Erfindung aus Sinntal: „Großes Ding“ für die Energiewende?

15. Juni 2019
Sannerz

Kommt das nächste „große Ding“ für die Energiewende aus Sinntal? Gut möglich. Und wenn man Robin Krack und Udo Gärtner zuhört, mit welcher Leidenschaft und Sachkenntnis sie von ihrer Erfindung, einem Energiespeicher für überschüssigen Strom aus Windkraft, schwärmen, dann besteht daran kein Zweifel.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Dabei ist die Idee nicht neu: Die Erfinder nutzen das Prinzip eines Pumpspeicherwerks, wie man es aus den Alpen kennt. Dabei wird Wasser mit Hilfe von Strom in einen höher gelegenen See gepumpt und schießt später mit großer Kraft talwärts durch einen Generator, der die Energie wieder in Strom umwandelt.

Ein wesentlicher Unterschied ihrer Erfindung: Ihr Speicher benötigt kein natürliches Gefälle, wie es einem Berg eigen ist, sondern er bringt sein Gefälle quasi im Gepäck selbst mit. Somit kann „Goliath“, wie sie ihren Energiespeicher getauft haben, überall eingesetzt werden, wo (im Moment) nicht gespeicherter Strom aus Erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne oder Wasser anfällt.

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Kapital wird benötigt

Krack und Gärtner halten Anlagen zwischen 20 und 100 Metern Höhe für realistisch bei einem Durchmesser von zwei bis zehn Metern. So passen sie aufs offene Meer oder etwa in ein Hochhaus.

Und: Speicher können beliebig hintereinander geschaltet werden – je nach Bedarf. Bei einer Pilotanlage mit 3,5 Metern Durchmesser läge die Leistung bei 300 Kilowattstunden (kWh). Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht am Tag etwa zehn Kilowattstunden.

Klar, dass Gärtner und Krack das notwendige Kapital fehlt, eine große Anlage selbst zu verwirklichen. Selbst wenn sie die Kosten pro Kilowattstunde von etwa 500 Euro für vergleichsweise gering halten. Für eine Realisierung sind sie auf Risikokapital und die Unterstützung großer Energieerzeuger angewiesen.

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Bomba: „Das ist einfach zu bauen“

In dieser Situation fügte es sich, dass der frühere Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, der Steinauer Rainer Bomba, von der Erfindung erfuhr und seine Kontakte in Berlin nutzte.

„Als mir die Jungs ihr Projekt vorgestellt haben, da war mir klar: Das hat was, das funktioniert, das ist einfach zu bauen. Ich glaube an eine Umsetzung“, sagt der Maschinenbauingenieur.

Kontakte in die USA

Andreas Kuhlmann haben sie bereits einen Besuch abgestattet. Der Diplom-Physiker ist Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), die die energie- und klimapolitischen Ziele der Energiewende umsetzen soll. „Er hat bestätigt, dass das System physikalisch einwandfrei funktioniert“, erinnert sich Bomba.

Nächster Schritt sei, Energieerzeuger, aber auch Windradproduzenten für den Bau einer Pilotanlage zu gewinnen. Kontakte gibt es zudem in die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate.