Windpark "Berngerod" wird weitergebaut

Es wird weiter gebaut - Ausweisung im Flächennutzungsplan

28. März 2014
rimbach

Offensichtlich vertraut ABO-Wind auf das gewichtige Wort des Hessischen Landesvaters Bouffier in der Konferenz der Ministerpräsidenten, die sich in der kommenden Woche mit dem Thema "Kürzung der Einspeisevergütung" befasst. Zeit zum Jammern bleibt nicht und wir wollen nicht politisch spekulieren. Somit gehen auch die Arbeiten im "Berngerod" voran. Die letzten Wurzeln werden gezogen und die Flächen eingeebnet.

Im nächsten Schritt folgt die Verlegung des Kabels, welches die 12 WKA untereinander verbindet. "Das ist ein dreiadriges Systemkabel, wovon ein dünnes Rohr noch leer ist. Wenn die 12 Anlagen untereinander verbunden sind, wird durch das Leerrohr ein Lichtwellenleiter "geschossen". Dies geschieht mit Druckluft und ist für die Steuerung der Anlagen. Sind alle untereinander verbunden, wird von der Anlage 4 aus der erzeugte Strom zu einem Umspannwerk weggeführt", erklärt Projektleiter Thomas Rumpf von ABO-Wind. Das Team der Fa. Bellinger aus Thüringen ist bereits seit zwei Tagen an der Arbeit. "Wenn es gut läuft, verlegen wir 1000 Meter Kabel am Tag", erzählt der Vorarbeiter. Dafür hat die Firma einen "Kabelpflug", der von einem LKW gezogen wird und in einem Arbeitsgang den ca. 30 cm breiten Graben 120 cm tief aushebt, das Systemkabel einlegt und im dritten Schritt den Graben wieder auffüllt.

Mehrere Arbeiten finden zeitgleich statt. Neben der Kabelverlegung werden die verbreiterten Wege aufgefüllt und verfestigt, die letzten Flächen für die Anlagen werden eingeebnet und der erste Bagger bereitet an einer Anlage bereits die Fläche für das Fundament vor. Im Moment ist alles im Zeitplan. Das ist zum Einen der guten Logistik und zum Anderen dem Wetter zu verdanken. Zur guten Logistik gehört auch die ständige Absprache zwischen ABO-Wind und der Salm-Boscor Gruppe. Deren Vertreter Thomas Rumpf und Revierförster Christoph Balke koordinieren das Projekt vor Ort. Zur "großen Politik" befragt, geben die beiden Praktiker sowieso keine Antwort, zum "Windpark Berngerod" wissen sie jedoch alles und geben ihr Wissen auch weiter. "Realistisch ist für mich eine Bauzeit bis Ende Januar kommenden Jahres. Dabei wollen wir bis Ende 2014 zehn der zwölf Anlagen am Netz haben", klärt Rumpf sachlich auf. In der kommenden Woche gibt es ein intensives "Briefing" für die LKW-Fahrer. "Wir wollen die nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass sie hier im Wald arbeiten. Keine Kippen und kein Abfall aus dem Fenster werfen, langsam fahren, denn es können immer wieder Spaziergänger auftauchen oder Wild den Fahrweg kreuzen.

Das sind Verhaltensregeln, die einfach beachtet werden müssen", mahnen der Förster und der Bauleiter einhellig. Aber auch die Spaziergänger werden nochmals zur Vorsicht aufgefordert. In den nächsten Wochen nimmt der LKW-Verkehr zu. "Wir haben uns auch noch einmal den Wegeplan durch den Kopf gehen lassen. Wir werden es so gestalten, dass die Zufahrt durch das Trossbachtal geführt wird, die Rückfahrt aber durch das Berngeröder Tal", erklärt Rumpf.

Der Windpark in den städtischen Gremien
Ungeachtet der Bauarbeiten im Wald, wird der "Windpark Berngerod" auch immer wieder Thema in den städtischen Ausschüssen und in der Stadtverordnetenversammlung sein. Dies ist notwendig durch die zur Zeit laufende Erstellung eines neuen Flächennutzungsplanes für die Gemeinde. In diesem Plan muss der Windpark als Konzentrationszone für Windenergieanlagen ausgewiesen werden.

Durch die gesetzlich vorgeschriebene Offenlage des Planes haben die Öffentlichkeit sowie die Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange die Möglichkeit, zu dem Plan Stellung zu nehmen und ihre Bedenken mit einfließen zu lassen. Und solch eine Chance verpasst bei so einem Projekt wie Windkraftanlagen kaum jemand. Durch den bereits genehmigten Bauantrag nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSch) relativieren sich aber die Einspruchsmöglichkeiten, denn viele Punkte wurden bereits im Genehmigungsverfahren überprüft.

Nach der ersten Offenlegung des geplanten Flächennutzungsplanes haben Bürgermeister Schäfer, die städtische Verwaltung und das planende Ingenieurbüro Fischer aus Linden die Stellungnahmen ausgewertet. Aufgrund dieser Auswertung ist man zu dem Schluss gekommen, die Konzentrationszone für Windkraftanlagen geringfügig zu verkleinern und den Plan neu - mit einer verkürzten Frist - auszulegen. In der neuen Konzentrationszone werden die Tallagen und die Flächen unterhalb von 320 Höhenmeter ü. NN. ausgenommen.

"Als Gründe können hierfür u. a. die fehlende Windhöffigkeit in diesen Bereichen und die Inanspruchnahme von Vorrangflächen für die Forstwirtschaft gemäß den Vorgaben des Regionalplanes Mittelhessen 2010 aufgeführt werden", so Bürgermeister Schäfer in seinen Erläuterungen in der Stadtverordnetenversammlung. Neben der Rücknahme der Flächen wird gleichzeitig die Begründung und der Umweltbericht gemäß den Prüfungsergebnissen aus dem Genehmigungsverfahren ergänzt und als Information zur Landschaftsbildanalyse mit aufgenommen.

Gerade zum Thema Windpark kamen immer wieder Fragen an Bürgermeister Schäfer und Planer Julian Adler. So klärte sich auch, weshalb die Genehmigung für ABO-Wind so lange auf sich warten ließ. Im Antrag nach BImSch hatte ABO-Wind angegeben, es werde für die WKA eine Fläche von 9,8 Hektar Wald gefällt. 9,8 Hektar ist aber eine magische Zahl, bei der es bei Fachleuten sofort "klingelt". Ab 10 Hektar zu fällender Waldfläche ist nämlich eine zusätzliche Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Also machten sich die Fachleute aus der Oberen Forstbehörde auf den Weg ins "Berngerod" und haben nachgemessen, ob sich da ABO-Wind nicht "vermessen" hat. Nein, ABO-Wind hatte sich nicht "vermessen", der Antrag war korrekt. Danach wurde die Genehmigung ausgehändigt.

Es war schon eine Überraschung in der vergangenen Woche, als von ABO-Wind zu hören war, der Bau des Windparks "Berngerod" werde in Frage gestellt. Mittlerweile ist klar, es wird weitergebaut.