Jumbo-Jet muss nach Start in Frankfurt umkehren – Kerosin über der Fulda abgelassen

13. August 2019
Region

Kurz nach dem Start ist in der Nacht auf Montag bei einer Boeing 747-400 ein Triebwerk ausgefallen. Bevor der Jumbo-Jet wieder in Frankfurt landen konnte, musste Kerosin abgelassen werden – unter anderem über Fulda.

Von unserem Redaktionsmitglied Leon Schmitt

Das Flugzeug der Lufthansa war mit 370 Passagieren besetzt. Es startete gegen 23 Uhr in Frankfurt und sollte in Shanghai landen. Aber: Wegen eines Triebwerkausfalls entschieden sich die Piloten der Boeing 747-400 vorsorglich für eine Rückkehr nach Frankfurt. Das teilte ein Sprecher der Fluggesellschaft mit.

Passagiere berichten von Feuer

Dem Unternehmenssprecher zufolge hatte es kurz nach dem Start „eine Art Fehlzündung“ in einem der vier Triebwerke gegeben. Dessen Ausfall sei „mühelos“ durch die anderen zu ersetzen gewesen. Zwar sei eine solche Fehlzündung selten, könne aber durchaus vorkommen. Passagiere berichteten von „austretendem Feuer“. Es habe „starke Verpuffungen“ gegeben. Nach Angaben des Lufthansa-Sprechers ist dies bei einer Fehlzündung denkbar.

Der Jumbo-Jet hätte auch mit drei funktionierenden Triebwerken nach Shanghai fliegen können. Aus Sicherheitsgründen entschieden sich die Piloten aber anders. „Sie tragen die Verantwortung für die Passagiere und die Besatzung. Bei einer solchen Entscheidung reden ihnen die Fluglotsen nicht rein“, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS).

Um das vollgetankte Flugzeug für die Landung vorzubereiten, musste die Crew Kerosin ablassen. „Ein vollgetanktes Flugzeug überschreitet das maximale Landegewicht“, führt die Sprecherin der DFS aus. Die einzige Möglichkeit, Gewicht zu verlieren, sei Treibstoff abzulassen. Einen so genannten Treibstoffschnellablass können nach Angaben der Flugsicherung nur Langstreckenflugzeuge durchführen.

Rund 70 Tonnen Kerosin abgelassen

Etwa 70 Tonnen Kerosin haben die Piloten des Fluges LH 732 über ein Ventil an der Tragfläche abgelassen. Dabei kreisten sie für etwa eine halbe Stunde über Thüringen und Hessen. Wie im Internet unter Flightradar24 zu verfolgen ist, überflog die Boeing dabei unter anderem auch Poppenhausen, Fulda, Eichenzell und Neuhof – in etwa 5000 Metern Höhe. Der Flugweg tangierte auch Hünfeld, Freiensteinau und Alsfeld. Nach einer Schleife über Gießen und Marburg landete das Flugzeug gegen kurz nach Mitternacht wieder in Frankfurt.

Laut der DFS passiert ein Treibstoffschnellablass etwa 10 bis 25 Mal im Jahr – bei rund drei Millionen Flugbewegungen in Deutschland. „Es handelt sich dabei um eine Sicherheitsmaßnahme, die enorme Kosten verursacht“, so die Sprecherin der Flugsicherung. „Das macht keine Airline freiwillig.“

Kerosinablass unkritisch für Mensch und Umwelt

Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes ist ein Kerosinablass von Flugzeugen unkritisch für Menschen und die Umwelt. Das Kerosin werde in einer Flughöhe von mindestens 1800 Metern in feine Tröpfchen zerstäubt, so dass ein Großteil des Kerosins noch in der Luft verdunstet. Bislang seien keine kritischen Umweltauswirkungen auf Boden, Grundwasser, Luft und menschliche Gesundheit festgestellt worden.