Bienen haben Hummeln im Hintern: Warmes Wetter aktiviert Insekten im Schlitzerland

20. Januar 2020
Schlitz

Sonnenschein, Vogelgezwitscher, Frühlingsgefühle im Januar. Trotz eines derzeitigen Kälteeinbruchs ist ein Ende der insgesamt viel zu milden Witterung nicht abzusehen. Das macht Insektenexperten im Schlitzerland Sorgen.

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Götte

Viele Bienen haben jetzt schon die sprichwörtlichen Hummeln im Hintern. „Die Bienen fliegen teilweise schon wie verrückt“, beobachtet der Vorsitzende des Schlitzerländer Bienenzüchtervereins Günther König. Besonders rund um einen sonnenbeschienenen Stock am Waldrand herrsche schon reger Flugbetrieb.

„Die denken, jetzt geht es los, dabei ist noch nichts zu futtern da“, erläutert König. Die warmen Temperaturen brächten die Immen durcheinander. Das Herumschwirren koste aber Energie. Noch könnten die Bienenvölker von ihren Vorräten zehren, aber wenn die Lage noch lange so bleibe, drohe vielen Bienen der Hungertod. Helfen kann König seinen Tieren jetzt nicht. „Wenn ich den Bienenstock aufmache, dann entweicht die Wärme, und das wäre kontraproduktiv“.

Saftiges Grün, um zu überleben

Ganz ähnlich geht es auch den Marienkäfern, wie der Schlitzer Biologe Rüdiger Wagner weiß. Auch diese Sechsbeiner erhofften sich schon Nahrung, aber ihr bevorzugtes Beutetier, die Blattlaus, ist noch nicht aktiv. Diese benötigten nämlich saftiges Grün, um zu überleben, und das ist weit und breit nicht zu sehen.

Manche Frühblüher wie Forsythien eignen sich nicht als Nahrung für Insekten, weil sie keinen Nektar produzieren. Wegen des knappen Nahrungsangebots sterben viele Marienkäfer. Weniger macht ihnen frostige Kälte aus, denn auch jetzt während der frostigen Nächte kehren die gepunkteten Gesellen in ihre Unterschlüpfe zurück, die sich gerne in menschlichen Behausungen befinden.

Für die Marienkäfer wie für die Bienen wäre jetzt ein kräftiger Wintereinbruch das Beste, denn dann würden sich diese wieder zurückziehen und ihre Energie für besseres Wetter aufsparen.

„Viele Arten sind frostresistent“

Frost brauchen zum Leidwesen Vieler, aber auch die wenig beliebten Stechmücken nicht zu fürchten. „Viele Arten sind frostresistent“, berichtet Wagner, „sie brauchen sich um Frost keine Sorgen zu machen“. Die Stechmückenweibchen überwinterten ebenfalls gerne in Häusern, sodass es dazu kommen kann, dass ein Mensch auch mal mitten im Winter einen Stich abbekommt.

Denn auch in der kalten Jahreszeit haben die Mücken manchmal Durst. Wenn sie jetzt schon ihre Eier in Gewässern ablegen, kann die Brut durchaus auch noch einmal einfrieren, ohne wesentlichen Schaden zu nehmen. „Viele Insekten haben eine Art Frostschutz im Körper integriert“, so Wagner.

Durch die Temperaturen motiviert

Die schon eingangs metaphorisch erwähnten Hummeln sind durch die Temperaturen übrigens auch schon motiviert. Die Hummelköniginnen bereiten sich nun schon darauf vor, ihren Staat zu gründen. Aber auch für diese robusten Insekten gilt: die Nahrungskette ist noch nicht komplett.

Bienenvölker vergiftet - Wer hat etwas gesehen?

Laut Polizei waren die Bienenvölker auf einer frei zugänglichen Wiese im Bereich des Waldrands von Stirndorf in Richtung Windhausen aufgestellt. Der Imker schaltete die Polizei ein. Diese und Experten des Instituts für Bienenschutz Braunschweig untersuchten die verstorbenen Bienen und stellten fest, dass die Tiere offensichtlich vergiftet wurden.

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