Entführungsfall Würth: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 48-Jährigen

21. Juni 2018
Schlitz / Gießen

Seit der Festnahme des mutmaßlichen Entführers, ein 48-jähriger Serbe sind drei Monate vergangen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Gießen Anklage gegen ihn erhoben. Der Angeklagte schweigt weiterhin. Ob noch weitere Täter an dem Fall beteiligt waren, ist noch unklar.

Sie lesen eine Pressemitteilung der Polizei im Wortlaut:

Die Staatsanwaltschaft Gießen hat nunmehr Anklage wegen des dringenden Verdachts des erpresserischen Menschenraubes gegen den 48 Jahre alten Angeschuldigten erhoben. Die zuständige Große Strafkammer des Landgerichts Gießen wird in den kommenden Wochen anhand des umfangreichen Aktenmaterials über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden.

Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, im Zuge der im Juni 2015 erfolgten Entführung von Markus Würth ein Lösegeld in Höhe von 3 Millionen Euro verlangt, also einen erpresserischen Menschenraub begangen zu haben. Im Verurteilungsfalle droht dem Beschuldigten, der sich weiterhin in Untersuchungshaft befindet, eine Freiheitsstrafe von 5 bis 15 Jahren.

Der Mitte März 2018 stattgefundenen Festnahme des Tatverdächtigen waren umfassende Ermittlungen der Kriminalpolizei in Fulda vorausgegangen. Insbesondere wurden eine Vielzahl von Zeugen vernommen, Funkzellendaten ausgewertet und eine Öffentlichkeitsfahndung mit einer Stimmsequenz initiiert. Polizeilich beauftragte Sprachwissenschaftler der Philipps-Universität Marburg stellten letztlich fest, dass es sich bei der Stimme des Angeschuldigten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die Täterstimme handelt.

Der anwaltlich vertretene Angeschuldigte hat eine Tatbeteiligung bislang bestritten. Derzeit schweigt er zu den Vorwürfen. Nach den aktuell vorliegenden Erkenntnissen kann nicht ausgeschlossen werden, dass in die Entführung noch weitere unbekannte Personen involviert waren. Die Ermittlungen hierzu dauern an.

Entführungsfall Würth: Ermittlungen werden voraussichtlich diese Woche abgeschlossen

Die Ermittlungen zum Entführungsfall Würth stehen kurz vor dem Abschluss. Das teilt die Staatsanwaltschaft Gießen auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Eine Anklageerhebung sei wahrscheinlich; die Entscheidung darüber kündigt die Staatsanwaltschaft für Ende dieser Woche an. Der mutmaßliche Täter, ein 48-jähriger Serbe, sitzt weiterhin in U-Haft.