Freiensteinau rechnet mit 300 000 Euro Windkraft-Einnahmen jährlich

Freiensteinau beziffert seine erwarteten Windkraft-Einnahmen

26. September 2013
Freiensteinau

Die Gemeinde Freiensteinau rechnet künftig mit jährlichen Einnahmen aus der Windenergie und anderen Erneuerbaren Energien in Höhe von 298 000 Euro. Diese Zahl nannte Bürgermeister Friedel Kopp (parteilos) kürzlich während einer Sitzung der Freiensteinauer Gemeindevertretung.

Derzeit sind in Freiensteinau zwei Windparks am Netz. Die Firma Rudewig & Lompe betrieb seit Mitte der 1990er Jahre vier kleinere Anlagen in der Gemarkung Auf der Haid bei Freiensteinau. Derzeit wird der Park erneuert. Konkret: Die alten Windräder werden abgebaut – zwei wurden bereits abmontiert und nach Polen verkauft, wo sie neu aufgebaut werden sollen – und durch moderne Windenergieanlagen (WEA) ersetzt. Der Aufbau dieser WEA mit einer Nennleistung von jeweils drei Megawatt ist in vollem Gange. Im November sollen sie den ersten Strom produzieren.

Der zweite Windpark wird von der Firma Luftstrom betrieben und befindet sich mit sieben Anlagen in der Gemarkung Fleschenbach sowie zwei Windrädern auf dem Gebiet des benachbarten Steinauer Stadtteils Neustall. Am Erfolg dieses Windparks ist die Gemeinde Freiensteinau durch die Pachteinnahmen für einen der Standorte beteiligt. Neben einer Grundpacht von jährlich 5000 Euro gibt es einen variablen Teil, der vom Windertrag abhängig ist – und jetzt zu einer Diskussion in der Gemeindevertretung führte. Der Grund: Statt der erwarteten jährlich 8500 Euro betrugen diese variablen Einnahmen mit 3500 Euro weniger als die Hälfte.

"Die Annahmen für den Windpark Fleschenbach haben sich so nicht bewahrheitet. Deshalb wollen wir schauen, wie es für den Hallo aussieht", forderte UBL-Chef Michael Muth. "Man kann die Lage von Fleschenbach nicht mit dem Hallo vergleichen", entgegnete ihm Bürgermeister Friedel Kopp (parteilos) mit Blick auf jenes Gebiet, das sich im Eigentum der Gemeinde befindet und wo die Firma Luftstrom noch in diesem Herbst mit dem Bau von sieben WEA beginnen will.

Die für die Planung von Windrädern zugrundegelegten Daten stammen laut Kopp vom Deutschen Wetterdienst und zeigen "seit Jahren geringere Windgeschwindigkeiten und andere Richtungen. 2012 wurde der Windindex für Mittelhessen auf Basis der letzten zehn Jahre verändert. Er weist jetzt einen um zehn Prozent geringeren Ertrag aus."

Für den Hallo werde aktuell mit einem Ertrag von 6,6 Millionen Kilowattstunden pro Jahr und Anlage gerechnet. Vorher lag dieser Wert bei 7 Millionen Kilowattstunden. Kopp zu den auch in diesem Fall zum Teil ertragsabhängigen Pachteinnahmen: "Da sind bereits zehn Prozent Sicherheitsabschlag abgezogen. Auf einer Basis von lediglich 6 Millionen Kilowattstunden rechne ich mit Einnahmen für die Gemeinde in Höhe von 234 000 Euro pro Jahr, ab dem elften Jahr werden es 290 000 Euro sein.

Nehmen wir die anderen Einnahmen aus erneuerbarer Energie hinzu, kommen wir auf jährlich 298 000 Euro." Der Rathaus-Chef bezog sich bei diesen Ausführungen auf den Solarpark Ober-Moos der Energiegenossenschaft Vogelsberg, für den die Gemeinde jährlich etwa 10 000 Euro an Pacht erhält.

Ein weiterer, allerdings einmaliger, Einnahmeposten im Zusammenhang mit den Windparks Auf der Haid und Hallo ist für die Gemeinde der Verkauf von Ökopunkte. Mit diesen soll der Eingriff in die Natur ausgeglichen werden, der durch den Bau der Anlagen erfolgt. 146 000 Euro erwartet Kopp für den Hallo, wenn im Oktober mit dem Bau begonnen wird. Allerdings wird die Gemeinde nicht den vollen Betrag einnehmen, mit dem sie kalkuliert hat. Die Landschaftsbildabgabe geht nämlich nicht mehr an die Gemeinde, sondern wird vom Land einbehalten. Für Freiensteinau bedeutet dies den Verlust von 43 000 Euro. Kopp: "Im Jahresabschluss wird das Defizit dennoch relativ klein sein."