Stefan Zaenker über Quellen und ihre Bewohner

28. April 2014
Freiensteinau

Zu ihrem ersten Vortrag in diesem Jahr hatte die Freiensteinauer NABU-Ortsgruppe Stefan Zaenker aus Fulda zum Thema "Quellen – Ursprung des Lebens" ins Naturschutzzentrum im Torbogenhaus eingeladen.

In seinen Ausführungen beleuchtete der Finanzbeamte und Hobby-Höhlen- und Quellenforscher die oft in Sagen geheimnisvoll dargestellten Quellen, in denen komplizierte biologische Prozesse ablaufen. In den hiesigen Breiten seien vier Quelltypen bekannt: die Sturzquelle, ein punktförmiger Austritt mit schnellabfallendem Gefälle, die am häufigsten vorkommende Sickerquelle, in der sich Grundwasser diffus an die Oberfläche ausbreitet, die Tümpelquelle, hier tritt das Wasser quellartig am Tümpelboden aus, und die gefasste Quelle.

Gerade bei der gefassten Quelle stellte Zaenker, der auch Vorsitzender des Landesverbandes für Höhlen und Karstforschung ist, die Charaktereigenschaften in Frage, denn diese von Menschenhand gefassten Wasseraustritte zeugten von Unkenntnis und missachteten den gesetzlichen Schutz. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz zählen Quellen zu besonders geschützten Biotopen, die nicht verändert werden dürfen. Im Biosphärenreservat Rhön habe man diese Entwicklung erkannt. Heute bemühe man sich, die schädliche Wirkung einer gefassten Quelle umzukehren.

Beim Nachweis einer Quelle bedienen sich die Forscher der anzutreffenden Quellenbewohner. Jede Quelle weist besondere Tierarten auf, mit deren Hilfe man eine Quelle charakterisiert und zuordnet. Hessenweit sind mittlerweile 3471 Quellen (zirka 1375 im Landkreis Fulda, 289 im Vogelsbergkreis, 196 im Main-Kinzig-Kreis und 13 in Freiensteinau) kartiert, dabei wurden 2338 Tierarten festgestellt. Neben der Rhön, hier werden bis zu 10 000 Quellen vermutet, ist auch der Naturpark Kellerwald mit 634 Quellen und 976 Tierarten gut erforscht.

Dabei bildet eine Quelle eine Schnittstelle zweier Lebensräume, in der sich eine Vielzahl von kleinen Tierarten tummelt – wie Muschelkrebse, Ruderflusskrebse, die Höhlenwasserassel und der Schellberg-Grundwasserkrebs. Auch der seit 250 000 Jahren bekannte Urzeitkrebs wurde in einer 850 Meter hoch gelegenen Rhönquelle gefunden. Der Ursprung der Rhön-Quellenschnecke geht bis in die Eiszeit zurück. Sie wurde in der Rhön, im Vogelsberg, aber auch in drei Quellen in Freiensteinau – bei der Heistermühle, am Möllersberg und im Hörstchen – nachgewiesen. Der Nachweis dieses Eiszeitrelikts zeuge von einer hohen, guten und kalten Wasserqualität, so Zaenker. Lars Simpelkamp strebt mit der NABU-Ortsgruppe ein Projekt an, das die Kartierung aller Quellen in der Freiensteinauer Gemarkung zum Ziel hat. / ds

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