Steht der Faschingsumzug in Steinau vor dem Ende?

01. November 2019
Steinau

Bürgermeister Malte Jörg Uffeln (parteiunabhängig) und Zugmoderator Dirk Denhard wollen den Faschingsumzug in Steinau erhalten. Beide sehen dafür allerdings einige Probleme und finden drastische Worte.

Von Andrea Euler

„Ja, ich will einen Faschingsumzug. Auch über 2020 hinaus.“ Malte Jörg Uffeln ist da ganz entschieden. „Dieser Faschingsumzug hat Tradition. Er ist für uns als Stadt wichtig.“ Seit 2015 trage die Stadt zum Gelingen bei: Es gäbe Koordinationstreffen im Rathaus, Vorbereitungen auch in Sachen De-Eskalation, Sicherheit, Alkohol. „Da haben wir gemeinsam sehr gute Ergebnisse erreicht.“ Die Stadt zahle anteilig die Kosten für Versicherung und Tüv-Abnahmen und bringe sich personell ein – insgesamt seien es zwischen 10.000 und 20.000 Euro, die da fließen. Er habe kein Problem zu sagen: Die Organisation läuft über die Stadt. „Aber dann muss auch klar gesichert sein, dass die Kosten eins zu eins wieder reinkommen.“

„Ich finde es asozial, dass..“

Allerdings gäbe es Regeln: „Ich finde es asozial, dass Leute, die auf den Zug gehen, nicht bereit sind, sich ein Märkchen zu kaufen und sich so an den Kosten zu beteiligen“, so Uffeln. Als „adäquaten Beitrag“ empfinde er einen Betrag von vier Euro für jeden.

Uffelns markige Ausdrucksweise kam auch bei einem Treffen zum Thema „Fest und Feierkultur“ zum Tragen, bei dem der Steinauer Bürgermeister mitteilte, es sei ihm auch recht, wenn der Faschingszug nicht mehr stattfinde. „Das habe ich wohl falsch ausgedrückt“, so Uffeln. Fakt sei: „Ich habe nichts gegen Feiern in unserer Stadt. Aber es kotzt mich tierisch an, wenn junge Leute einfach ihre Flaschen fallen lassen und sich nicht darum kümmern, wenn sie in die Ecken pissen und eine Riesen-Sauerei hinterlassen.“ Auch „besoffene Zugengel gehen gar nicht“, sagt Uffeln, wobei „die De-Eskalationsstrategien seit 2015 sehr gut gelaufen sind. Da wurde in den Vorbereitungstreffen eine Bombenarbeit geleistet.“

Ärger um Bürgermeister-Aussagen

Letzteres sieht Dirk Denhard, Vorsitzender im Arge-Vorstand (Arbeitsgemeinschaft der Steinauer Vereine) und Zugmoderator, genauso. Und deshalb ärgert ihn die flapsige Aussage des Bürgermeisters sehr. „Solche Grundaussagen sprechen nicht dafür, dass Uffeln ein Interesse daran hat, die Veranstaltung in Steinau zu halten. Wie soll man jemanden motivieren, die Zugorganisation zu übernehmen, wenn der Bürgermeister zu verstehen gibt, er könne auf die Veranstaltung verzichten? Ich sehe die Unterstützung vonseiten des Ersten Bürgers der Stadt nicht in ausreichendem Maße.“

Mit 5000 bis 8000 Besuchern sei der Faschingsumzug mit der anschließenden Party „das vielleicht größte Event in Steinau“, von den 6000 Bändchen würden fast alle verkauft. Bei einem Preis von zwei Euro pro Stück kämen zusammen mit Kleinspenden rund 12 000 Euro zusammen – ein Betrag „knapp unter der Schwarzen Null“, der gemeinsam mit dem städtischen Beitrag die Kosten decke.

Vorstand will aufhören

Beim Umzug am 22. Februar wird Denhard zum 30. Mal die Moderation übernehmen. „Es ist der 45. Umzug, ich werde in dem Jahr 50. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Denhard sucht seit Jahren Nachfolger, denn mit ihm wird das jetzige Vorstands-Team ebenfalls aufhören. „Wir hören definitiv nächstes Jahr auf. Wir machen 2020 den letzten Umzug als Arge-Vorstand. Die Chance, dass es wirklich der letzte Umzug ist, ist sehr groß.“, sagt Denhard.

Am 14. November ist eine Delegiertenversammlung der Arge geplant. Vorstandswahlen stehen an. Interessierte Vereinsvertreter können sich so informieren. Am 16. Januar findet „ein offenes Casting für die potentiellen Bewerber für die Organisation des Umzugs statt.“ Denhard will nichts unversucht lassen. Und er verspricht potenziellen Nachfolgern Unterstützung.

Drei Stunden Umzug durch närrisches Steinau

Den Gaudiwurm mit mehreren hundert Teilnehmern bejubelten entlang der Straßen einige Tausend Menschen aus Steinau und der weiteren Umgebung, die zumeist bunt gekleidet oder auch selbst kostümiert waren. Dem 44. Narrenzug ging der obligatorische Rathaussturm Am Kumpen voraus, wo dann bis zum Eintreffen der ersten Zugnummer kräftig vorgefeiert wurde.

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