Energiespeicher Goliath: Ein Prototyp soll zur Expo 2020

03. Januar 2020
Abu Dhabi/Sannerz

Wird bereits im Oktober zur Expo 2020 in Dubai ein vollfunktionsfähiger Prototyp des Energiespeichers Goliath die Welt in Staunen versetzen? Für die Erfinder aus dem Sinntal ginge damit ein Traum in Erfüllung.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Der langjährige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Prof. Dr. Rainer Bomba aus Steinau sowie die Erfinder Robin Krack und Udo Gärtner aus Sannerz sind am Tag vor Silvester von einer viertägigen Reise aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zurückgekehrt. Dort hatten sie Gespräche über die Finanzierung und den Bau des Goliath mit dem Ziel eines weltweiten Vertriebs aus den VAE heraus geführt.

Die beiden Erfinder und Bomba sind davon überzeugt, dass der Goliath „den erneuerbaren Energien weltweit zum Durchbruch verhelfen“ wird. Hauptgesprächspartner der drei Herren aus dem Bergwinkel war Faisal Abdullah Al Ali, Präsident der Firma „Empire Global Investment Management“ aus Abu Dhbai, dem sie den Goliath erstmals im September in Sannerz vorgestellt hatten (die KN berichteten).

Kein Interessent aus Deutschland

Daneben führte das Trio Gespräche mit Vertretern der „Abu Dhabi Invest“, einem Staatsfonds, der die VAE auf die Zeit nach der Ölförderung vorbereiten soll, der Aras Group sowie weiteren möglichen Investoren. Das Interesse steige weltweit, sagt Bomba. Anfragen kamen auch aus Indien, China, Portugal und Kanada.

Dass sich unter den Gesprächspartner kein Interessent aus Deutschland befindet, wo die Idee für diesen Speicher doch geboren wurde, begründet Bomba so: „Wir haben es probiert. Aber bislang gab es weder einen deutschen Partner, mit dem die Finanzierung möglich war, noch jemanden, der eine möglichst rasche Umsetzung garantieren konnte.“

80 Millionen Euro als Finanzierungssumme

Doch der Zeitfaktor gewinne an Gewicht. „Wir sind jetzt über das Stadium hinaus zu beweisen, dass der Goliath funktioniert. Jetzt suchen wir nicht nur einen Partner, der über das erforderliche Geld verfügt, sondern der auch den Goliath baut und weltweit vertreibt“, verdeutlicht Rainer Bomba, der die Kontakte in die Emirate geknüpft hat. Und er ist überzeugt, in „Empire Global“ den richtigen Partner gefunden zu haben: „Hier zählen ein Blick in die Augen und ein Handschlag noch mehr als nur ein Vertrag.“ Diesen gibt es bislang nicht, doch der Steinauer rechnet damit, dass zumindest ein Vorvertrag noch im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden könnte.

Die Finanzierungssumme für eine Pilotanlage und den ersten Terrawatt-Speicher ist durchaus beachtlich: Bomba und die beiden Erfinder schätzen dieses auf 80 Millionen Euro. Da braucht es potente Geldgeber. Doch andererseits liege die Amortisationszeit „bei nur einem Jahr“, ist das Trio überzeugt. Sie haben ausgerechnet, dass ein Terrawatt Speicher pro Jahr Einnahmen von 50 Millionen Euro erzielen kann. Die Mindestnutzungsdauer geben sie mit 30 Jahren an, bei Wartung und Pflege seien auch 100 Jahre möglich. In einer Präsentation heißt es, der Goliath sei „eine Lizenz zum Gelddrucken.“

Prototyp soll dieses Jahr ans Netz gehen

Das klingt ziemlich euphorisch, doch Bomba will trotzdem zunächst einmal skeptisch bleiben: „Erst wenn ein Vertrag, mit dem wir wirklich zufrieden sein können, unterschrieben ist, haben wir es geschafft. Und bis dahin haben wir noch viel zu tun.“ Noch in diesem Januar wollen die drei wieder in die Emirate reisen und auf einer internationalen Energie-Messe weitere Investoren gewinnen.

Dass der Protoytp noch in diesem Jahr ans Netz geht, halten sie für wichtig, denn es sei mit Nachahmern zu rechnen, die sich keinen Deut um irgendeine Patentverletzung scherten, sobald ihnen das Potential des Goliath bewusst werde.

Erfindung aus Sinntal: „Großes Ding" für die Energiewende?

Kommt das nächste „große Ding" für die Energiewende aus Sinntal? Gut möglich. Und wenn man Robin Krack und Udo Gärtner zuhört, mit welcher Leidenschaft und Sachkenntnis sie von ihrer Erfindung, einem Energiespeicher für überschüssigen Strom aus Windkraft, schwärmen, dann besteht daran kein Zweifel.

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