Hersfelder Finanzausschuss verweigert Ausgleich von 484.000-Euro-Defizit

07. Dezember 2019
Bad Hersfeld

Der Haupt- und Finanzausschuss der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung hat den Festspielen vorläufig den Ausgleich des diesjährigen Defizits in Höhe von 484.000 Euro verweigert.

Von Karl Schönholtz

Schon bei Bekanntwerden des Fehlbetrags vor gut vier Wochen hatte es in diesem Gremium seitens der Stadtpolitiker in öffentlicher Sitzung verbale Prügel für die Theatermacher gesetzt.

Als am Donnerstagabend eine überplanmäßige Ausgabe empfohlen werden sollte, kam es noch schlimmer. Ausschuss-Vorsitzender Bernd Böhle (FDP) beklagte einen „unterirdischen Umgang der Festspiele mit den städtischen Gremien“, sprach von verloren gegangenem Vertrauen und einem Akteneinsichtsausschuss als einzige Möglichkeit, Einblick in die Festspiel-Finanzen zu erhalten. Bernd Wennemuth (SPD) bemängelte fehlendes Controlling, und FWG-Fraktionschef Jürgen Richter wollte der kaufmännischen Geschäftsführerin Andrea Jung gar eine Art Aufpasser zur Seite stellen.

Alternative: zwei Stücken „mit Schauspielern, die keiner kennt“

„Ziehen Sie die Konsequenzen“, forderte Jung die Stadtpolitiker auf, denn gemeinsam mit Intendant Joern Hinkel hatte sie zuvor zum wiederholten Mal das Zustandekommen des Fehlbetrags erläutert und auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Finanzen verwiesen. Ursachen für das Minus waren demnach zusätzliche Personalkosten durch krankheitsbedingte Ausfälle, ein Abschreibungsverlust von 150.000 Euro durch den Verzicht auf die Wiederaufnahme des Musicals „Funny Girl“ und Mehrausgaben für die Bühnentechnik. Hinkel verwies auf die gewünschte hohe Qualität der Festspiele und stellte als billigere Alternative die Reduzierung auf zwei Stücken „mit Schauspielern, die keiner kennt“ in Aussicht.

Knappe Mehrheit gegen Billigung des Defizits

Bürgermeister Thomas Fehling verfolgte die gesamte Debatte, ohne sich zu Wort zu melden. Einzig Hans-Jürgen Schülbe (UBH) sprach für die Festspiele: „Wenn wir hohes Niveau wollen, kostet das richtig Geld. Wenn wir bessere Kirmes wollen, sparen wir zwei Millionen ein“. Dennoch stimmte der Ausschuss mit knapper Mehrheit gegen die Billigung des Defizits. Das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag.

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