Wieder Freisprüche im Klock-Prozess: Aber acht Monate wegen unerlaubten Waffenbesitz

17. März 2018
Hanau

Auch im Wiederaufnahmeverfahren vor der Zweiten Strafkammer des Hanauer Landgerichts lautet das Urteil im Prozess um den Tod der Eheleute Harry und Sieglinde Klock (beide 57 Jahre) auf der Maintaler „Main-River-Ranch“: Freispruch für die beiden Angeklagten Klaus-Peter B. (63) und Claus-Pierre B. (33). Zumindest vom Vorwurf des Mords respektive des Totschlags. Vater Klaus-Peter B. erhält wegen unerlaubten Waffenbesitzes eine Freiheitsstrafe von acht Monaten.

Von Rainer Habermann

Auch gestern war der Zuschauerraum des Saals A215 proppevoll, zeugten etliche Kameras vom großen öffentlichen Interesse, als die Vorsitzende Richterin und Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel schließlich gegen 14 Uhr das Urteil verkündete. Vorausgegangen waren teils turbulente Verhandlungstage seit dem 6. November 2017. Gekennzeichnet waren sie vor allem vom Bemühen der Nebenklägervertreter und Oberstaatsanwalt Heinze, jetzt ein anderes Urteil zu erwirken gegenüber den Freisprüchen im ersten Prozess. Jene Freisprüche, welche die Erste Kammer im August 2015 gefällt hatte, waren vom Bundesgerichtshof „kassiert“ und ans Landgericht zurückverwiesen worden; dies allerdings aus formalen Gründen, wegen Fehlern in der Urteilsbegründung und Beweiswürdigung. Die Zweite Kammer bestätigte nun, dass die Angeklagten in Notwehr (Sohn) respektive Nothilfe (Vater) gehandelt hätten. Zur Erinnerung: Sohn Claus-Pierre hatte Harry Klock mit mehr als einem Dutzend Messerstichen umgebracht, Vater Klaus-Pierre anschließend die mit einem Beil bewaffnete Sieglinde Klock mit einem Schuss aus einer Pistole der Marke „Luger“ getötet. Der Schütze hatte die Waffe erst irgendwo im Haus holen müssen, wo sie seit Jahren wohl versteckt lag, bevor er dann den Schuss daraus auf das Opfer abgab. Die Frau sei völlig hysterisch gewesen und habe mit dem Beil auf seinen sich mit ihrem Mann am Boden wälzenden Sohn einschlagen wollen. Einmal habe er geschossen, nicht aufgesetzt ins Genick, sondern aus ein paar Metern Abstand. Nothilfe für den Sohn, eben.

Das Gericht unter Wetzel glaubte den Angeklagten, der Sohn habe in Notwehr gehandelt, als er sich einem Angriff Harry Klocks ausgesetzt gesehen habe, der ausstehende Miete habe eintreiben wollen. Und das Messer, mit dem er 17 mal zustach, habe er Klock vorher im Kampf entwendet. Anschließend habe eine „Übertötung“ stattgefunden, quasi im „Blutrausch“, so sein Verteidiger Rechtsanwalt Karl Kühne-Geiling. Auch Richterin Wetzel befand: „So könnte es gewesen sein“. Und da es keine unmittelbaren Tatzeugen gibt, steht eben die Version der Angeklagten fest: „Im Zweifel für die Angeklagten“. Dass die beiden das tote Ehepaar verscharrten und die Tatwaffen versuchten verschwinden zu lassen: „Die Polizei hätte uns doch ohnehin nicht geglaubt“. Auch für dieses Motiv gilt „in dubio pro reo“.

Dass Vater B. nun für die acht Monate ohne Bewährung trotzdem nicht in Haft muss, wegen der unerlaubten Waffe: das ist der Tatsache geschuldet, dass eine bereits verbüßte U-Haft angerechnet wird, aber eine Strafe nicht quasi rückwirkend zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Aber: es wird möglicherweise die „Wiederaufnahme der Wiederaufnahme“ geben. Oberstaatsanwalt Heinze kündigte nämlich an, in Revision zu gehen. Und bei der gestrigen Urteilsverkündung blieb es, anders als beim ersten Urteil, sehr ruhig im Zuschauerraum.