Stephan E. widerruft Geständnis im Mordfall Lübcke

02. Juli 2019
Karlsruhe/Kassel

Stephan E. hat nach dpa-Informationen am Dienstag sein Geständnis im Mordfall Walter Lübcke widerrufen. Zuerst hatte das der SWR berichtet. Die Bundesanwaltschaft kommentierte dies nicht. Am Dienstagmorgen war der 45-jährige E. mit einem Hubschrauber nach Karlsruhe geflogen worden.

Ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe erließ am Dienstag einen neuen Haftbefehl gegen den unter Mordverdacht stehenden Stephan E. und ordnete Untersuchungshaft an. Das teilte die Bundesanwaltschaft (GBA) mit. Der Widerruf blieb unkommentiert.

Auch der Dresdner Anwalt von E., Frank Hannig, der der „Bild“-Zeitung den Widerruf bestätigt hatte, war nicht zu erreichen. Er hatte dem Blatt gesagt: „Mein Mandant hat heute sein Geständnis widerrufen. Mehr werde ich dazu im Moment nicht sagen.“ Nach einem Verteidigerwechsel sei er als Pflichtverteidiger durch den Bundesgerichtshof (BGH) beigeordnet worden.

Keine Auswirkungen auf die Ermittlungen

Dem SWR zufolge, der sich auf Ermittlungskreise berief, ist der Widerruf eher taktischer Natur. Das ursprüngliche Geständnis des 45-Jährigen sei so detailreich gewesen, „dass durch den Widerruf keine Auswirkungen auf die weiteren Ermittlungen zu erwarten seien“.

E. soll Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen haben. Der neue Haftbefehl ersetzt den des Amtsgerichts in Kassel von Mitte Juni. Er ist aus formalen Gründen nötig, weil die GBA die Ermittlungen inzwischen übernommen hat. E. sitzt bereits seit Mitte Juni in Untersuchungshaft.

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Am Morgen war der 45-Jährige mit einem Hubschrauber nach Karlsruhe gebracht und dann vom Areal der Bundesanwaltschaft auf das BGH-Gelände gefahren worden. Dort wurde er dem BGH-Richter vorgeführt.

E. hatte zunächst gestanden, Lübcke Anfang Juni getötet zu haben. Der 45-Jährige ist mehrfach vorbestraft und war in früheren Jahren durch Kontakte in die rechtsextreme Szene aufgefallen. Der Kasseler Regierungspräsident war Anfang Juni neben seinem Haus erschossen worden. Der CDU-Politiker war in der Vergangenheit wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden. / dpa, sar

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