Analyse zeigt: Alsfelder Trinkwasser steht Flaschenwasser in nichts nach

20. Juni 2018
Alsfeld

15 Tiefbrunnen, 11 Wasserspeicher und 170 Kilometer an Rohrleitungen: Für die Trinkwasserversorgung hält die Stadt Alsfeld mit den Stadtwerken eine umfangreiche Infrastruktur vor.

Ein zehnköpfiges Team unter der Leitung von Diplom-Ingenieur Rainer Merle sorgt jeden Tag aufs Neue dafür, dass man im Alsfelder Stadtgebiet zu jeder Tageszeit den Wasserhahn öffnen und frisches Wasser zapfen kann. „Wir produzieren Trinkwasser in einwandfreier Qualität“, so Merle.

Regelmäßig wird das Alsfelder Trinkwasser in einem Labor bei Marburg analysiert, dabei werden die chemischen Inhaltsstoffe und die Mikrobiologie bis zu 90 Mal pro Jahr untersucht.

Rund 12.000 Euro kosten diese Wasseruntersuchungen die Stadt Alsfeld jährlich. Alle drei Jahre werden zudem Sonderuntersuchungen durchgeführt, beispielsweise um Verunreinigungen durch Pflanzenschutzmittel auszuschließen.

Analyse zeigt: Alsfelder Trinkwasser steht Flaschenwasser in nichts nach

Zur Überwachung der Rohrleitungsnetzes kommt echte High-Tech zum Einsatz. Über ein modernes Fernüberwachungs- und Steuerungssystem werden in Echtzeit an 43 Messstationen verschiedene Parameter erfasst, um mögliche Unregelmäßigkeiten zeitnah zu entdecken und um damit eine sichere Wasserversorgung zu gewährleisten. So werden beispielsweise die Wasserdurchflüsse, die Fördermengen und die Pegel in den Hochbehältern und Tiefbrunnen erfasst.

„Früher musste ein Wasserrohrbruch tagelang gesucht werden, heute können wir ihn in der Regel innerhalb einer halben Stunde eingrenzen“, machte Merle zu der Technik deutlich. Alleine in der Kernstadt Alsfelds gibt es 90 Kilometer an Trinkwasserleitungen. „Ohne die Fernüberwachung wäre die Leckagesuche eine Suche der Nadel im Heuhaufen“, so Merle. Er hob zudem die Herausforderungen in der Versorgungsstruktur hervor, so unterscheidet sich beispielsweise die Wasserversorgung der Kernstadt mit größeren Betrieben und Einrichtungen von den Stadtteilen. Allein das Altenburger Gewerbegebiet verbraucht täglich so viel Trinkwasser wie in Summe die Orte Berfa, Elbenrod, Fischbach, Hattendorf, Heidelbach und Lingelbach.

Gefördert wird das Trinkwasser für die Bürger Alsfelds aus insgesamt 15 Brunnen, die in eine Erdtiefe von bis zu 100 Metern reichen. Sie befinden sich in den Gemarkungen von Berfa, Bieben, Elbenrod, Fischbach, Heidelbach, Hattendorf, Liederbach, Lingelbach, Ober-Breidenbach und Schwabenrod. Im Durchschnitt strömen täglich rund 2.800 Kubikmeter Wasser aus den Brunnen in die Wasserspeicher und Rohrleitungen, das entspricht etwa 20.000 Badewannen.

Analyse zeigt: Alsfelder Trinkwasser steht Flaschenwasser in nichts nach

Nach Angaben der Stadtwerke verbraucht der Alsfelder im Durchschnitt 110 Liter Wasser pro Tag. In den letzten 15 Jahren ist der Wasserverbrauch pro Einwohner um 20 bis 30 Liter gesunken. Es gibt aber nach wie vor auch ein paar Großabnehmer, beispielsweise das Krankenhaus mit mehr als 60.000 Litern täglich. Der größte Abnehmer ist eine Wäscherei mit 48.000 Kubikmetern jährlich, das entspricht 66.666 Europaletten mit Milchtüten.

Der Preis für einen Liter Trinkwasser aus dem Wasserhahn beträgt in Alsfeld einen halben Cent (0,0055 Euro), darin ist sogar die Schmutzwassergebühr für die Abwasserreinigung enthalten (0,0033 Euro). Der Alsfelder Handel bietet einen Liter natürliches Mineralwasser zwischen 0,22 und 1,18 Euro an. Wer auf den Wasserkistenkauf im Handel verzichtet und lieber zum Wasserhahn greift, kann folglich bis zu 99,6 Prozent an Kosten sparen.

Laut Analysenauszug hat das Leitungswasser im Vergleich zum Flaschenwasser keinerlei Qualitätsnachteile. Umfangreiche Analysenergebnisse des Trinkwassers stellt die Stadt Alsfeld kostenfrei auf ihrer Webseite zur Verfügung. Anders als auf den Etiketten der Flaschenwasser wird dort beispielsweise auch der Nitratgehalt angegeben, der in Alsfeld unter dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter liegt. „Allerdings ist in den vergangenen Jahren ein Anstieg des Nitratgehalts zu beobachten gewesen“, so der Leiter der Alsfelder Wasserversorgung. Ausgelöst wird die Anreicherung von Nitratsalzen im Grundwasser vorrangig durch landwirtschaftliche Überdüngung.

Analyse zeigt: Alsfelder Trinkwasser steht Flaschenwasser in nichts nach

Aus diesem Grund musste bereits in 2001 im Stadtteil Elbenrod eine Wasseraufbereitungsanlage mit einem sogenannten Ionenaustauscher installiert werden. Eine andere Variante der Prävention zur landwirtschaftlichen Düngung mit Stickstoff im Wasserschutzgebiet wird in Hattendorf angewandt. Durch eine Kooperation mit den örtlichen Landwirten wird der Boden regelmäßig beprobt und dann gezielt gedüngt. „Der Nitratgehalt im Grundwasser ist nachweisbar gesunken, die Landwirte hatten zudem keine Mindererträge die zu Ausgleichszahlungen führten“, fasste Merle den Erfolg zusammen.

Die Stadt Alsfeld investiert und unterhält die Infrastruktur für das Trinkwasser ständig. Ohne Personalkosten werden in diesem Jahr rund 730.000 Euro in die Unterhaltung des Wassernetzes gesteckt, weitere 1,5 Millionen Euro sind für neue Investitionen in den Jahren 2018 und 2019 eingeplant. So sollen beispielsweise die Wasserleitungen in der Schellengasse, am Lieden und in der Zollhausstraße erneuert werden.

Wesentliche Anlagenteile der fünf Tiefbrunnen nahe dem Romröder Stadtteil Ober-Breidenbach wurden erst im Vorjahr für rund 700.000 Euro erneuert, sie versorgen die Alsfelder Kernstadt sowie die Stadtteile Altenburg, Angenrod, Billertshausen, Eifa, Eudorf, Leusel Liederbach, Münch-Leusel, Reibertenrod und Schwabenrod mit Wasser.

Wann es die erste Trinkwasserversorgung über Rohrleitungen in Alsfeld gab, ist bei den Stadtwerken unbekannt. „Vermutlich um das Jahr 1900 gab es die ersten Leitungen aus Metall“, so Merle. Bei Bauarbeiten wurden in Alsfeld aber auch schon deutlich ältere Wasserleitungen aus Holz gefunden. Eine der ältesten Alsfelder Wasserleitungen liegt heute in der Schaufußgasse, sie ist aus Gusseisen und stammt etwa aus dem Jahr 1910. / pw