Mancher Hauskredit wackelt – wegen Corona

27. März 2020
Region

Die Unsicherheit, wie sicher der Arbeitsplatz in Zeiten der Corona-Krise ist, trifft viele Häuslebauer. Bei allen regionalen Kreditinstituten gehen Anfragen von Kunden ein, die Tilgungen von Hauskrediten reduzieren oder vorübergehend aussetzen wollen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Osthessens Immobilienmarkt erlebte in den vergangenen Jahren einen Boom. Wer ein Haus baute oder kaufte, der lieh sich den größten Teil des Geldes bei der Bank. Die meisten Häuslebauer haben ihre Raten aus Zins und Tilgung so berechnet, dass keine großen Reserven übrig bleiben. Wenn jetzt Kurzarbeit droht, Einnahmen wegbrechen oder gar der Arbeitsplatz ganz verloren geht, dann wird es schnell ganz eng mit der Eigenheimfinanzierung.

Raten reduzieren oder Tilgungen aussetzen

Mit solchen Fällen sind die osthessischen Institute jetzt konfrontiert. Banken können die Höhe der Raten reduzieren, oder sie setzen die Tilgung vorübergehend ganz aus. Nur der Zins wird weiter gezahlt. Ob sich die Hausfinanzierung dadurch verteuert, hängt bei den angefragten Instituten von der Laufzeit des Kredits ab.

Erfolgt die nach hinten geschobene Tilgung noch innerhalb der Zinsbindung – also etwa innerhalb eines Zehn-Jahres-Korridors –, dann ändert sich der Zinssatz nicht. Überschreitet die jetzt verlängerte Laufzeit die Zinsbindungsfrist, dann wird der noch zu zahlende Rest zu dem dann gültigen Zins verlängert. Dieser Zins lässt sich heute nicht prognostizieren.

Situation bei der Sparkasse noch ruhig

Bei der Sparkasse Fulda ist die Situation noch ruhig. „Es liegen vereinzelte Anfragen nach Tilgungsaussetzung vor. Die Sparkasse bereitet sich trotzdem auf höhere Fallzahlen vor und wird entsprechende Kundenwünsche zügig bearbeiten“, sagt Richard Hartwig vom Vorstandsstab.

Tilgungsaussetzungen ließen sich über Sondertilgungen oder die Erhöhung des Tilgungssatzes meist später aufholen. „Dann verlängert sich die Laufzeit nicht“, erklärt Hartwig. Bei der Sparkasse laufen derzeit 8000 Finanzierungen privater Immobilien.

Nachfragen auch in Hünfeld

7000 Häuser finanziert die VR Bank Fulda, berichtet Markus Maase, Bereichsleiter Vertriebsmanagement. Auch bei ihr haben sich die ersten besorgten Häuslebauer gemeldet. „Wenn der Wunsch nach Ratenreduzierung oder Tilgungsaussetzung wegen der Corona-Krise entstanden ist, dann gehen wir damit sehr unbürokratisch um. Wir finden eine passende Lösung“, verspricht Maase.

Die VR Bank NordRhön in Hünfeld stellt sich ebenfalls auf mehr Nachfragen nach Aussetzungen oder Reduzierungen der Tilgung ein. „Bislang hat sich eine niedrige zweistellige Zahl von Kunden gemeldet“, berichtet Vorstandsmitglied Gerhard Hahn. „Eine Lösung ist oft, dass man die Tilgung für zwei Monate aussetzt, um dann klarer zu sehen, wohin sich die Lage des jeweiligen Arbeitgebers entwickelt“, so Hahn.

3000 Hausfinanzierungen bei der Kreissparkasse Schlüchtern

Bei der Kreissparkasse Schlüchtern gibt es vereinzelte Nachfragen zu Änderungen bei Hausfinanzierungen. „Viele Kunden planen, die nächsten schwierigen Wochen mit ihrer vorhandenen Liquidität zu überbrücken“, berichtet Vorstandsmitglied Torsten Priemer.

Das Aussetzen der Tilgung sei meist kein Problem. „Dabei empfehlen wir den Kunden die Aussetzung lieber über ein paar Monate länger, da keiner weiß, wie lange die aktuelle Krise anhalten wird“, sagt Priemer. 3000 Hausfinanzierungen laufen bei der Kreissparkasse.

Erste Anfragen besorgter Häuslebauer gibt es auch bei der Sparkasse Oberhessen, die in den Kreisen Vogelsberg und Wetterau 25.000 Häuser finanziert. „Wir werden Kunden, die durch die Corona-Krise ihre Einnahmen verlieren, schnell, einfach und unbürokratisch helfen“, sagt Sprecher Eric Zimdars.

Gastronomen begegnen Corona-Krise kreativ - rührende Geschichte im Fuldaer Haus

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Krenzer Not macht bekanntlich erfinderisch. So bietet zum Beispiel die Fleischerei Meissmer innerhalb des eingerichteten Lieferservices ein Krisenpaket für 7,50 Euro an - darin enthalten sind Klopapier, Nudeln und Eier. Den Humor hat man trotz der angespannten Situation in Eiterfeld also offenbar nicht verloren.

Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller zur Wirtschaftslage

In der Mitteilung wird Möller wie folgt zitiert: Die Corona-Krise verändert alles. Und sie erfordert entschlossenes und vor allem gemeinsames Handeln - von Bund und Ländern, aber auch von uns Kommunen. Nur so können wir die massiven wirtschaftlichen Einbrüche in der Region in Grenzen halten. Doch blinder Aktionismus ist fehl am Platz.

Anzeige
Anzeige