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Eintracht Frankfurt: Hut ab, Hinti

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Von: Ingo Durstewitz

Der Kultspieler von Eintracht Frankfurt macht Schluss mit Fußball. Er ist ausgebrannt. Die Entscheidung ist eine Befreiung für ihn. Ein Kommentar

Frankfurt – Vor wenigen Tagen erst verkündete der eigenwillige Fußballprofi Martin Hinteregger, er werde seine Karriere in Frankfurt bei der Eintracht beenden. Definitiv. Ganz sicher. Das ultimative Treuebekenntnis. Nur einige wenige interpretierten die Sätze richtig: Denn einen Zeitpunkt hatte er ja nicht genannt, weil nur er selbst wusste, dass er schon gekommen war: Hinteregger macht Schluss mit Profifußball, mit gerade einmal 29 Jahren. Ein Donnerschlag.

Es ist ein außergewöhnlicher Schritt, der aber zu diesem liebevollen Unikat passt, das nur schwer greifbar ist, das seinen eigenen Kopf hat und in keine Schablone passt. In Schubladen schon mal gar nicht. Hinti ist ein Bauchmensch, und wenn er spürt, es geht nicht mehr, dann geht es nicht mehr. Ende, Aus.

Tschüss, Eintracht: Martin Hinteregger in Barcelona. Foto: AFP
Tschüss, Eintracht: Martin Hinteregger in Barcelona. Foto: AFP © AFP

Eintracht Frankfurt: Hintereggers Entscheidung war länger überlegt

Es ist eine mutige Entscheidung, die Respekt und Achtung verdient. Hut ab, Martin Hinteregger. In diesem Alter auszusteigen aus einem Geschäft, in dem es Jahr für Jahr Millionen regnet, ist die absolute Ausnahme. Aber Geld ist nicht alles, in diesem Fall bedeutet es gar nichts.

Der Entschluss reifte schon länger in ihm, es war keine Kurzschlussreaktion und keine Antwort auf die Turbulenzen, die er in seiner Heimat durch die kurzzeitige Geschäftsbeziehung mit einem bekannten Rechtspopulisten auslöste. Dafür entschuldigte er sich in seinen Abschiedsworten explizit. Gut so.

Eintracht Frankfurt: Hinteregger ist müde und ausgebrannt

Martin Hinteregger, der in der Vergangenheit gegen Depressionen kämpfte, ist alles zu viel geworden, er konnte nicht mehr, er wollte nicht mehr. Der Druck, die Erwartungshaltung – er musste raus aus diesem Hamsterrad, nur noch weg. Auch weil die Tage immer dunkler wurden, selbst wenn die Sonne schien. „Die Siege haben sich nicht mehr so gut angefühlt, dafür tat jede Niederlage doppelt so weh“, erklärte er jetzt. Es ist ein Satz, der tief blicken lässt und alles sagt.

Hinteregger wirkte erlöst, ja befreit, als die Verantwortlichen zustimmten, den Vertrag ruhen zu lassen. Er hat nicht um Geld gezockt, wie einst Amin Younes, er hat sich dem Verein gegenüber tadellos, anständig und fair verhalten. Sein Abgang hatte Klasse und Stil. In seltener Offenheit hat er seine Situation geschildert und die Ausweglosigkeit oder, besser gesagt, den einzigen Ausweg für ihn skizziert. Das Karriereende.

Hinteregger beendet Karriere bei Herzensklub Eintracht Frankfurt

Hinteregger, eine zerrissene Persönlichkeit mit dem Herzen am rechten Fleck, hat gerade noch die Kurve bekommen. Die, die ihn länger begleiten, glauben nicht, dass er noch eine Saison in diesem Fußballzirkus überstanden hätte. Er wirkte überdrüssig, müde, ausgebrannt.

Ihm war es wichtig, seine Laufbahn bei der Eintracht zu beenden, bei seinem Herzensklub, bei den Fans, die ihm das gaben, was er sich immer gewünscht hat: Zuneigung, Nestwärme, Liebe. Die Fans werden ihn weiter ehren, den sensiblen Mann aus den Bergen. „Frankfurt verneigt sich vor einem großen Spieler“, schrieb einer zum Abschied. „Mach’s gut, Hinti.“ (Ingo Durstewitz)

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