Video: Wie barrierefrei ist Schlüchtern? Exkursion im „Altersanzug“

07. Dezember 2018
Schlüchtern

Freunde treffen, Einkaufen gehen oder durch die Stadt schlendern: Im Alter werden alltägliche Aktivitäten immer schwieriger. Wie sehr gesundheitliche Probleme, die mit dem Alter kommen, einen Menschen und seine Lebensqualität einschränken können, habe ich in der Stadt Schlüchtern getestet und bin in einen sogenannten Altersanzug geschlüpft.

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Von Christine Winkler

Ein Altersanzug besteht aus mehreren Teilen, die dem Träger körperliche Beeinträchtigungen simulieren: Gewichte an den Gelenken und eine Brille, die mir vorgaukelt, am Grauen Star erkrankt zu sein. Zusätzlich höre ich dank Kopfhörer schlechter und ich kann den Kopf wegen einer Halskrause schlecht drehen.

Mit dem Rollator geht es raus auf die Obertorstraße, der Einkaufsmeile von Schlüchtern. Den ersten Übergang über eine Straße empfinde ich als beängstigend durch die eingeschränkte Sicht sowie das schlechte Hörvermögen.

Ampel ohne Signalton, hohe Bürgersteigkante

Auf den Bürgersteigen der Innenstadt komme ich mit dem Rollator gut voran. Zur ersten großen Hürde wird die Ampel. Zwar kann ich sehen, wann sie grün zeigt. Doch während ich über die Straße gehe, muss ich mich so auf den Rollator und den Bodenbelag konzentrieren, dass mir gar nicht auffällt, dass die Ampel schon längst wieder auf rot gewechselt ist. Einen hörbaren Signalton gibt es nicht.

Von der Sparkasse aus überqueren wir den Zebrastreifen. Die Autofahrer warten geduldig auf mich, der Boden hier ist eben und auch die Bürgersteige sind abgesenkt. Ein idealer Übergang also. Mit dem Rollator versuche ich auf einen Bürgersteig zu kommen. Mit alleinigem Anheben schaffe ich es nicht. Die ersten zwei Male rutscht er ab.

Café und Eingang zum Geschäft nicht rollstuhlgerecht

Auf dem Weg zurück kommen neue Hindernisse hinzu: In einem Café versuche ich mit Rollator auf die Toilette zu gehen. Stühle müssen beiseite geschoben werden, eine Mitarbeiterin muss mir die Tür aufhalten. Dann die Enttäuschung: Der Rollator passt nicht durch den Rahmen und es ist auch kein Platz vorhanden, um zu rangieren. Als Rollstuhlfahrer wäre man chancenlos.

Anschließend versuche ich, eine „normale“ Tür zu einem Geschäft in der Innenstadt zu öffnen. Das entwickelt sich zu einem kleinen „Kampf“. Schlussendlich lehne ich mich mit meinem Rücken gegen die Tür, drücke sie auf und schiebe dann meinen Rollator an mir vorbei.

Am Ende bin ich erleichtert, den Altersanzug wieder ablegen zu können. Ich fühlte mich ausgeschlossen. Ich bekam von den Gesprächen meiner Begleiter nichts mit. Fühlen sich so ältere Menschen, die schlecht sehen und hören?

Kleine Anpassungen würden helfen

Die Innenstadt hält zwar keine unüberwindbaren Hürden bereit, jedoch ist es nicht einfach, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Kleine Anpassungen in der Stadt würden schon helfen, damit sich ältere Bewohner sicherer bewegen und am Leben wieder richtig teilhaben können – etwa eine Ampel mit vernünftiger Signalschaltung und abgesenkte Bordsteinkanten.

Fuldaer Bahnhof wird barrierefrei

Der Bahnhof Fulda wird barrierefrei ausgebaut. Die Planung und die Umsetzung wird aus dem Bundeshaushalt finanziert, teilte am Mittwoch der Fuldaer Wahlkreisabgeordnete Michael Brand (CDU) mit.