Windkraftprojekt auf Burg Brandenstein: Ablehnung der Bürger ist eindeutig

11. Dezember 2019
Elm

Elms Ortsvorsteherin Inge Vey hatte mit 20 bis 30 Besuchern gerechnet und war bass erstaunt, als sie etwa 150 Bürger zum Thema „Windkraftanlagen bei Burg Brandenstein“ im Gemeinschaftshaus begrüßte. Die Vertreter des Vorhabenträgers, die Firma Juwi aus Höchstadt, hatten keinen leichten Stand.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

Die Stimmungslage war eindeutig: Keiner der anwesenden Bürger sprach für das Windkraftprojekt. Viele waren erbost, dass Waldeigentümer Constantin von Brandenstein nicht anwesend war und mitgeteilt hatte, das Projekt liege nicht mehr in seinen Händen, seitdem er den Vertrag mit Juwi geschlossen habe. Er habe dies getan, um dauerhaft den Unterhalt der Burganlage zu sichern. Inge Vey hatte er noch geschrieben, er wolle vom Pachterlös jedes Jahr „ein kleines Schmerzensgeld“ an die Elmer und Huttener Vereine zahlen.

Vey sagte, die Anlagen, die nur einen Meter niedriger als der Maintower in Frankfurt sein würden, werde das Landschaftsbild „erheblich negativ beeinflussen“. Sehr viel alter Wald werde geopfert. Nach dem Bau würden sich die Elmer „umzingelt und bedrängt“ fühlen. Die Atmosphäre war zeitweise aufgeheizt und feindlich.

Vey mahnte zu Sachlichkeit

Ein Herr sagte an die Juwi-Vertreter gerichtet unter Applaus: „Sie wollen einfach Geld machen auf Kosten der Bürger.“ Inge Vey mahnte immer wieder, sachlich zu bleiben, was bis auf Ausnahmen recht gut gelang. Ihr ging es darum, bis zum Ende der Beteiligungsfrist an diesem Freitag noch möglichst viele fundierte Argumente gegen den Bau der Anlagen zu sammeln.

Wie vielleicht den Hinweis von Lina Sowietzki, die am Haineshof unterhalb der geplanten Standorte lebt. Die Dame berichtete davon, es sei schon seit 150 Jahren bekannt, dass „der Berg schiebt“. Ihr Hof sei deshalb mit einem zwei Meter breiten Fundament gebaut worden. Vey sprach davon, „das ganze Gebiet ist hochsensibel“ und zitierte aus einem Schreiben der Bahn, in dem von Gesteinsschichten wie Röth und Muschelkalk die Rede ist, die auch den Tunnelbau erschwerten, weil bei Starkregen der Hang „abgleiten“ könne.

„Keine Grundsatzdiskussion“ über regenerative Energien

Sie forderte deshalb vehement ein geotechnisches Gutachten für diesen Bereich. Die Vertreter von Juwi betonten zum einen, ein Tunnelbau sei mit dem von Windkraftanlagen nicht vergleichbar und versicherten, es gebe ein Baugrundgutachten, das die Eignung bestätige. „Aber natürlich wollen wir keine Windkraftanlage, die irgendwann umfällt“, sagte einer der vier Juwi-Mitarbeiter. Projektleiterin Irina Hahn schob gestern nach, man wolle für diese Frage „eine gutachterliche Bewertung bis zum Erörterungstermin am 27. Januar“ 2020 vorlegen. Ein halbes Jahr später könnte eine Baugenehmigung erteilt werden.

Auch wenn Inge Vey „keine Grundsatzdiskussion“ über regenerative Energien führen wollte, die sie grundsätzlich für richtig hält, gingen viele Meinungsäußerungen in diese Richtung. Interessant waren Berichte von Betroffenen, die im Umfeld bestehender Anlagen leben: Ein Herr aus Sinntal, der 1,3 Kilometer von einem Windrad entfernt lebt, sprach von „massiver Beeinträchtigung“ durch Zischen, Pfeifen und Schlaglärm der Windkraftflügel. Ein Sterbfritzer, 1350 Meter entfernt, versprach: „Der Lärm wird extrem sein.“

Betroffene berichteten

Er müsse um 23 Uhr die Fenster schließen, um schlafen zu können. Das sei „flughafenmäßig“. Eine Frau aus Hutten schilderte ähnliches. Vey fasste zusammen: „Sie haben die Betroffenheit der Menschen wohl gespürt.“

Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) sagte unter Beifall: „Es reicht jetzt. Schlüchtern hat mit 36 Anlagen mehr als genug zur Energiewende beigetragen.“ Die Stadt hat ihr Einvernehmen zu den Plänen versagt, vor allem aus Lärm- und Denkmalschutzgründen. Möller rief Juwi zu: „Lassen sie dieses Projekt sein. Lösen sie den Vertrag auf.“

Möller sprach sich für Klageweg aus

Die zu erwartende Gewerbesteuer sei „verschwindend gering“ und wiege die Belastung, „die ihnen vermutlich egal ist“, nicht auf. „Aber damit wird jetzt Schluss sein“, so Möller, der sich für den Klageweg aussprach.

Darüber entscheiden würden letztlich die Stadtverordneten. Alle Gutachten und Stellungnahmen der Behörden sind zu finden unter uvp-verbund.de.

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