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Neuer Nachwuchschef Alexander Richter: Der Schraubendreher von Eintracht Frankfurt

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Von: Daniel Schmitt

Alexander Richter, NLZ-Chef von Eintracht Frankfurt.
Alexander Richter, NLZ-Chef von Eintracht Frankfurt. © Eintracht/prd

Alexander Richter ist neuer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums bei Eintracht Frankfurt. Er hat eine Menge Arbeit vor sich.

Eines will er klarstellen: Leon Goretzka, diesen guten Typen wie Fußballer, deutscher Nationalspieler und Profi beim FC Bayern, musste er damals nicht entdecken. Überspitzt formuliert wäre dieses Talent des damals noch jugendlichen Fußballers selbst mit verschlossenen Augen zu erkennen gewesen. „Den hätten wirklich alle entdeckt, auch meine Mutter.“

Nun war es aber so, dass nicht die Frau Mama in Bochum für den VfL arbeitete, sondern Sohnemann Alexander Richter. Und er, ein Kind des Ruhrpotts, geboren in Bochum, hat sich nunmal den Ruf einer Koryphäe im deutschen Jugendfußball verdient. Wegen Goretzka, wegen anderen, die er beim Klub von der Castroper Straße unter seinen Fittichen hatte, die später zu Stars werden sollten, etwa Ilkay Gündogan (Manchester City), Lukas Klostermann (RB Leipzig) - um nur zwei Nationalspieler zu nennen.

Anfang April schlug Alexander Richter nach 14 Dienstjahren für die Bochumer Talentschmiede, davon elf als Chef, ein neues Kapitel auf: Er beerbte Andreas Möller als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) bei Eintracht Frankfurt. Dem Wunschkandidaten des Frankfurter Sportvorstandes Markus Krösche erwartet eine komplexe Aufgabe. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren am Riederwald strukturell einiges verbessert, der Effekt auf die Profis im Stadtwald aber ist marginal. Noch immer sind Timothy Chandler und Aymen Barkok die bisher letzten Spieler, die den Sprung aus der eigenen Jugend zu den Eintracht-Profis packten. So ist für Richter, verheiratet, zwei Kinder im Alter von elf und 15 Jahren, klar. Die Verbesserung der Durchlässigkeit hat „oberste Priorität“, wie er im Vereinspodcast sagt.

Eintracht Frankfurt: Alexander Richter packt an

Hört man dem 51-Jährigen zu, der seinen Ruhrpott-Dialekt gar nicht erst zu verstecken versucht, fällt schnell auf, dass da ein Mann mit Ahnung von der Materie spricht. Einer, der weiß, dass man im Jugendfußball Geduld braucht, vor allem aber klare Prinzipien. „Man muss zunächst ein vernünftiges Arbeits- und Lernklima reinbringen, das habe ich nicht an allen Stellen erkannt“, sagt Richter: „Du musst alle mitnehmen, Busfahrer, Physios, Cheftrainer, und die ganze Abteilung mit einer hohen Qualität ausstatten.“

Darüber hinaus spiele der Zusammenhalt eine bedeutende Rolle, es müsse ein Klima herrschen, „in dem man sich streiten kann, aber mit einer Meinung nach außen geht.“ Bei der Eintracht stecke „ein Riesenpotenzial drin, man muss nur an den richtigen Schrauben drehen.“

Eintracht Frankfurt: Ralph Gunesch als Übergangstrainer

Die wichtigsten Positionen hat Richter in Absprache mit Sportchef Krösche neu besetzt: Bei der U19 lösen Damir Agovic (einst selbst am Riederwald am Ball) mit Co-Trainer Ervin Skela die abgewanderten Jürgen Kramny und Andreas Ibertsberger ab. Bei der neu eingeführten Reservemannschaft, die als U21 in der fünftklassigen Hessenliga antritt, bekommt Kristijan Glibo, zuletzt Wormatia Worms, Unterstützung von Alex Meier (Richter: „Ein überragender Typ“). Zudem fungiert Ex-Profi Ralph Gunesch, der mit seiner Expertise bei Dazn zu überzeugen weiß, als Übergangstrainer. Er soll fernab des Teamtrainings die hoffnungsvollsten Talente individuell betreuen.

„Du musst gucken, dass du die Besten noch besser machst“, sagt Richter. Übungseinheiten mit drei, vier Spielern, vielleicht auch mit zehn sind angedacht. Dazu Videoanalysen, Zielvereinbarungen für zwei, drei Monate. „Es geht darum, dass wir die Entwicklungszeit der Spieler reduzieren“, sagt Krösche.

Dabei soll künftig auch die zweite Mannschaft eine Rolle spielen. Für sie ist vor allem Patrick Ochs zuständig. Der ehemalige Eintracht-Verteidiger, zuletzt beim SC Hessen Dreieich im Vorstand aktiv, stellt die Mannschaft als Sportlicher Leiter gemeinsam mit Trainer Glibo und NLZ-Leiter Richter zusammen. Sie wird überwiegend aus jungen Spielern bestehen, die auch noch in der A-Jugend spielen dürften - etwa Marcel Wenig, Neuzugang vom FC Bayern. Er soll bei den Profis trainieren und könnte als 2004er-Jahrgang sowohl in U19 als auch U21 Spielpraxis sammeln.

Eintracht Frankfurt: U21 wird „keine Millionentruppe“

Um in der Kürze der Zeit ein Teamgerüst zusammenzubekommen, werden zudem vier ältere Spieler des SC Hessen übernommen. Abassin Alikhil (31) und Zubayr Amiri (32), Cousin von Ex-Nationalspieler Nadiem Amiri, beide einst in der Eintracht-Jugend ausgebildet. Dazu Denis Streker (30), vier Bundesligaspiele für Hoffenheim, und Marc Wachs (26), 80 Drittligaspiele für Mainz II und Wehen Wiesbaden. Profis von Coach Oliver Glasner sollen dagegen nur sehr selten in der Hessenliga auflaufen. Anfangs müsse man Kompromisse eingehen, sagt Krösche, mittelfristig aber solle das Team fast ausschließlich aus jungen Kickern bestehen. „Wir werden keine Millionentruppe aufbauen.“

Durch den Champions-League-Einzug der Profis spielt die U19 in der Uefa Youth League. Für Richter wie die Eintracht eine neue Erfahrung. Eine, die der NLZ-Leiter für anspruchsvoll hält, „kein Zuckerschlecken“ werde das. „Es hat extreme Auswirkungen auf die Belastung der Spieler.“ Gerade für den 2004er-Jahrgang, der ohnehin zwischen U19 und U21 pendeln könnte. „Da müssen wir schauen, für wen es in welcher Mannschaft besser passt“, sagt Alexander Richter.

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