Wilke will weitermachen – Groma-Chef kritisiert die Informationspolitik

11. Oktober 2019
Korbach/Berlin

Der hessische Fleischhersteller Wilke wehrt sich nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Wurst gegen seine Schließung. Groma-Geschäftsführer Oliver Wehner kritisiert vor allem die Informationspolitik des Unternehmens. Indes ist bekannt geworden, dass auch Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises beliefert wurden.

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem tödlich sein. Zwei Todesfälle in Hessen werden mit Waren der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Groma-Geschäftsführer äußert Kritik

Zu den Kunden des Wurstherstellers zählten auch Großhändler aus der Region – darunter Groma und wohl auch die SB-Union. „Die Wilke-Waren wurden direkt nach Bekanntwerden möglicher Probleme entsorgt“, versichert Groma-Geschäftsführer Oliver Wehner, der nun die Informationspolitik des Wurstherstellers kritisiert: „Eine Mitarbeiterin von Wilke hat uns am 2. Oktober gesagt, dass wir die Lieferung nicht annehmen sollten. Warum, das blieb zunächst im Dunkeln.“ Das Unternehmen musste sich selbst über die Vorwürfe gegen Wilke informieren, hat aber sofort reagiert.

Wurst auch in MKK-Altenheimen

Nachdem bereits bekannt geworden war, dass Wilke-Wurst in Fulda im Umlauf war, ist nun klar: Auch Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises wurden beliefert. Über einen Großhändler wurden einige wenige Produkte (Streichwurst, wenige Aufschnitte) verwendet. Dies teilte Kreis-Pressesprecher John Mewes auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Nach Bekanntwerden der Keimbelastung am Mittwoch, 2. Oktober, seien die entsprechenden Wurstwaren unverzüglich aus dem Verkehr gezogen worden, sodass seitdem keine Produkte der Metzgerei Wilke mehr im Umlauf seien. Die Main-Kinzig-Kliniken geben auf Nachfrage unser Zeitung Entwarnung: Hier wurden keine Wilke-Produkte verteilt.

Wilke will Betrieb weiterführen

Unterdessen wehrt sich die Firma gegen die Schließung: Wilke habe am Donnerstag beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag eingereicht, sagte ein Gerichtssprecher. Dieser richte sich gegen die Anordnung des Landkreises Waldeck-Frankenberg, der die Produktion gestoppt hatte. Ziel sei, den Betrieb fortführen zu können.

Bestandene Prüfung im Juni

Noch im Juni ist das Unternehmen offenbar legal an ein IFS-Prüfzertifikat des Lebensmittelhandels gekommen. Wilke habe der Prüfungsgesellschaft DQS die nötigen Unterlagen wie Laboranalysen, Inspektionsberichte und Besuchsprotokolle der Lebensmittelaufsicht vorgelegt, sagte Stephan Tromp, Geschäftsführer der Dachorganisation IFS-Management: „Insofern gehen wir nach derzeitigem Sachstand nicht davon aus, dass DQS von Wilke getäuscht wurde.“

Allerdings nutzte das Unternehmen laut Tromp eine legale Möglichkeit, sich auf den Besuch der Prüfer vorzubereiten: Es wählte eine Prüfvariante, bei der sich die Kontrolleure anmelden. / lio

Wilke-Wurst wurde auch in die Region geliefert

Von dem Skandal um die keimbelasteten Wurstwaren der Firma Wilke ist auch die Region Fulda betroffen: Zu den Kunden des Herstellers zählten viele Einrichtungen in der Region. Allein im Klinikum Fulda mussten 130 Kilo Wilke-Wurst entsorgt werden. Auch Seniorenheime von Mediana, DRK und AWO wurden von Wilke beliefert.