Nach Trockenheit viel schadhaftes Holz – Baumschäden in Wäldern des Fürsten von Isenburg

11. Januar 2020
Birstein

Zwar hat es nach den beiden Dürresommern 2018 und 2019 im vergangenen Herbst und im knapp drei Wochen alten Winter mehr als noch vor Jahresfrist geregnet, doch das ändert nichts an den Trockenheitsschäden, die im Staats-, Gemeinde- und Privatwald bereits eingetreten sind. Ein Beispiel hierfür ist der Forst des Fürsten zu Isenburg.

Von unserem Redaktionsmitglied Hanns Szczepanek

Länger anhaltende Niederschläge sind zwar gut für das Anheben abgesunkener Grundwasserspiegel und indirekt fraglos für die Trinkwassergewinnung, auch wenn die wenigsten Menschen andauerndem Niesel- oder Sprühregen viel abgewinnen können. Allerdings nutzen die Niederschläge im Winterhalbjahr den Bäumen herzlich wenig, gibt Alexander Fürst von Isenburg zu bedenken.

Denn für die meisten Pflanzen sei Nässe und Feuchtigkeit in den Wintermonaten eher unnütz. Viel wichtiger „ist ausreichend Regen in der Vegetationszeit, vor allem in den Monaten Mai, Juni, Juli und August“, betont der 50-jährige Chef des Hauses Isenburg.

Zehn Jahre für Neuaufbau

Die zurückliegenden zwei Dürresommer hätten in seinem Wäldern dazu geführt, dass sämtliche Aufforstungen aus dem Jahr 2018 vertrocknet seien. Allein dieser Schaden summiere sich auf etwa 150.000 Euro. Das Ausmaß des Gesamtschadens, der sich über alle Baumaltersklassen erstrecke, betreffe etwa ein Fünftel der Fläche. Dies habe zur Folge, dass der Wald wohl bis in etwa zehn Jahren komplett neu aufgebaut werden müsse. „Sowas gab es noch nie“, sagt Alexander von Isenburg mit Stirnrunzeln hinzu.

Denn schon jetzt müssten zur Anpflanzung Baumarten ausgesucht werden, um die Anpassung der heimischen Wälder an den bereits absehbaren Klimawandel zu einzuleiten. Zwischen dem Jahr 1939 und bis 2019 habe sich die Durchschnittstemperatur in der Region bereits um etwa zwei Grad Celsius erhöht „und die Hälfte davon wurde erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten verzeichnet“, stellt der Fürst heraus. Und: „Da brauchen wir jetzt nicht mehr bis 2050 zu warten“. Überdies träten durch den globalisierten Handel Schäden auf, die bisher in hiesigen Breitengraden nicht vorgekommen seien: vom Eschentriebsterben bis zum asiatischen Laubholzbock.

Reisen in den Mittelmeerraum

Geschwächt würden die Bäume vor allem durch Hitze und erst in zweiter Linie durch Wassermangel. Um in puncto Nachhaltigkeit eine ökologisch sinnvolle und zugleich ökonomisch ertragreiche Zusammenstellung für einen guten Mischwald zu erhalten, führe seit einiger Zeit manche Reise in den Mittelmeerraum, etwa nach Südfrankreich, auf den Balkan oder in den Libanon. Denn dort stünden Baumarten, die mit Hitze und Trockenheit deutlich besser zurechtkommen als der in Mitteleuropa vorherrschende Mix. Mit Blick auf das aktuelle Fichtensterben verweist von Isenburg auf andere Fichten-Sorten im Alpenraum, die mehr Trockenheit aushielten als die hierzulande üblichen.

Dankbar ist er seinen Vorvätern, die schon vor Jahrzehnten vor allem auf Kuppen und höher gelegenen Arealen Douglasien anpflanzen ließen. Denn dieser Nadelbaum gehört zu den belastbareren Arten. Douglasien halten den Angaben zufolge auch mal vier Wochen ohne Regen sowie ein paar heiße Tage mit bis zu 40 Grad Celsius aus. Ebenso bedeuten frostige Temperaturen im Winter nicht gleich den Baumtod.

Jede Baumart solle angebaut werden dürfen

Auch Eichen und Buchen sind laut dem studierten Forstwirt von Isenburg je nach Standort durchaus widerstandsfähig, jedoch gibt die sogenannte Waldbaufibel nur Herkunftsempfehlungen zum Anpflanzen von maximal 54 Arten vor. Der fürstliche Waldbauer fordert jedoch, diese Begrenzung zu öffnen, denn „es sollte jede Baumart angebaut werden dürfen“.

Beerntet würden derzeit Bäume, die zu Zeiten seines Großvaters gepflanzt worden seien. Die durch Überangebot eingebrochenen Holzpreise machten aber selbst dieses Geschäft kaum mehr auskömmlich. Durch den Erlös würde nicht mal der Aufwand für Neuanpflanzungen abgedeckt, so Alexander von Isenburg. Daher fordert er für den Privatwald die Einführung einer Flächenprämie, ähnlich jener in der Landwirtschaft.

30 Millionen Euro Fördergeld

Denn der Forst betreibe „nachweislich viel wichtigeren Arten-, Grundwasser- und Klimaschutz“, weshalb eine Prämie von 125 Euro pro Hektar und Jahr angemessen erscheine. Der Landesbetrieb Hessen-Forst erhalte bis 2025 jährlich etwa 30 Millionen Euro Fördergeld. Im Übrigen sei der Forst im ländlichen Raum der bundesweit größte Arbeitgeber und zähle mit rund 1,5 Millionen Beschäftigten mehr als die Autoindustrie.

Außerdem fordert der Fürst, die Förderung von Wasser aus dem Vogelsberg für die Stadt Frankfurt baldmöglichst einzustellen. Allein aus dem Gebiet der Gemeinde Birstein flössen hierfür jedes Jahr acht Millionen Kubikmeter Trinkwasser ab.

Hessen-Forst lässt vier Buchen an der Mottener Haube vom THW sprengen

Zu einer solchen Maßnahme musste das Forstamt Fulda noch nie greifen, jetzt war es aber so weit: Statt die verbliebenen abgestorbenen Buchen an der Mottener Haube mit dem Harvester oder der Motorsäge zu fällen, wurden einige der Bäume gesprengt. Das Technische Hilfswerk führte die Maßnahme Ende Oktober aus.

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