Gerissenes Kalb: Wolfssichtung in der Nähe

23. Mai 2019
Eckmannshain

Der Schreck war groß: Am Dienstagnachmittag fand Anja Scharmann vom Ohmtalhof bei der täglichen Kontroll- und Fütterungsfahrt zu ihrer Charolaisherde zwischen Ulrichstein und Stumpertenrod kurz nach 17 Uhr ein totes, frisch gerissenes Kalb.

Die Weide liegt in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Kreisjugendzeltlagers Eckmannshain, wo in letzter Zeit bereits Wolfssichtungen gemeldet wurden. Nach der amtlich bestätigten Wolfssichtung zwischen Ober-Seibertenrod und Bobenhausen II ging auch die Halterin der 13-köpfigen Charolaisherde davon aus, dass es sich um einen Wolfsriss handelte, und verständigte den zuständigen Jagdpächter Florian Rausch. Dieser rief Michael Jüngling dazu, einen der zuständigen Wolfsbeauftragten beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).

Nach dessen Eintreffen wurde mit der Spurensuche begonnen, die jedoch nichts Brauchbares ergab, da die Herde einschließlich des Bullen sich um das verendete Kalb stellte und bereits eventuelle Spuren zertreten hatte. Jüngling entnahm verschiedene DNA-Spuren, um endgültig zu bestätigen, dass es sich um einen Wolf handelte, der das Tier gerissen hat.

Der Riss des Tieres, so Anja Scharmann, sei erst kurze Zeit vor ihrem Eintreffen erfolgt, denn das Blut sei noch nicht geronnen und das Kalb noch warm gewesen.

Nachdem die Herde zurückgedrängt war, konnte das verendete Kalb mittels Frontlader zum Ohmtalhof gebracht werden. Inzwischen wurde das Kalb zur weiteren Untersuchung vom Hessischen Landeslabor in Gießen zur weiteren Untersuchung abgeholt.

Wolfgang Pschierer, Vorsitzender des Schafhalterverein Vogelsberg, übte in einer ersten Stellungnahme Kritik am Verhalten der Hessischen Landesregierung, denn trotz bereits mehrfacher Wolfssichtungen und Wolfsrisse an Nutztieren sei Hessen noch nicht zum „Wolfsgebiet“ erklärt worden, damit den Nutztierhaltern eine Entschädigung gezahlt werde. / grau