Entführungsfall Würth: Ermittlungen werden voraussichtlich diese Woche abgeschlossen

13. Juni 2018
Schlitz/Gießen

Die Ermittlungen zum Entführungsfall Würth stehen kurz vor dem Abschluss. Das teilt die Staatsanwaltschaft Gießen auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Eine Anklageerhebung sei wahrscheinlich; die Entscheidung darüber kündigt die Staatsanwaltschaft für Ende dieser Woche an. Der mutmaßliche Täter, ein 48-jähriger Serbe, sitzt weiterhin in U-Haft.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Seit der Festnahme des mutmaßlichen Entführers sind drei Monate vergangen. Neben dem Tatverdächtigen seien seine Frau, Freunde und Arbeitskollegen vernommen worden, „um sich einen Eindruck von seiner Person und seinem Bewegungsradius zu verschaffen“, sagte Staatsanwalt Thomas Hauburger Mitte April der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Zeugin aus Frankfurt, die den Ermittlern den entscheidenden Hinweis gegeben hatte, wurde gehört. Erkenntnisse sind auch möglich über die Auswertung der Handydaten und von Computerdateien des Mannes.

Zudem suchen die Ermittler nach möglichen Komplizen. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Tatverdächtige nicht allein gehandelt hat“, erklärt Vize-Pressesprecher Rouven Spieler von der Staatsanwaltschaft gegenüber unserer Zeitung. Der Mann stehe immer noch unter dringendem Tatverdacht, so Spieler. Er bestreite weiterhin die Tatvorwürfe.

Dem 48-Jährigen wird vorgeworfen, den Milliardärssohn Markus Würth im Juni 2015 aus der Behinderteneinrichtung Lebensgemeinschaft im Hofgut Sassen (Schlitz) entführt und Lösegeld in Millionenhöhe gefordert zu haben. Einen Tag später ließ er den damals 50-Jährigen wieder frei. Ein Mitschnitt der Stimme des Täters führte die Ermittler zu dem Familienvater, der am 14. März in seiner Wohnung in Offenbach festgenommen wurde.

Zu dem Fall äußerte sich jetzt der Vater des Opfers, „Schrauben-Milliardär“ Reinhold Würth (83), in einem Interview in der „Bild am Sonntag“. Auf die Frage, was er empfunden habe, als der mutmaßliche Täter festgenommen wurde, sagte er: „Ich bin kein Mensch, der hasst oder Triumphgefühle hat. Markus hatte Glück, dass er nicht sprechen kann. Hätte er verraten können, wie der Täter aussah, hätte der ihn wahrscheinlich umgebracht. So wurde er keine 24 Stunden später völlig unverletzt gefunden. Er hatte nicht mal einen Bluterguss.“

Aufgrund einer Behinderung kann Markus Würth nicht sprechen. Die Familie Würth lebt in Baden-Württemberg, besitzt in Osthessen aber ein Haus. Markus Würth lebt nicht mehr im Hofgut Sassen. Wo er sich aufhält, wird geheim gehalten.