Wolf gesichtet? Jagdpächter legt sich auf die Lauer

28. Februar 2019
Birstein

Ein Mann hat laut Schlüchterner Polizei angegeben, am Mittwoch, 27. Februar, um 23.40 Uhr einen Wolf gesehen zu haben.

Der Wolf sei am Straßenrand der Kreisstraße 209 etwa 200 Meter hinter der Ortsausfahrt von Bösgesäß in Richtung Burgbracht aufgetaucht – unweit einer Schafherde, wie der Augenzeuge der Polizei berichtete. „Der Mann ist sich zu 99,9 Prozent sicher, dass es kein Schäferhund oder sonstiges Tier, sondern eben ein Wolf gewesen sei“, heißt es aus der Polizeistation. Die Beamten haben den zuständigen Jagdpächter informiert, der sich noch am Donnerstagabend auf die Lauer legen will.

Im westlichen Landkreis Marburg-Biedenkopf wurde am Dienstag, 26. Februar, ein Wolf gesichtet – und das wurde durch den Nabu bestätigt. Vor der Naturfreundin Bianca Tabery trabte laut Pressemitteilung des NABU Hessen gemächlich ein junger Wolf über eine Wiese am Waldrand. Da sie das Tier mit ihrem Handy filmte, konnten die Wolfsexperten des Landes Hessen das Tier zweifelsfrei als Wolf identifizieren. „Ich bin immer noch total glücklich, dass ich rein zufällig diese Beobachtung gemacht habe“, erklärt Tabery. Für den regionalen NABU-Wolfsexperten Reinhard Brandl ist die Beobachtung keine Überraschung, sondern ein erwartbares Ereignis. „Immer wieder ziehen Wölfe durchs Land und leben mitten unter uns. Trotzdem wurden seit über einem Jahr keine Nutztiere in Hessen gerissen“, so Brandl. Auch wenn Wölfe bevorzugt Wildtiere jagen, sei es für Weidetierhalter allerdings wichtig, beim Aufstellen von Schutzzäunen nicht nachlässig zu sein. Da Wölfe an einem Tag bis zu 70 Kilometer wandern können, gelte dies nicht nur für Westhessen.

Der NABU rät dazu, bei möglichen Wolfssichtungen besonnen zu reagieren. „Wie bei anderen großen Wildtieren wie Wildschweinen gilt auch beim Wolf: Abstand halten, nicht darauf zugehen und nicht bedrängen“, erklärt Heike Balk, Sprecherin der NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf. Damit die Tiere ihren Respekt vor dem Menschen behalten, dürften sie auf keinen Fall gefüttert werden. Auch eine indirekte Fütterung durch das unachtsame Lagern von Speiseresten und Tierfutter könne Wölfe anlocken und an den Menschen gewöhnen. „Wer Wölfe füttert, hilft nicht, sondern schadet ihnen“, erläutert Balk. Wenn man zu Fuß oder auf dem Fahrrad einem Wolf begegnet, sollte man ruhig bleiben und sich langsam zurückziehen. Falls der Wolf doch einmal folgt, gilt: gelassen und ohne Angst weitergehen. Nur wenn sich ein Wolf neugierig weiter annähert, empfiehlt es sich, stehenzubleiben, laut zu rufen und in die Hände zu klatschen, um ihn zu vertreiben.

Um zu erfahren, ob sich der Wolf weiterhin in Westhessen aufhält, ruft der NABU dazu auf, weitere mögliche Wolfssichtungen an die Wolfshotline des Hessischen Umweltministeriums unter (0611) 815 315 zu melden. „Am besten ist immer ein Beweisfoto oder Video, das können die Wolfsexperten des Landes genau auswerten“, erklärt Brandl. Die Beobachtungen liefern wichtige Daten für ein Wolfsmanagement in Hessen. / tim, lea