Mit Verlässlichkeit auf der Karriereleiter: Christoph Muhl ist Lehrling des Monats

13. August 2016
Rimbach

Christoph Muhl ist pünktlich wie die Maurer, lobt Firmenchef Dieter Schaub – und das, obwohl er sich vor der Arbeit noch daheim um die Landwirtschaft kümmere. Das ist allerdings längst nicht die einzige positive Eigenschaft, die dem Unter-Wegfurther nachgesagt wird, der bei der Firma Gluck zum Maurer ausgebildet wird – und von der Handwerkskammer Wiesbaden zum „Lehrling des Monats“ ernannt wird.

„Diese Auszeichnung ist der erste Schritt auf der Karriereleiter. Legen Sie sich immer rechtzeitig die Messlatte etwas höher, wenn Sie merken, Sie kommen drüber“, merkt Klaus Repp in Richtung Christoph Muhl an. Dem Hinweis des Präsidenten der Handwerkskammer Wiesbaden, der zur Überreichung der seit 1999 monatlich verliehenen Auszeichnung in die Zentrale der Firma Gluck nach Rimbach gekommen ist, hätte es nicht bedurft.

Ein Blick in die bisherige Laufbahn des 23-Jährigen zeigt, dass er trotz seines jungen Alters einen konsequenten Berufsweg eingeschlagen hat: Nach dem Abitur am Beruflichen Gymnasium in Lauterbach denkt er an eine Karriere in der Hotelbranche. Also jobt er nebenbei in Gaststätten und überlegt es sich anders. Bei einer Familienfeier im Gasthaus Habermehl, wo er als Bedienung arbeitet, kommt er mit seiner jetzigen Chefin Anita Schaub-Gluck ins Gespräch über Ausbildungsmöglichkeiten.

„Da sie eigentlich schon jemand für die Stelle hatte, habe ich noch in der Nacht die Bewerbung geschrieben und am nächsten Tag eingeworfen“, erzählt Christoph Muhl. Die Ausbildung zum Bürokaufmann verkürzt er wegen seiner guten Noten auf eineinhalb Jahre und schließt dann mit dem Kaufmannsgehilfenbrief in der Tasche wenige Monate später eine zweite Ausbildung an – diesmal ist es eine Maurerlehre, nachdem er einen tieferen Einblick in die Arbeit der Bauleiter bekommen hat.

Dabei hat sich Muhl, der sich in seinem Heimatdorf in der Feuerwehr und bei den Kirmesburschen engagiert, für einen Studiengang an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach entschieden. Das bedeutet, dass theoretische Ausbildung am Neckar und praktische Ausbildung in der Firma im Dreimonatsrhythmus wechseln. Am Ende steht dann der Abschluss des Bachelor of Engineering, was in etwa dem ehemaligen Bauingenieur entspricht. Wie es danach weitergeht, lässt Muhl offen: „Vielleicht strebe ich den Masterabschluss an oder ich bleibe hier in der Firma. Das wird sich zeigen.“

Letzteres scheint durchaus möglich. Seine Chefs loben ihn jedenfalls während der Feierstunde in Anwesenheit von zahlreichen Kollegen über den grünen Klee. Anita Schaub-Gluck betont Muhls Verlässlichkeit und die Bedeutung des praxisbezogenen Studienganges gerade für ein mittelständisches Unternehmen. Und Dieter Schaub weist auf die Tradition des Bauunternehmens als Ausbildungsbetrieb hin. Mehr als 150 junge Leute hätten seit 1949 hier ihre Lehre absolviert. 15 davon im Rahmen eines Pilotprojektes, in dem Jugendliche mit Realschulabschluss innerhalb von drei Jahren sowohl eine Maurerlehre absolvieren als auch die allgemeine Hochschulreife erwerben.

Schaub: „Praktische Erfahrung ist enorm wichtig, zumal die Fachkompetenz in den Ingenieur- und Architekturbüros sowie den Bauämtern rapide abnimmt. Zwar gehen viele Absolventen des Pilotprojektes weg zum Studium. Aber viele kommen auch zurück. Bei uns sind es acht von 15, die wieder in der Firma tätig sind.“ Mangels Interesse bei anderen Unternehmen im Kreis werde das Projekt künftig zusammen mit der Handwerkerschaft Fulda betrieben, wobei die praktische Ausbildung am Lehrbauhof Lauterbach erfolgt.

Dieser werde maßgeblich mit Lehrlingen der Firma Gluck bestückt, lobt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vogelsberg, Erwin Mönnig. Und Andreas Demand, Abteilungsleiter Berufsausbildung beim Verband Baugewerblicher Unternehmer Hessen, stellt Gluck als „Aushängeschild in der Ausbildung“ heraus. Mit seiner Bemerkung, dass „die überwiegende Zahl der Lehrlinge uns Freude machen“, hat er wohl auch Christoph Muhl im Sinn.