Naturschützer und Jäger retten Kitzdrillinge vor dem Mähtod

09. Juni 2019
Sinntal

Die Jägerschaft aus dem Revier Schwarzenfels und einige Nabu-Mitglieder der Ortsgruppe Sinntal konnten bei einem Drohneneinsatz kurz vor der Mahd drei frisch geborene Kitze aus der Wiese retten. Der Schwarzenfelser Landwirt Werthmann, der mit seinem Vater vor Ort war, hatte von der Spendenaktion des Nabu gehört und sich angemeldet.

Von Walter Dörr

Die Firma Modellbau Fuchs aus Gelnhausen war 24 Stunden zuvor informiert worden, rückte frühmorgens an und überflog einige Wiesen, die jedoch bis auf flüchtendes Rehwild frei waren. Anders bei der nächsten Station in der Nähe des Grieshofes. Kurz nach dem Start stoppte die Drohne: ein Fund, eine deutliche Wärmequelle. Ein Kitz, das sich flach auf den Boden drückte und an dem die Jäger trotz aller Umsicht im Abstand von einem halben Meter glatt vorbeigelaufen waren. Und dann noch eins, und ein drittes.

Vorsichtig wurden die Tiere mit Handschuhen und Grasbüscheln ins nächste Feld getragen. Danach konnte der Landwirt problemlos mähen. Ohne Drohne wären die Tiere in der nächsten halben Stunde tot oder schwer verletzt gewesen. „Dies war schon die vierte Aktion mit Drohne und Wärmebildkamera, die immer größeren Zuspruch finden,“ wie die Sinntaler Nabu-Vorsitzende Barbara Merx sagte. Die Spendenaktion des Nabu Sinntal hat sich gelohnt.

Geräuschmacher zur Vergrämung wirken nicht

„Es können neun Stunden a 75 Euro für jeweils 4-6 Hektar gesponsert werden. Es gibt viele Landwirte, die sich eingetragen haben und auch das technische Drumherum der Drohnenaktion fasziniert beobachten.“ Die Drohnen-Methode ist aus Erfahrung effizient, denn Flatter-Tüten, Bänder oder Geräuschmacher zur Vergrämung des Rehwildes reichen nicht aus.

Die Tiere gewöhnen sich nämlich daran. Oft liegen die Kitze unmittelbar in der Nähe der Flatterstangen oder sogar im Bereich von Straßen und Wegen. Auch bringe die Geiß gegebenenfalls ihr Kitz nach einer Vergrämung wieder zurück in die Wiese. Die Drohnensichtung ist unmittelbar vor der Mahd durchzuführen.

Nicht jeder Landwirt und Landbesitzer ist sich darüber im Klaren, dass er eine gesetzlich festgelegte Pflicht zur Hege hat und verantwortlich ist, Tierschäden und insbesondere Tierquälerei zu vermeiden und mit allen Mitteln auszuschließen. „Natürlich kann diese effektive Rettung nicht nur über Spenden finanziert werden. Es ist eine Kostenbeteiligung des Landwirtes angezeigt, um elendige Tierqual oder Tod zu vermeiden. Verglichen mit einem angezeigten vermähten Kitz, das als Straftat gilt und 750 Euro kostet, ist eine Drohnenstunde finanziell erträglich,“ so Barbara Merx. Darüber hinaus werden immer wieder Eigenschäden der Rinder- und Milchkuhbestände in Form von Botulismus bekannt, wie zuletzt im Landkreis Fulda, wo Silage durch Kadaver verseucht wurde.

Revierpächter setzt sich für Drohnen ein

In dieser Folge stirbt auch Landwirtschaftliches Nutztier qualvoll. „Vor allem mit den heute in der Landwirtschaft eingesetzten Maschinen und einer Mähbreite von bis zu neun Metern kann man kleine Lebewesen nicht erkennen und spürt nicht, wenn ein Kitz in die Messer gerät, – von Junghasen und Bodenbrütern ganz zu schweigen,“ so die NABU-Vorsitzende und Jägerin. Aus diesen Erfahrungen setzt sich der Revierpächter von Schwarzenfels Daniel Röll sehr für die Sache ein und überlegt sogar, zusammen mit den Jägern und der Jagdgenossenschaft eine solche Drohne anzuschaffen.

Er stellt auch in diesem Jahr noch für weitere gefährdete Flächen Geldmittel für Drohnenflug zur Verfügung. „Es wäre wünschenswert, wenn auch in unserer Region noch mehr Landwirte ihr Verantwortungsbewußtsein der Natur gegenüber zeigen, damit nicht jedes Frühjahr so viele Jungtiere elend zugrundegehen. Leider gibt es auch immer noch Landwirte, die es wenig interessiert, ob Kitze vermäht werden oder nicht: da ist der Zeitmangel, die Unlust, dafür Geld auszugeben, oder das Argument: die werden ja sowieso später geschossen. Aber bewusst einem Kitz die Beine oder den Unterkiefer abzumähen, hat wohl mit späterer eventuell notwendiger Jagd nichts zu tun,“ betont Merx.

Drohne bewahrt Kitze vor dem Mähtod

Jahr für Jahr verenden zahllose Rehkitze, weil die Geburt des Reh-Nachwuchses mit der Zeit des ersten Grasschnitts zusammenfällt. Weil die Jungtiere auf Tarnung und Deckung setzen, werden viele von ihnen Opfer der Mähmaschinen der Landwirte. In Ufhausen setzen jetzt Jäger Drohnen mit Wärmebildkameras ein, um die Tiere zu schützen.