Urteil nach Straßenraub: 23-Jähriger muss zweieinhalb Jahre in Haft

18. Januar 2019
Hanau/Bruchköbel

Weil er am Straßenraub Ende August 2016 in Bruchköbel zumindest beteiligt gewesen sein soll, wurde der 23-jährige Angeklagte zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Das Urteil fällte am Donnerstag die 1. Schwurgerichtskammer des Hanauer Landgerichts. Sein Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe angeregt, die Staatsanwaltschaft forderte eine zwei Monate längere Haftstrafe.

Vorsitzender Richter der Kammer, Dr. Peter Graßmück, merkte zum Schluss in seiner Urteilsbegründung an: „Wenn solche Taten, geschehen im Main-Kinzig-Kreis oder in Hanau, auf unserem Tisch landen, dann urteilen wir grundsätzlich keine Bewährungsstrafen aus. Man mag das abschreckendes Exempel nennen, aber die Bevölkerung soll sich auf der Straße sicher fühlen können.“

Der Strafrahmen für schweren Raub mit Körperverletzung liegt, wie berichtet, zwischen fünf und fünfzehn Jahren. Dass am Ende nun doch wesentlich weniger an Strafe herauskam – und auch Staatsanwalt Dr. Alexander Voigt nicht mehr auf schweren, sondern „einfachen“ Raub plädierte, ist der Beweisaufnahme geschuldet. Die hatte eben nicht ergeben, dass der Verdächtige tatsächlich einen Elektroschocker als Waffe geführt hat, und auch nicht, dass er es tatsächlich war, der der Dame auf der Bahnhofstraße die Handtasche entrissen hat.

Wohl nur Beihilfe geleistet

Gericht wie Staatsanwalt – Verteidiger Georg Rosenschon schloss sich in seinem Plädoyer zunächst ausdrücklich der Anklagevertretung an – gingen davon aus, dass der 23-Jährige „nur“ den schwarzen Roller gefahren hat, der für den Raub benutzt wurde. Also als Mittäter agierte, und sein Sozius – wer auch immer das war – der Haupttäter ist.

Dass aber das Smartphone des Opfers, ein Samsung S5 (damals einiges wert), irgendwie in seinem Besitz gekommen war, dass er es „gerippt“ habe, wie ein Zeuge gegenüber der Polizei bestätigte: Das wird ihm zur Last gelegt. Verkauft hat es einen Tag nach der Tat ein anderer, über ebay-Kleinanzeigen.

In seinem letzten Wort, bevor das Urteil fiel, sagte der Angeklagte: „Ich habe so vorgetragen, wie ich die Erinnerung habe. Ich kann nicht ausschließen, dass ich getan habe, was man mir vorwirft. Aber ich erinnere mich nicht. Jetzt will ich mich nur noch um meine Kinder und meine Ausbildung kümmern.“ Die könnte er beim Vater machen, der ein Dachdecker-Geschäft hat. Dort arbeitet er bereits als Hilfsarbeiter.

Seine Drogensucht habe der 23-Jährige im Griff: das sagte auch seine Freundin aus. Auch ihr fehlt angeblich jede konkrete Erinnerung an die Geschehnisse rund um den 29. August 2016, den Tattag. Voicemails zwischen dem Paar von diesem Tag, auf einem Handy später von der Polizei gesichert und auch im Gerichtssaal zu Gehör gebracht, sprechen allerdings etwas gegen die Darstellung des Angeklagten, er sei in diesen Tagen „total benebelt“ gewesen von den vielen verschiedenen Drogen, die er angeblich konsumiert habe; Ursache für die angebliche Amnesie. In den Whatsapps wirkt er ausgesprochen klar, erwähnt aber natürlich den Vorfall nicht. Nur: „Es ist was schiefgegangen, Baby“.

Die Geschädigte übrigens habe – auch nach eigener Aussage – den Vorfall „ganz gut verkraftet“. „Aber es bleibt immer etwas zurück“, meint Richter Graßmück. Auch das ist ein Grund, weshalb keine Bewährungsstrafe „drin war“ oder man das Ganze als minderschweren Fall ansehen könnte. Allerdings muss der Angeklagte nicht sofort in Haft und erhält auch einen „Rabatt“ auf die lange Zeit zwischen Anklage (2017) und Prozessbeginn (2019). Drei Monate der Strafe gelten als vollzogen.

Raub mit Elektroschocker - Angeklagter will sich nicht erinnern

Es ist das, was man einen Raubüberfall am hellichten Tag nennt: Gegen 14 Uhr am 29. August 2016 überfällt ein bisher Unbekannter eine junge Frau in der Nähe des Bruchköbler Bahnhofs, setzt ihr einen Elektroschocker an den Hals, stürzt sie auf die viel befahrene Bahnhofstraße und entreißt ihr die Handtasche mit Bargeld sowie teurem Smartphone.

Prozessauftakt: Raub mit Elektroschocker in Bruchköbel

Weil er einen Elektroschocker gegen eine Frau eingesetzt, sie auf die Straße geschubst und anschließend ausgeraubt haben soll, muss sich ein 23-Jähriger ab Dienstag vor dem Hanauer Landgericht verantworten.