Seniorenstift Burg Schlitz: Noch Fragezeichen hinter dem Projekt

Seniorenstift Burg Schlitz plant Neubau für 7 Millionen Euro

16. April 2014
Schlitz

"Irgendwann 2016" soll das Seniorenstift Burg Schlitz in sein neues Domizil einziehen, wenn es nach Verwaltungsleiter Alfons Heß geht. Hinter diesem Zeitplan für das 7-Millionen-Euro-Projekt stehen allerdings noch einige dicke Fragezeichen.

Über 63 Plätze verfügt das von der Stiftung Graf Görtzisches Alten- und Pflegeheim betriebene Seniorenstift Burg Schlitz derzeit in der Hinterburg und in der Schachtenburg. Beide stehen unter Denkmalschutz, zudem bereitet nicht nur der Brandschutz große Sorgen. Seit 2011 gibt es konkrete Überlegungen, die historische Altstadt zu verlassen und neu zu bauen. Die vorgesehenen drei Gebäude sollen 72 alten Menschen in sechs Hausgemeinschaften Platz bieten.

2012 wurde eine Landesförderung frühestens für 2014 in Aussicht gestellt. Kommt diese, wären etwa 70 Prozent der auf 6,5 bis 7 Millionen Euro geschätzten Kosten abgedeckt. Um dieses Geld zu erhalten, muss der Seniorenstift allerdings noch einige Probleme lösen.

Stadt machte Gebrauch von Vorkaufsrecht

Da ist zunächst die Grundstücksfrage: Als Bauplatz hat das Seniorenstift eine etwa 20 000 Quadratmeter große Fläche der ehemaligen Brauerei ins Auge gefasst. Dieses liegt direkt unterhalb der jetzt als Altenheim genutzten Gebäude. Eigentümer ist die Stadt Schlitz. "Die Stiftung wollte die Brauerei von der Waldgesellschaft der Riedesel Freiherren zu Eisenbach kaufen. Dann hat diese aber an eine Privatperson verkauft, weshalb wir von unserem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht haben und nun der Eigentümer sind", erläutert Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer (CDU). "Wir sind dabei, die Konditionen festzulegen, wie das Grundstück veräußert wird. Da spielen die gräfliche Stiftung und der Caritas-Verband eine Rolle."


Die das Seniorenstift betreibende Stiftung ist kooperatives Mitglied der Caritas. Diese wiederum ist durch einen Sitz im Stiftungsrat eingebunden. Alfons Heß, Verwaltungsleiter des Seniorenstifts, bestätigt die von Schäfer genannten Überlegungen, dass der Caritas-Verband der Diözese Mainz als Käufer in Erscheinung treten könnte. Das Gelände würde dann mit einem Erbbauvertrag an den Stift langfristig verpachtet.

Für eine solche Konstruktion sprechen zwei Gründe: Gut die Hälfte der Zuschusssumme besteht aus einem zinslosen Darlehen der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen an die Stadt, die das Geld an den Altenheimbetreiber weiterreicht. Das Problem dabei ist, dass eine als nachrangig (hinter Bankkrediten und dem Landeszuschuss) ins Grundbuch eingetragene Bürgschaft der Stadt nicht als Sicherheit reicht. Der zweite Vorteil würde das Seniorenstift gleich in der Kasse spüren: "Die Caritas würde bei einem Kauf auch den Abriss der Brauereigebäude – lediglich die alte Mälzerei steht unter Denkmalschutz und darf nicht abgerissen werden – übernehmen. Das ergäbe eine Entlastung für die Stiftung um bis zu 500 000 Euro", erläutert der Bürgermeister.

"Die Stadt möchte die Möglichkeit einer Rückübertragung im Falle einer Stiftungsauflösung im Vertrag festschreiben", nennt Heß eine weitere Hürde, die es in den kommenden Wochen in den Verhandlungen auszuräumen gelte. Gelingt dies, kann die Stiftung mit der EU-weiten Ausschreibung der Architektenleistungen den nächsten Schritt einleiten. Derzeit gibt es lediglich ein Modell sowie Vorentwürfe, die mit Bauaufsicht und Denkmalschutz abgestimmt sind. "Eventuell können wir noch in diesem Jahr mit dem Abriss beginnen. Wir rechnen mit einem guten Jahr Bauzeit, so dass wir irgendwann 2016 fertig sein werden – vorausgesetzt, es gibt keine zeitlichen Verzögerungen mehr", schränkt der Verwaltungsleiter des Seniorenstifts, Alfons Heß, ein.

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