Neues Buch über Lauterbach – auch Einheimische können eine Menge lernen

14. Dezember 2019
Lauterbach

Was verbindet Lauterbach mit Versailles und der Toskana? Und was hat Lauterbachs bedeutendster Jugendstilbau – die Adolf-Spieß-Halle – mit Goethe zu tun?

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Diese und noch viel mehr Fragen beantwortet das neue Buch über die Vogelsberger Kreisstadt, das am heutigen Samstag um 16 Uhr im Rokokosaal des Hohhauses der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Erschienen ist es im Fuldaer Buchverlag Parzeller.

Nicht professionelle Autoren haben die Beiträge erstellt, sondern Lauterbacher Bürger. Sie zeigen ihre Lieblings-Plätze und-Gebäude, -Feste und -Gasthäuser. Dabei sind in zwei Jahren Arbeit viele kluge Beiträge entstanden, bei denen aber auch Einheimische noch eine Menge lernen können. Welcher Lauterbacher weiß, dass der Stadtpark vom Schöpfer des Frankfurter Palmengarten angelegt worden ist? Oder von welcher Sage die Adelsfamilie der Riedesel ihren Namen ableitet? Oder in welchem Labyrinth bei Lauterbach man sich verlaufen und dabei entspannen kann?

Historische Hintergründe

Der Leser erfährt auch, was es mit Lauterbacher Muster wirklich auf sich hat – oder hatte. Neben der Eisdiele am Marktplatz gibt es einen kleinen Durchgang, den man mit einem Bauch – einem Lauterbacher Muster – nur gerade so passieren kann. Dieses Muster mussten Beamte im 18. und 19. Jahrhundert aber haben, um den in Lauterbach und seiner Umgebung wohlbeleibten Bürgern und Bauern als Respektsperson und Vertreter der Adelsfamilie Riedesel entgegentreten zu können. Ein Amtmann ohne körperliche Fülle war damals ein Unding. Füllte der Bauch des Amtsmanns den Zwischenraum am Rande des Marktplatzes aus, besaß er die geforderte Statur – das „Ludderbächer Moaster“.

Einen interessanten historischen Hintergrund hat auch der Lauterbacher Strolch mit seinem verlorenen Strumpf – der ja auch im Lied „In Lauterbach hab‘ ich mein‘ Strumpf verlor‘n“ besungen wird.

Im 18. Jahrhundert waren Strümpfe Luxusgüter, die sich nur Wohlhabende leisten konnten. Die einfache Bevölkerung trug überhaupt keine Strümpfe. In Lauterbach waren vermutlich Strumpfwirker ansässig, die Strümpfe herstellten – auf Wirkstühlen, die Ende des 17. Jahrhunderts aus Frankreich nach Deutschland gekommen waren. Ging ein Strumpf verloren, war das ein großer Verlust, wie er in dem Lied besungen wurde. So die Version des Buches.

Verschiedene Kapitel

In Lauterbacher Schulen wird der Liedtext so erklärt, dass ein Geselle auf Wanderschaft Hals über Kopf seinen Meisterbetrieb verlassen musste – vielleicht, weil er mit der Frau des Meisters angebändelt hatte – und er in der Eile einen seiner Strümpfe zurückließ.

Die Beiträge gliedern sich in die Kapitel Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Umgebung, Erholsames, Kultur, Leckeres, Sport, Feste, Gastronomies, Läden und das Besondere, das nicht in die ersten Kapitel passte: Das sind die Schulen, das Bildungszentrum, dieSalzkuchejonge, das Strumpf-Lied und die Lauterbach-App.

111 x liebenswertes Lauterbach. Entdecken, verlieben, wiederkommen. 232 Seiten, Parzeller, 16 Euro.

Anzeige
Anzeige