34-Jähriger plant Zentrum mit Fachärzten in Schlitz

18. Februar 2020
Schlitz

Der Schlitzer Dr. Julian Dern hat klare Vorstellungen, wie das Hausarztmodell im ländlichen Raum – so wie es in Rhön, Vogelsberg und Spessart gelebt wird – in die Zukunft übertragen werden kann. Der Mediziner plant in seiner Heimatstadt ein gesundheitliches Versorgungszentrum.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

„Eine Allgemeinpraxis, wie man sie in unserer Region kennt, mit vollem Wartezimmer und einem Arzt, der von morgens bis abends arbeitet, zieht keine jungen Ärzte an“, sagt der 34-Jährige. Das liege etwa daran, dass „man als junger Arzt viele Möglichkeiten der Anstellung oder der Niederlassung hat und ortsungebunden ist. Viele meiner Kollegen wollen nicht in Deutschland bleiben, weil in nordischen Ländern eine bessere Work-Life-Balance zu wahren ist.“

Neue Modelle vonnöten wegen hohem Frauenanteil

Der Nachfolgermangel in ländlichen Regionen hängt aus Derns Sicht auch damit zusammen, dass „die Allgemeinmedizin immer weiblicher wird. 80 Prozent der angehenden Allgemeinmediziner sind Frauen, die potenziell einen Kinderwunsch haben und sich nach modernen Arbeitszeitmodellen sehnen.“

Vor diesem Hintergrund entwickelte Dern das Projekt „Altes Postamt“ für seine Heimatstadt Schlitz. 2019 kaufte er das zentrumsnah gelegene Grundstück mit dem einstigen Postgebäude, das 500 Quadratmeter Nutzfläche auf drei Etagen bietet. Sein Ziel: „Einen Ort schaffen, wo man eine moderne Allgemeinmedizin gewährleisten und den Ärzten verschiedene Arbeitszeitmodelle anbieten kann – mit Teilzeitmöglichkeiten und Angestelltenverhältnissen.“

Kooperationsform ist noch offen

Ähnlich wie in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) würden „mehrere Ärzte in einer Praxis arbeiten – wie auch immer organisiert.“ Welche Kooperationsform – MVZ, Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft – zum Tragen kommen wird, ist offen. Und Dern hält sich zu diesem „Minenfeld“ bedeckt: „Da gibt es viele Haftungsfragen und rechtliche Fragen. Dazu möchte ich mich überhaupt nicht äußern.“

Welche Fachrichtungen in der Alten Post vertreten sein werden, stehe erst fest, wenn die nötigen Genehmigungen vorliegen. „Es gibt Zulassungsbeschränkungen durch die Kassenärztliche Vereinigung in der Region. Letztlich sind neue Modelle geplant.“ Vorstellbar ist etwa, das ein Augenarzt oder Urologe an einem Tag in der Woche oder einmal im Monat in Schlitz tätig sein wird. Oder Mediziner verschiedener Fachrichtungen könnten sich abwechseln. Aktuell gibt es in der Burgenstadt neben den Allgemeinmedizinern und Zahnärzten eine Kinderärztin und eine Ärztliche Psychotherapeutin.

Parkplatzsituation und Personalmangel sollen gelöst werden

Er wolle eine Ergänzung „zu den vorhandenen Gesundheitsdienstleistern in der Bahnhofstraße“ schaffen, und es „sollen zusätzliche Dienstleistungen angeboten werden“. Gedacht sei an Physiotherapie, Osteopadie oder Naturheilkunde, nicht dagegen an eine Apotheke, da die beiden in Schlitz ansässigen fußläufig zu erreichen sind.

Mit seinem Vorhaben will der Mediziner zwei weitere Punkte angehen, die vielen seiner Berufskollegen Sorgen bereiten: die Parkplatzsituation und das Personal. Platz genug, um Fahrzeuge abzustellen, gibt es auf dem Gelände – theoretisch könnte mit einem Parkhaus die Zahl der Stellplätze noch erhöht werden.

Kosten auf mehreren Schultern verteilen

Dern: „Eine gut ausgebildete Arzthelferin ist schwieriger zu finden als vor 20 Jahren. Viele studieren lieber und der Verdienst ist auch vergleichsweise schlecht. Gutes Personal kostet auch viel Geld. Wenn man sich letztendlich zusammenschließt, kann man gutes Personal an Land ziehen und die Kosten auf mehrere Schultern verteilen.“

Ihm und seinen Kollegen sei es wichtig, „dass wir selbst die Zügel in der Hand behalten und uns nicht von der Kommune oder vom Kreis diktieren lassen, wie wir unsere Medizin zu machen haben“. Wer genau in der Alten Post tätig werden will, sagt er nicht: „Das ist ein zartes Pflänzchen.“ Fakt ist aber, dass von den fünf im Schlitzerland praktizierenden Allgemeinmedizinern sich die Hälfte langsam dem Rentenalter nähert. Diese Altersstruktur ist nicht unwichtig, da man – unabhängig vom Modell – Kassensitze vorweisen muss. Wie viele Ärzte sich dann einen solchen Sitz teilen, steht auf einem anderen Blatt.

Bald erstes kommunales MVZ: Hausärztliche Versorgung in Freiensteinau und Grebenhain

Dies teilt Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak nach einem Gespräch mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung, den beiden Bürgermeistern Sebastian Stang (Grebenhain) und Sascha Spielberger (Freiensteinau), Hausärzten aus beiden Gemeinden sowie Dr. Sigrid Stahl von der Fachstelle Gesundheitliche Versorgung beim Vogelsbergkreis mit.

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