Interview: Walter Kohl kommt nach Schlitz und referiert über machtvolle Kommunikation

08. Dezember 2018
Schlitz

Unternehmer, Coach, Redner, Bestsellerautor und Sohn eines berühmten Vaters. Walter Kohl begeistert bei seinen Vorträgen das Publikum. Das Mittelstand-Netzwerk Osthessen, BVMW, holt den 55-Jährigen nach Osthessen. In der Landesmusikakademie in Schlitz spricht Kohl am Donnerstag, 13. Dezember, ab 18 Uhr über „Machtvolle Kommunikation – aus Mitarbeitern Mitmacher machen“.

Frage: Sie sind seit langem in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen tätig. Nun sind Sie Unternehmer und Coach. Hat es Sie nie gereizt, in die Politik zu gehen?

Walter Kohl: Nein, ich wollte stets meinen eigenen Weg gehen, meine eigenen Themen voranbringen, und dies habe ich auch konsequent umgesetzt.

Frage: Ihr Vortrag in Schlitz befasst sich mit „machtvoller Kommunikation“. Wie kann man aus Mitarbeitern Mitmacher machen?

Walter Kohl: Mitmacher handeln aktiv. Sie identifizieren sich mit dem, was sie tun, sie übernehmen Verantwortung, sie kümmern sich. Mitmacher gedeihen nur im richtigen betrieblichen Umfeld. Es ist also Aufgabe der Chefs dafür zu sorgen, dass Menschen den nötigen Freiraum haben, genügend Vertrauen besteht, dass die Führung selbst durch Vorbild, Haltung und Tun vorangeht. Stichworte sind: Fehler- und Lernkultur sowie Respekt. Das Sprichwort sagt mit Grund: Die Treppe wird von oben gekehrt. Deshalb werden Menschen nur zu Mitmachern, wenn die Führung dies aktiv fördert, vorlebt und dann aber auch konsequent einfordert.

Frage: Ihre Zuhörer sind meist begeistert. Sie feiern Sie als tollen Redner und als Mutmacher. Wie machen Sie den Menschen Mut?

Walter Kohl: Es freut mich, wenn ich meinen Zuhörern helfen kann, ob durch konkrete Beispiele oder meine Erfahrungen. Ich bin, wie ich bin, und spreche so, wie ich denke und handele. Mut entsteht, wenn man eigene Unsicherheiten und Ängste annimmt und überwindet, wenn man sich kritisch hinterfragt, wenn man seine Komfortzone verlässt. Deshalb sind Mutproben wichtig, und damit meine ich sinnvolle Dinge und keine Hasardstücke. Sie eröffnen ein neues Verhältnis zu sich selbst. Ich weiß noch genau, wie ich als 15-Jähriger das erste Mal im Freibad von einem 10-Meter-Turm sprang oder wie ich das erste Mal live im Fernsehen auftrat. Beide Erlebnisse, obwohl mehr als 30 Jahre zwischen ihnen lagen, waren Mutproben, die mich weitergebracht haben, denn ich konnte meinen Ängsten und Unsicherheiten ins Auge blicken und durch sie hindurchgehen.

Frage: Können Sie in drei Sätzen erklären, wie man zu mehr Erfolg kommt?

Walter Kohl: In drei Sätzen? Das ist fast unmöglich. Aber ich versuche es mal mit sieben Worten: Wollen, Können, Qualität, Wagen, Wägen, Ausdauer und Demut.

Frage: Wie viele Veranstaltungen wie in Schlitz machen Sie im Jahr? Sind Sie eher Speaker oder Unternehmer?

Walter Kohl: Ich mache 20 solcher Veranstaltungen – vor unterschiedlichem Publikum, mal vor Führungskräften großer Firmen, mal in meinem Ehrenamt in der Suizidprävention. In allem, was ich tue, sehe ich mich als Unternehmer, denn ich unternehme, ich tue etwas.

Frage: Welche Projekte stehen als Nächstes an? Nach zwei Bestsellern könnten Sie das nächste Buch schreiben.

Walter Kohl: Ich habe mehrere Buchprojekte im Kopf, aber diese Gedanken müssen noch reifen. Es ist wie bei einem guten Wein, irgendwann spürst du, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Jetzt baue ich gerade eine Beratung mit Schwerpunkt für mittelständische Familienunternehmer auf und engagiere mich in der Suizidprävention.

Frage: Was wollen Sie in Ihrem Leben noch erreichen?

Walter Kohl: Ziele sind wichtig, aber sie müssen sinnvoll sein. Ich bin ein großer Fan sinnzentrierter Lebensführung, also der klaren Erkenntnis, wofür ich tue, was ich tue. Mein privater Wunsch ist es, glücklich und gesund mit meiner Frau, der Familie und Freunden zu leben und diesen Menschen eine Stütze, ein Freund zu sein. Beruflich habe ich mir ein Leitmotiv auf die Fahne geschrieben: Ich stärke Menschen und Organisationen, denn starke Menschen und Organisationen lassen sich nicht von Populisten und Demagogen verführen und damit tue ich hoffentlich auch etwas für den Frieden.

Frage: Ist die Tatsache, dass Helmut Kohl ihr Vater war, eher Fluch oder Segen?

Walter Kohl: Der Umgang mit meiner Herkunft war nicht immer leicht, gerade in den Jahren des RAF-Terrorismus oder im Zusammenhang mit der CDU-Parteispendenaffäre, die auch ein wesentlicher Mitauslöser des Suizids meiner Mutter war. Ich musste lernen, dass Menschen mich immer wieder aufgrund meiner Herkunft in bestimmte Denkschubladen einsortieren und mir mit Vorurteilen begegnen. Allerdings höre ich oft ein Überraschtes: „Sie sind ja ganz anders als ich dachte.“ Solche Reaktionen bestärken mich, meinen eigenen Weg weiter zu gehen. Heute gestalte ich mein Leben und dafür bin ich dankbar.

Hintergrund: Walter Kohl ist Hauptredner beim Jahresabschluss des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) am Donnerstag, 13. Dezember, ab 17.45 Uhr in der Landesmusikakademie in Schloss Hallenburg in Schlitz. Kommunikation wird zum Erfolgsschlüssel, denn sie kann Menschen verbinden, aber auch trennen. In seinem als Publikumsdialog angelegten Vortrag zeigt Walter Kohl anhand praktischer Beispiele auf, wie Kommunikation wirksam, also machtvoll werden kann. Dabei spricht er häufige Ängste an und zeigt Lösungen auf. Geboten werden an dem Abend zudem festliche Musik vom Streichensemble des Landesjugendsinfonieorchesters Hessen und ein Advents-Büfett.

Tickets: Die Kosten betragen 89 Euro plus Mehrwertsteuer. Anmeldungen waren bis 7. Dezember online unter www.bvmw.de möglich. / vn

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