Landwirte machen Flashmob: Kritik an Düngeverordnung und Tierwohlbestimmungen

19. Dezember 2019
Schlitz

In der gesamten Region, so auch in Alsfeld, Fulda und Maar, machten gestern im Berufsverkehr Landwirte mit einem Flashmob – einer Art kleinen unangekündigten Demonstration – ihrem Ärger über die gegenwärtige Agrarpolitik Luft. Auch in der Schlitzer Innenstadt waren 13 landwirtschaftliche Betriebe mit ihren Fahrzeugen unterwegs.

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Götte

Die Initiatoren der Bewegung „Land schafft Verbindung“ Deutschland hatten dazu bundesweit aufgerufen. Neben den Landwirten waren sowohl die Mitarbeiter der landwirtschaftlichen Dienstleister, die LKW-Fahrer, aber auch alle, die sich von der derzeitigen Politik übergangen fühlen eingeladen, mitzumachen.

Seit 50 Jahren keine Veränderung

In Schlitz hatte der Schlitzer Landwirt Markus Heil seine Kollegen für die Aktion mobilisiert. Mit ihren Treckern drehten die Landwirte eine Schleife über die Herrngarten- bis zur Bahnhofstraße, und es waren sicher auch nicht nur die günstigen Platzverhältnisse, die einen Supermarktparkplatz zum Sammelpunkt der Schlepperarmada machten. Schließlich sind sie vor allem mit den Preisen, die ihre Erzeugnisse im Handel erzielen, nicht zufrieden. Die Preise für Fleisch, Milch und Getreide seien seit 50 Jahren kaum verändert, aber die Kosten stiegen ständig. „Das heißt die Landwirte werden immer ärmer“, folgert Heil. Verschärfend kämen jetzt neue gesetzliche Verordnungen hinzu. Ein Dorn im Auge ist den Landwirten die neue Gülleverordnung. Sie begrenze den Ausbringungszeitraum für Gülle auf ein enges Zeitfenster. Vom 1. November bis 1. Februar dürfe gar keine Gülle mehr auf den Feldern ausgebracht werden. Deswegen, so die Landwirte, werde die Gülle künftig umso komprimierter eingesetzt, ob dies für den Boden zuträglich sei, bezweifeln viele. Außerdem müssten für die Lagerung der Gülle neue Lagerkapazitäten, sprich Räumlichkeiten, geschaffen werden – ein zusätzlicher Kostenfaktor.

Unzufrieden äußerten sich zudem einige Landwirte über die geplanten neuen Tierschutzbestimmungen. Diese würden durch den Import von Billigfleisch aus dem Ausland unterlaufen.

Lob für die Aktion

Unterstützt wurde der Protest auch von Dienstleistern und Zulieferern wie dem Ützhausener Landmaschinenhändler Jens Güldner, der die Aktion der Bauern ausdrücklich lobte und auch an ihr teilnahm.

Bio ohne Bauern geht einfach nicht

Den umweltpolitischen Nutzen der neuen Vorgaben bezweifeln auch die Initiatoren von „Land schafft Verbindung“ in ihrem Aufruf. Sie schreiben: „Diese technischen Vorgaben konterkarieren jegliche sonstigen politischen Bestrebungen, nämlich dass die Landwirtschaft in Deutschland eine gesicherte Produktion erstklassiger Lebensmittel gewährleisten und darüber hinaus Natur und Umwelt schützen kann. Abgesehen davon haben Landwirte mit ihren Partnern Milliarden in die Erzeugung erneuerbarer Energien investiert und stellen momentan rund 1.5 Millionen Hektar zur Erzeugung von Biogas-Substraten zur Verfügung. Auch werden großflächig Einsatzstoffe für die Produktion von Bioethanol und Biodiesel zur Verfügung gestellt. Auch dieser Sektor der Erzeugung regenerativer Energien und alternativer Treibstoffe wird in der bisher bekannten Form nicht mehr möglich sein.“ Bio ohne die Bauern geht einfach nicht.

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