Einmalig in Hessen: Pferde, Kühe und Ziegen machen den Trachtenfestumzug ganz besonders

12. Juli 2019
Schlitz

Was wäre der Festzug zum Trachtenfest in Schlitz ohne Pferde? Kaum vorstellbar, machen die rassigen Vierbeiner doch einen Großteil des Flairs dieser Veranstaltung in dem Vogelsberg-Städtchen aus.

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Götte

Der Umzug zum Schlitzerländer Trachtenfest ist einer der ganz wenigen in Deutschland und wohl der einzige in Hessen, der – vom geliebten Bimmellieschen abgesehen – ganz ohne motorisierte Zugmaschinen auskommt. Pferdestärken sind bei dem Umzug wörtlich zu nehmen. 30 Gespanne werden gezogen, hauptsächlich von Kaltblütern.

Insgesamt 73 Pferde werden sich mit dem Zug in Bewegung setzen. Aber auch zwei Kuhgespanne, davon eines von Pinzgauer Rindern, und ein Ziegengespann aus Schotten werden auf dem Festzug unterwegs sein. Um die Pferde beim Umzug kümmern sich federführend Jürgen Loos und Steffen Schäfer. Die Tiere sind für die beiden mehr als ein Hobby, eher schon eine Herzensangelegenheit.

Eigener Führerschein

Loos ist als Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Schlitz nahezu prädestiniert für die Aufgabe, sich um den tierischen Teil des Trachtenfestumzuges zu kümmern. Sechs Viergespanne und ein Dreiergespann sind geplant. Auf einem der schwersten Wagen wird die Ernte dargestellt werden, mit echtem Getreide und Leuten, die auf dem Wagen die traditionellen Erntetätigkeiten darstellen.

Gelenkt wird das Gespann von Sascha Kokel. Er möchte dies auf einem der Pferde sitzend tun. Neben ihm führt aus dem Schlitzerland auch noch Till Römer den Motivwagen Pfordter Spinnstube ein Gespann. Die anderen Wagenlenker kommen alle von außerhalb, teilweise aus Thüringen und Unterfranken.

Rheinisch-deutsche Kaltblüter

„Vom Kutschbock aus lenken kann ja jeder“, kommentiert Kokel seine etwas unübliche Art der Gespannführung. Generell ist es gar nicht so einfach, ein Pferdegespann zu führen. Deswegen gibt es dafür auch einen eigenen Führerschein. Wichtig ist aber auch, dass die Pferde mitspielen. Die schweren Kaltblüter sind für einen Zug ideal: Zum einen sind sie geduldig, und zum anderen bringen sie auch mehr Zugkraft als ein warmblütiges Reitpferd mit.

Grob gerechnet, so Kokel, kann ein Pferd das Doppelte des eigenen Gewichtes ziehen. Kokel ist mit den rheinisch-deutschen Kaltblütern Paula und Ben unterwegs – Mutter und Sohn. Während Paula schon beim dritten Trachtenfestumzug mittrabt, wird es für Ben eine Premiere sein. Der wuchtige Wallach macht allerdings einen verlässlichen Eindruck. Es ist bewährte Praxis, ein junges und ein altes Pferd zusammenzuspannen, erläutert Kokel. So lernten die Jüngeren von den Älteren.

Noch keine ernsten Zwischenfällen

Das Mitlaufen bei Umzügen scheint für Hengste und Stuten keine Last zu sein. „Sobald die geputzt sind, merken sie, dass ein Zug ansteht, und dann sind sie auch immer brav“, berichtet Kokel. So ist es beim Trachtenfestumzug nach Erinnerung von Loos, Schäfer und Kokel noch nie zu ernsten Zwischenfällen gekommen. Auf Kutscher und Pferde war stets Verlass.