme in friedlicher Absicht und gehe davon aus, dass in Schlüchtern dieses Jahr alle brav waren. Ich habe einen Sack voller lustiger Geschichten dabei. Beim Titel des Programms, „Pech gehabt“, könnte man zwar meinen, es wird traurig. Aber das Gegenteil ist der Fall: Es gibt viel zu lachen.

Das Programm ist ja schon seit einiger Zeit erfolgreich. Ich meine, seit 2017?

Das ist richtig, allerdings ändere und aktualisiere ich das ja ständig, sodass es längst nicht mehr so ist wie es am Anfang mal war. Schlüchtern ist aber in der Tat einer der finalen Termine, quasi zum krönenden Abschluss, denn ab 2020 gehe ich mit einem Jubiläumsprogramm auf Tour. Da bin ich als Bodo Bach 20 Jahre am Start und deshalb heißt das neue Programm auch: Das Guteste aus 20 Jahren.

Sie haben ja einen persönlichen Bezug zum Vogelsberg, nicht wahr?

Ich bin da zwar nicht geboren, obwohl das manchmal von mir behauptet wird, aber mein Vater hat dort ein Bauernhaus gekauft als ich so zehn oder zwölf Jahre alt war. Deshalb war ich für etliche ein Vogelsberger, bin aber gebürtiger Frankfurter. Mein Papa ist leider schon gestorben, aber meine Mutter lebt noch immer in Ulrichstein.

Das Alter ist ja immer ein Thema bei Bodo Bach. Kokettieren Sie mit Ihrem Alter oder dem anderer Leute gern?

Naja, ich erzähle bei einem Auftritt den ganzen Abend über mich und da ist das Alter natürlich auch wichtig. Ich mache aber klar: Am Alter kann man nichts ändern, nur eben hoffen, dass man gesund alt wird. Denn dann macht es sogar Spaß. Mir persönlich gibt das Alter eine gewisse Ruhe. Mich bringt nicht mehr so vieles durcheinander oder aus der Spur, ich gehe die Dinge gelassener an als früher. Deshalb ist für mich das Älterwerden eigentlich eine schöne Sache. Und ich sehe zu, dabei möglichst fit und gesund zu bleiben.

Eine solche positive Sicht auf das Alter hört man ja nicht so häufig ...

Natürlich denke ich hie und da auch mal, 20 Jahre jünger zu sein, wäre ganz nett. Vor allem, wenn es beim Aufstehen mal zwickt oder irgendwo was wehtut. Aber das ist alles nicht dramatisch. Es gibt ja Menschen, die versuchen dem lieben Gott ein Schnippchen zu schlagen, aber dementsprechend sehen die dann auch aus ... (lacht).

Wir müssen also nicht befürchten, dass sich Bodo Bach einmal liften lässt?

Da wäre zu viel zu machen. Ich denke da eher an eine Rigips-Verschalung ...

Sie sind mit Ihrem Programm nicht nur in Hessen unterwegs, sondern quasi bundesweit ...

... ja, ich sage immer, weltweit in ganz Deutschland unterwegs.

Sind Ihnen regionale Unterschiede in Sachen Humor aufgefallen, dass zum Beispiel Pointen mancherorts nicht funktionieren?

Ich erzähle über mein oder unser Leben. Und Sie können mir glauben, der Norddeutsche ist genauso durchgeknallt wie der Bayer oder auch der Vogelsberger. In meinem Programm lachen die Leute immer an den gleichen Stellen. Zum Beispiel wenn ich über meinen Besuch bei Ikea an einem Samstag berichte. Was machen zwischen Hamburg und München alle, wenn sie bei Ikea an den Kassen durch sind? Genau: einen Hotdog essen. Daran kann man sehen, dass wir alle den gleichen Knall haben.

Sie erzählen in ihren Geschichten immer wieder von Kalamitäten mit dem Sohn Rüdiger. Gibt es dafür ein reales Vorbild?

Die Figur stammt genauso wie die Ehefrau Gerda noch aus der Zeit, als Bodo Bach regelmäßig im Radio zu hören war. Meine beiden echten Söhne liefern aber dann und wann auch Stoff für den Rüdiger.

Die Situationen oder Kuriositäten, die Sie beschreiben, sind also Ihnen selbst, Familienmitgliedern oder Bekannten tatsächlich passiert?

Ja. Ich habe festgestellt, dass bei den Leuten genau das am besten ankommt, was sie selbst in ähnlicher Weise schon erlebt haben. Da hat es keinen Sinn, irgendwas zu erfinden. Denn wenn ich etwas noch nie gemacht oder erfahren habe, lassen sich darüber nur sehr schwer lustige Geschichten erzählen. Ich beobachte aber unseren Alltag und verwende meistens das, was ich auch selber erlebt habe.

Sie sind ja nicht nur auf Bühnentour, sondern auch öfter im Fernsehen zu sehen. Was ist denn das künstlerische „Schwarzbrot“? Was von beidem machen Sie also lieber?

Ich tauche in der Tat sehr oft im Fernsehen auf, was aber vor allem daran liegt, dass die Sendungen in den dritten Programmen der Öffentlich-Rechtlichen häufig wiederholt werden, weil sie beliebt sind. Ich bin also nicht jeden Tag in einem TV-Studio. Solche Staffeln werden auch immer gebündelt aufgezeichnet. Mir macht das Fernsehen großen Spaß, etwa die „Meister des Alltags“ beim Südwestrundfunk, aber das ist nicht das, was mich ernährt. Da verdient man nicht so viel wie alle immer glauben. Es gibt zwar Superstars wie Thomas Gottschalk und Günther Jauch, die verdienen dort richtig viel Geld, aber ich mache das auch, um bekannt und im Gespräch zu bleiben. Dann sagt sich der eine oder die andere vielleicht: Ach, schau mal an, der Bodo Bach, da könnten wir ja mal wieder hin, und kauft sich eine Karte für den 6. Dezember in Schlüchtern.

Das könnte schon sein ...

Denn was ich auf der Bühne mache, hat mit dem, was im Fernsehen passiert, nichts zu tun, sondern ist was völlig anderes und macht den Leuten in der Regel großen Spaß. Es gibt auch Sendungen, die ich absage, weil ich keine Lust darauf habe. Was ich aber zum Beispiel über alles liebe, sind die „Straßenstars“ des hr, die in Hessen sehr beliebt sind. Das Schöne ist, und da sind wir wieder beim Alter, dass ich mir das jetzt schon ein bisschen heraussuchen kann. Das konnte ich früher nicht.

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